Weltkirche

„Ich glaube, die Kirche wird umso katholischer je synodaler sie wird“

Redaktion am 17.01.2024

2024 01 17 pb alb vortrag bischof oster zu synode2 Foto: Michael Glaß
Passaus Bischof Stefan Oster SDB und Brigitta Neckermann-Lipp, Referentin im „Haus der Begegnung Heilig Geist“ in Burghausen beim Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Für eine synodale Kirche – Einblicke aus erster Hand“.

Passaus Bischof Stefan Oster SDB ist sich sicher: „Ich glaube, die Kirche wird umso katholischer je synodaler sie wird“, sagte er bei einem Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Für eine synodale Kirche – Einblicke aus erster Hand“ am 16. Januar im „Haus der Begegnung Heilig Geist“ in Burghausen. Doch wie diese Kirche aussehen wird und was der von Papst Franziskus angestoßene Prozess praktisch bedeutet in den Pfarreien vor Ort, werde sich erst noch zeigen müssen.

Von Burg­hau­sen bis nach Rom sind es dann doch ein paar Kilo­me­ter und dort ange­kom­men, ist es nicht ganz so ein­fach, mal kurz in den Vati­kan zum Papst zu spa­zie­ren, um mit ihm über die syn­oda­le Kir­che zu plau­dern. Wer weiß, viel­leicht wür­de Fran­zis­kus so ein spon­ta­nes Gespräch sogar Freu­de berei­ten. Zumin­dest war es ihm für die Welt­syn­ode ein gro­ßes Anlie­gen, die Stim­men der ein­fa­chen Gläu­bi­gen“ zu sam­meln. Neu war ja u.a. auch die Betei­li­gung von Lai­en, wie Bischof Oster aus­führt, der bei der drit­ten Etap­pe der Welt­syn­ode im Okto­ber 2023 als einer von fünf deut­schen Bischö­fen in Rom mit dabei war. Und jetzt ist es eben sei­ne Auf­ga­be, die Ergeb­nis­se des Tref­fens wie­der mit nach Hau­se zu brin­gen – in einem Fach­vor­trag, den er gut gelaunt mit ein paar Anek­do­ten anrei­chert: Okay, das Bis­tum Pas­sau ist nicht der Nabel der Welt“, schil­dert er sei­ne Gedan­ken nach einem Gespräch mit dem Bischof der 15 Cook­in­seln, die sich immer­hin über eine Was­ser­flä­che von rund 2,3 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­ter ver­tei­len. Man merkt ihm an, dass er ger­ne über das gro­ße Erleb­nis Welt­kir­che“ erzählt. Aller­dings gibt er auch zu: Wie die syn­oda­le Kir­che nun kon­kret vor Ort in den Pfar­rei­en umge­setzt wer­den kön­ne, sei noch nicht so ganz klar. Das The­ma ist halt groß – so wie eben auch die Welt­kir­che. Und die Syn­ode ist noch lan­ge nicht vor­bei: im Okto­ber die­ses Jah­res wird eine zwei­te Ver­samm­lung fol­gen und erst 2025 ist mit einem Abschluss­do­ku­ment des Paps­tes zu rech­nen. Bischof Oster ist es wich­tig, hier­bei wirk­lich in die Tie­fe zu kom­men – und nicht nur die eige­ne Mei­nung rauszuhauen“.

2024 01 17 pb alb vortrag bischof oster zu synode1 Foto: Michael Glaß
Passaus Bischof Stefan Oster SDB im „Haus der Begegnung Heilig Geist“ in Burghausen beim Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Für eine synodale Kirche – Einblicke aus erster Hand“.

Doch all­mäh­lich bil­den sich Mit­tel und Wege, wie gro­ße Ent­fer­nun­gen – ob geo­gra­fisch, kul­tu­rell oder inhalt­lich – über­wun­den wer­den kön­nen. Auch das zeigt die­ser Abend. Denn neu ist ja vor allem die Metho­de, wie die Fra­gen und Anlie­gen der Gläu­bi­gen an die Kir­che dis­ku­tiert wer­den: unge­zwun­gen und ohne stren­ge Hier­ar­chie an Tischen in klei­nen Grup­pen mit zwölf Teil­neh­mern, die immer wie­der wech­seln – mit kur­zen drei­mi­nü­ti­gen State­ments – mit Schwei­ge­mi­nu­ten dazwi­schen – und ganz wich­tig: durch Zuhö­ren. Eine Metho­de, die auch die Bischö­fe erst ein­mal in Exer­zi­ti­en vor der Ver­samm­lung in Rom hät­ten ein­üben müs­sen, wie Bischof Oster erzählt. Der Prot­ago­nist der Syn­ode ist der Hei­li­ge Geist“, betont er und erklärt: Gera­de das Hören auf den Ande­ren sei anstren­gend. Ein Fort­schritt ist auf jeden Fall, dass noch auf kei­ner Syn­ode zuvor so offen über Kon­flikt­the­men gespro­chen wor­den ist“, resü­miert der Bischof.

