Wallfahrt

Mit allen „Reichtümern, die die Seele atmen will“

Redaktion am 09.07.2024

2024 07 05 pb alb sternwallfahrt rosenkranz1 Foto: Roswitha Dorfner
Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg beim Pontifikalamt in der Basilika.

Zum zweiten Mal hat eine Sternwallfahrt der Initiative „Deutschland betet Rosenkranz“ stattgefunden. Rund tausend Teilnehmer zählte die Veranstaltung am 7. Juli, deren Höhepunkt ein Pontifikalgottesdienst mit dem Münchner Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg war.

Ein­heit, Ein­tracht, Frie­den“ war heu­er das Mot­to der Tages­ver­an­stal­tung. Ein hoher Anspruch gera­de in die­sen Zei­ten. Doch dass die­ser nicht von heu­te auf mor­gen zu errei­chen ist, das war auch den Pre­di­gern und Red­nern die­ses Tages bewusst: Wir sind nicht poli­tisch, wir sind Glau­ben­de und wir ver­su­chen zual­ler­erst in der Kraft des Gebets Frie­den zu fin­den“, lei­te­te Kapu­zi­ner­pa­ter Mari­nus Par­zin­ger die Pon­ti­fi­kal­mes­se in der Basi­li­ka ein. Danach dank­te der Haupt­ze­le­brant, Weih­bi­schof zu Stol­berg, für das Gebet und dafür, dass die Beter ein sicht­ba­res Zei­chen set­zen, dass Gott in unse­rer Mit­te ist“. In eine ähn­li­che Rich­tung argu­men­tier­te nach­mit­tags auch Pater Johan­nes Rot­här­mel CP in sei­nem ein­stün­di­gen Vor­trag: Der Weg zum Frie­den kommt über das Gebet“, sag­te er. Wor­te, die im Wesent­li­chen auch die Stoß­rich­tung der Initia­ti­ve Deutsch­land betet Rosen­kranz“ wie­der­ga­ben, die davon über­zeugt ist, dass eben gera­de in die­sen unru­hi­gen Zei­ten die Ruhe des Gebets Kraft schen­ken kann – jedem Ein­zel­nen eben­so wie einer pola­ri­sier­ten Gesell­schaft insgesamt.

Sternwallfahrt der Initiative „Deutschland betet Rosenkranz“ – Impressionen

Fotos: Ros­wi­tha Dorfner

Frei­lich sei die poli­ti­sche Situa­ti­on sehr kom­plex und es gebe nicht die eine Ursa­che, an der man die viel­fäl­ti­gen Pro­ble­me unse­rer Zeit fest­ma­chen kön­ne, stell­te Weih­bi­schof zu Stol­berg in sei­ner Pre­digt fest. Über­zeugt aber zeig­te er sich, dass der Glau­be das Poten­zi­al hat, Span­nun­gen zu über­win­den und Kon­flik­te zu lösen“. Es sei ein gro­ber Miss­brauch, wenn die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che den rus­si­schen Angriffs­krieg auf die Ukrai­ne auch mit dem christ­li­chen Glau­ben recht­fer­ti­ge, beton­te er. Im Gegen­satz dazu sei die Rück­be­sin­nung auf die wah­re Bot­schaft des Evan­ge­li­ums und die Gestal­tung unse­rer Gemein­schaft aus die­ser Bot­schaft her­aus“ ein wesent­li­cher Bei­trag, um Frie­den zu schaf­fen. Als Chris­ten sei es unser Auf­trag“ die Men­schen dar­an zu erin­nern, auf wel­cher Bot­schaft unser Land und unse­re Kul­tur auf­ge­baut ist“. Aus­drück­lich warn­te zu Stol­berg vor Über­heb­lich­keit und zitier­te aus der zwei­ten Lesung: Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (vgl 2 Kor 12, 7 – 10). Die­se bit­te­re Erkennt­nis“, dass auch die Kir­che nur aus Men­schen bestehe, die Feh­ler machen, sei die Vor­aus­set­zung dafür, mit eben jenen Feh­lern auch offen umge­hen zu kön­nen. Erst dadurch ent­ste­he Glaub­wür­dig­keit für die christ­li­che Bot­schaft. Und erst durch die­se Ehr­lich­keit und Offen­heit habe die Kir­che die Mög­lich­keit, sich auf den Kern ihres Glau­bens, auf Jesus Chris­tus, zu besin­nen. Die Got­tes­mut­ter Maria stell­te der Pre­di­ger als Vor­bild her­aus: Sie habe nicht sich selbst in den Vor­der­grund gestellt, son­dern auf ihren Sohn ver­wie­sen. Und eben die­se Grund­bot­schaft Mari­as sei auch die Ziel-Rich­tung des Rosen­kranz-Gebets. Die­ses sei zual­ler­erst ein Gebet, das uns selbst ver­wan­deln soll“. Erst dann könn­ten auch die Beter mit­hel­fen, die Welt zu ver­wan­deln. Maria wird uns als Für­spre­che­rin und Beglei­te­rin unter­stüt­zen“, erklär­te der Weihbischof.

