Kirche vor Ort

Weiß, ocker-gelb, rötlich?

Redaktion am 07.06.2022

2022 06 03 pb alb gnadenkapelle farbe1 Foto: Roswitha Dorfner
Eine Frage der Farbe. Prälat Klaus Metzl (l.) begutachtet mögliche Farben für die Gnadenkapelle.

Die Renovierung der Gnadenkapelle schreitet sehr gut voran. Doch welche Farbe soll sie bekommen? – Eine ebenso schwierige wie spannende Frage, denn Möglichkeiten gibt es ungewöhnlich viele.

Eigent­lich ist das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge sehr restrik­tiv, wenn es um die Reno­vie­rung his­to­risch wert­vol­ler Gebäu­de geht. Daher war die Ant­wort von Diplom­re­stau­ra­to­rin Ange­li­ka Porst nach mög­li­chen Far­ben für die Gna­den­ka­pel­le umso über­ra­schen­der: Sie haben Gestal­tungs­frei­heit“, zitier­te Wall­fahrts­rek­tor Prä­lat Klaus Metzl die Fach­frau vom Lan­des­amt bei einer Bege­hung der Bau­stel­le mit dem Kapell-Stif­tungs­rat und Bau­lei­ter Wolf­gang Wen­ger am 2. Juni. Der Grund: die Kapel­le habe im Lau­fe ihrer Geschich­te so gut wie jede Far­be schon ein­mal gehabt“.

Die Diplom­re­stau­ra­to­rin hat­te im Mau­er­werk Farb­res­te frei­ge­legt und Mus­ter abge­nom­men und dabei vie­le ver­schie­de­ne Farb­tö­ne ent­deckt. Dar­über hin­aus konn­te sie ihre Ergeb­nis­se anhand von Votiv­bil­dern bele­gen; die­se zeig­ten wie die Kapel­le zum jewei­li­gen Zeit­punkt tat­säch­lich aus­ge­se­hen hat­te. Im Klas­si­zis­mus etwa war sie ganz in Weiß gestri­chen, die Farb­mus­ter zei­gen u.a. aber auch gel­be und rote Ockertöne.

Bei so vie­len Mög­lich­kei­ten sei die Ent­schei­dung natür­lich umso schwie­ri­ger, kon­sta­tier­te Metzl. Fest steht bis­lang nur eines: so wie die Kapel­le seit den 1980er-Jah­ren gestri­chen war – in einem matt wir­ken­den Ocker­ton – kann sie nicht blei­ben. Metzl ver­wies auf Porst, die die­se Far­be als viel zu blass; ohne Aus­sa­ge und Cha­rak­ter“ bewer­te­te – kei­ne gute Lösung für ein Hei­lig­tum, das als Mit­tel­punkt des Kapell­plat­zes ein Hin­gu­cker“ sein sollte.

Eine Fra­ge der Far­be. Prä­lat Klaus Metzl begut­ach­tet im Mau­er­werk frei­ge­leg­te Far­ben, in denen die Kapel­le frü­her gestri­chen war.

Fotos: Ros­wi­tha Dorfner

Ziel ist es nun, für die Kapel­le eine Far­be zu fin­den, die das Auge sucht, aber gleich­zei­tig nicht zu grell ist. Außer­dem eine Far­be, die Aus­sa­ge und Cha­rak­ter“ hat. Grund­sätz­lich gibt es laut Metzl hier­für zwei Mög­lich­kei­ten: ein kräf­ti­ger Akzent“, der den Betrach­ter kon­fron­tiert – oder eine har­mo­ni­sche Lösung mit einem hei­me­li­gen“ Ton, der gut in das Gesamt­am­bi­en­te ein­ge­bun­den ist. Im ers­ten Fall könn­te die Kapel­le ganz in Weiß gestri­chen wer­den – dies wür­de zwar unge­wöhn­lich, aber viel­leicht auch etwas kalt wir­ken. Im zwei­ten Fall käme ein gel­ber Ocker­ton in Fra­ge, der Wär­me aus­strahlt, aller­dings nicht zu blass sein darf. Auch ein röt­li­cher Ocker-Ton ist wei­ter im Gespräch; die­ser wür­de ins Auge sprin­gen und auch gut zum grü­nen Dach passen.

Eine Ent­schei­dung wird am 20. Juli fal­len. Danach müs­sen näm­lich, um im Zeit­plan zu blei­ben, die Maler­ar­bei­ten begin­nen. Und der Zeit­plan für die Reno­vie­rung ist Prä­lat Metzl wich­tig. Wir sind ganz klar im Zeit­plan“, stell­te er ein­gangs der Bege­hung fest und äußer­te sich dar­über froh und dank­bar“. Die Rück­füh­rung des Gna­den­bil­des zur fei­er­li­chen Wie­der­eröff­nung der Gna­den­ka­pel­le ist für Okto­ber die­ses Jah­res geplant.

Michael Glass

Michael Glaß

Redakteur

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