Auch das Publi­kum in Burg­hau­sen übt an die­sem Abend, der mit einem Gebet beginnt und auch endet, die syn­oda­le Kir­che: Nach dem Vor­trag lädt die Refe­ren­tin im Haus der Begeg­nung, Bri­git­ta Necker­mann-Lipp, erst ein­mal zu drei Schwei­ge­mi­nu­ten ein. Erst dann lei­tet sie über zur Fra­ge- und Diskussionsrunde:

  • Wo bleibt die Trans­pa­renz, wenn die Syn­oden­teil­neh­mer hin­ter ver­schlos­se­nen Türen dis­ku­tie­ren? – Es habe durch­aus Pres­se­po­di­en gege­ben, auf denen all­ge­mein über das Tref­fen berich­tet wor­den sei, ant­wor­tet Bischof Oster. Dies aber nach bestimm­ten Regeln, etwa ohne Namen zu nen­nen. Gera­de die­ser geschütz­te Raum“ sei Vor­aus­set­zung gewe­sen für die offe­nen Gesprä­che, die geführt wor­den sei­en. Vor allem habe die­ser vor einer Poli­ti­sie­rung und dem dar­aus resul­tie­ren­den media­len Echo geschützt.
  • Ob es bald kei­ne römisch-katho­li­sche, son­dern eine syn­odal-katho­li­sche Kir­che geben wer­de und ob die dann über­haupt noch katho­lisch sei, ist eine besorg­te Fra­ge aus dem Publi­kum. – Hier ant­wor­tet Bischof Oster sehr reso­lut und über­zeugt: Syn­ode und Kir­che sei­en kei­ne Gegen­sät­ze, son­dern gehör­ten grund­sätz­lich zusam­men. Wäh­rend wir Men­schen Vor­ur­tei­le hät­ten, sei Jesus die absichts­lo­se Lie­be“, zu der er auch uns befrei­en wol­le. Bei der Syn­ode gehe es um Begeg­nung und: Gera­de wir Chris­ten müss­ten doch eigent­lich die gro­ßen Bezie­hungs-Spe­zia­lis­ten sein“, betont der Bischof. Sonst blei­be alles wie gewohnt: Wir lösen die Tra­di­ti­on nicht auf in einer erneu­er­ten Kir­che“, stellt Bischof Oster klar.
2024 01 17 pb alb vortrag bischof oster zu synode4 Foto: Michael Glaß
Passaus Bischof Stefan Oster SDB im Gespräch mit dem Publikum nach seinem Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Für eine synodale Kirche – Einblicke aus erster Hand“ im „Haus der Begegnung Heilig Geist“ in Burghausen.
  • Schafft die Syn­ode die katho­li­sche Hier­ar­chie ab? – Das größ­te Pro­blem, das wir in der Kir­che haben, ist der Macht­miss­brauch“, ant­wor­tet Bischof Ste­fan Oster. Und dies sei vor allem ein spi­ri­tu­el­les Pro­blem. Die Syn­ode kön­ne gera­de auf­grund ihrer Metho­de hel­fen, dass wir wirk­lich Hören­de und dadurch hei­ler und hei­li­ger werden“.
    Die grund­sätz­li­che Ver­fasst­heit der Kir­che aber bleibt, das hat der Bischof bereits zuvor in sei­nem Vor­trag erklärt. Zwar sei noch offen, wie Syn­oda­li­tät und Teil­ha­be rechts­si­cher inte­griert wür­den, fest aber steht: Am Ende der Syn­ode ent­schei­det der Papst was im Abschluss­do­ku­ment ste­hen wird.
  • Das Zusam­men­sit­zen an Tischen – hat das bei Ihnen etwas aus­ge­löst?“ – Ja, natür­lich“, ant­wor­tet Bischof Oster. Gera­de die­se Art des Kom­mu­ni­zie­rens auf Augen­hö­he sei wich­tig auch in Bezug auf die Fra­ge nach Macht und Auto­ri­tät: Will ich sel­ber glän­zen und ande­re klein­hal­ten – oder will ich ande­re neben und mit mir wach­sen las­sen?“ Letz­te­res sei das Ent­schei­den­de und eben dies för­de­re die Synode.