2024 07 05 pb alb sternwallfahrt rosenkranz11 Foto: Roswitha Dorfner
Auch am Tag der Sternwallfahrt wurde eifrig der Rosenkranz gebetet.

Zu einem regel­mä­ßi­gen Rosen­kranz-TÜV“ riet bei sei­nem Vor­trag am Nach­mit­tag Pater Johan­nes sei­ne Zuhö­rer. Denn das Gebe­te wir­ke nicht, wenn man es nur so neben­bei vor sich hin­mur­me­le. Statt­des­sen kom­me es dar­auf an, tief ins Geheim­nis zu kom­men – Leben wir und lie­ben wir die­ses Gebet“, appel­lier­te er. Die­ses Gebet sei es wert, immer aufs Neue geübt und wie­der­holt zu wer­den, denn dar­in sind alle Reich­tü­mer, die die See­le atmen will“. Pater Johan­nes refe­rier­te aus­führ­lich über die Zusam­men­hän­ge maria­ni­scher Fröm­mig­keit sowie über die Geheim­nis­se – und, ja auch: über die Macht des Rosen­kranz-Gebets. Denn: Solan­ge wir den Rosen­kranz in der Hand hal­ten und so die Ver­bin­dung zum Him­mel hal­ten, ist Heils­ge­schich­te garan­tiert“, sag­te er. Auf die Per­spek­ti­ve kommt es an: Frie­de sei nicht über Nacht zu errei­chen und eine voll­stän­di­ge Ein­heit wer­de es in die­ser Welt nicht geben – doch als Chris­ten glaub­ten wir an ein Leben, das über die­se Welt hin­aus­ge­he. Gera­de aus dem Blick­win­kel, näm­lich dass wir von einem lie­ben­den Gott beglei­tet wer­den, gebe es die Mög­lich­keit, auch in die­ser Welt immer wie­der nach Ein­heit zu trach­ten“. Aus­drück­lich warb Pater Johan­nes für Tole­ranz, dafür, die Ver­schie­den­heit der Men­schen aus­zu­hal­ten und vor allem dafür, immer wie­der das Gespräch zu suchen – gera­de auch dann, wenn jemand eine ande­re Mei­nung habe. Wir brau­chen das kla­re Zeug­nis der katho­li­schen Kir­che mit dem Glau­bens­schatz im Her­zen, wir brau­chen aber auch eine Welt, die sich auf den Dis­kurs, auf das Gespräch ein­lässt. Wir brau­chen die Frei­heit der Rede und ein trag­fä­hi­ges Gehör.“ Pater Johan­nes sag­te: Lasst uns echt beten! Macht euch fest dar­in, dass der Herr alles wen­den kann …“

Gebe­tet wur­de dann auch an die­sem Tag. Um 14 Uhr ver­sam­mel­ten sich die Teil­neh­mer in der Basi­li­ka zu einem Rosen­kranz und zu einer Eucha­ris­ti­schen Anbe­tung, die Pater Mari­nus mit Betrach­tun­gen berei­cher­te. Auch nach dem Vor­trag, den Pater Johan­nes zwi­schen 15 und 16 Uhr hielt, gab es die Mög­lich­keit zu einem halb­stün­di­gen Gebet. Danach fand eine Ves­per statt und anschlie­ßend eine Rosen­kranz­pro­zes­si­on über den Kapell­platz. Immer mit dabei an die­sem Gebets­tag zu Ehren der Rosen­kranz­kö­ni­gin war eine Fati­ma-Madon­na. Eine Mari­en­wei­he an der Gna­den­ka­pel­le been­de­te den Tag. Das Pon­ti­fi­kal­amt am Vor­mit­tag hat­ten Kapell­chor und ‑orches­ter mit Max Fil­kes Mis­sa in G In hono­rem Sanc­ti Caro­li Bor­ro­maei“ beein­dru­ckend musi­ka­lisch gestaltet.

Das bun­des­wei­te Rosen­kranz­ge­bet geht wei­ter – Woche für Woche. Die Initia­ti­ve in Alt­öt­ting betreut Man­fred Ben­kert, der sich mit der sehr guten Reso­nanz auf die Stern­wall­fahrt sehr zufrie­den zeig­te. Ein paar Beter mehr kön­nen frei­lich trotz­dem nicht schaden …

Michael Glass

Michael Glaß

Redakteur

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