    Zur Metho­de des Zuhö­rens erläu­tert der Bischof auch: Die­se hän­ge viel mit dem Gebet zusam­men. Haben wir gelernt in die Stil­le zu gehen? Gott zu hören? Wer nicht zuhö­ren kann, der kann auch nicht im tie­fen Sin­ne beten“, so Bischof Oster.
  • In Afri­ka etwa wächst die Kir­che: Lie­ge das nicht viel­leicht dar­an, weil dort die Real­prä­senz Jesu in der Fei­er der Eucha­ris­tie noch wirk­lich geglaubt und gelebt wer­de? – Hier sei­en die Unter­schie­de zu Deutsch­land vor allem kul­tu­rel­ler Art, ant­wor­tet Bischof Oster. Die jun­ge Kir­che“ in Afri­ka etwa sei sehr viel leben­di­ger als die alte Kir­che“ in Euro­pa und sie sei gera­de erst dabei die ethisch-mora­li­schen Seg­nun­gen der Kir­che“ zu imple­men­tie­ren – Stich­wort Poly­ga­mie“.
2024 01 17 pb alb vortrag bischof oster zu synode3 Foto: Werner Kropp
Rege Beteiligung bei der Diskussion im Anschluss an den Vortrag von Passaus Bischof Stefan Oster SDB zum Thema „Für eine synodale Kirche – Einblicke aus erster Hand“ im „Haus der Begegnung Heilig Geist“ in Burghausen.
  • Wie­so die Ableh­nung der Beschlüs­se des deut­schen Syn­oda­len Wegs in Frank­furt in Bezug auf die Ein­rich­tung eines Syn­oda­len Aus­schus­ses, der einen Syn­oda­len Rat vor­be­rei­ten soll, in dem Bischö­fe und katho­li­sche Lai­en gemein­sam über mög­li­che Refor­men bera­ten? – Hier­zu wie­der­holt Bischof Oster sei­ne bereits öffent­lich geäu­ßer­ten star­ken inhalt­li­chen Beden­ken“, eben­so sei­ne Kri­tik, dass der geplan­te Rat in wei­ten Stre­cken nicht mit dem welt­wei­ten Syn­oda­len Weg mit­ge­he; außer­dem sei sei­ne Ableh­nung ein Akt des Gehor­sams“ gegen­über dem Papst, der die­se Ein­rich­tung eben­falls ablehne.
  • Stich­wort Ver­ar­mung der Seel­sor­ge vor Ort“ – wie kann der Syn­oda­le Weg hier Hoff­nung geben? – An die­ser Stel­le kri­ti­siert Bischof Oster eine zu star­ke Fixie­rung der Leu­te auf die Pries­ter und Haupt­amt­li­chen der Kir­che. Gera­de die soge­nann­ten ein­fa­chen Gläu­bi­gen“ hät­ten kaum gelernt über ihren eige­nen Glau­ben zu spre­chen. Dabei sei dies eigent­lich sehr ein­fach: Gott liebt uns und hat einen Plan für jeden Ein­zel­nen – dann kam die Sün­de dazwi­schen – Jesus will uns zum Vater zurück­füh­ren – bit­te geh hin­aus und sag das den Anderen …“

Was mich trägt, ist der Glau­be: Jesus ist da und Jesus bleibt da“, betont Bischof Oster am Ende der Diskussion.

Das letz­te Wort des Abends zur Zukunft der Kir­che aber hat ein Zuhö­rer aus dem Publi­kum: Solan­ge zwei oder drei in mei­nem Namen ver­sam­melt sind …“ wer­de die Kir­che wei­ter­le­ben – da mache er sich über­haupt kei­ne Sor­gen. Ein Schluss­wort, dem auch Bischof Oster unkom­men­tiert und offen­sicht­lich ger­ne zuhört.

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Michael Glaß

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