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Kirche vor Ort

Für andere da sein

Redaktion am 21.11.2022

2022 11 21 pb alb oberin sr elisabeth freund Foto: Roswitha Dorfner
Herzliches Willkommen: Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Klaus Metzl (l.) freut sich über die „Verstärkung“ am Gnadenort durch Sr. Elisabeth Freund CJ (r.).

Nach Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe ist Sr. Elisabeth Freund jetzt Oberin der Congregatio Jesu Altötting.

Ruhi­ger ist es, beschau­li­cher. Und so ganz anders als das Leben, das Schwes­ter Eli­sa­beth in den ver­gan­ge­nen Jah­ren geführt hat. Seit kur­zem ist sie die neue Obe­rin der Con­gre­ga­tio Jesu in Alt­öt­ting. Für die gebür­ti­ge Nie­der­baye­rin der Beginn eines neu­en Lebensabschnitts. 

Für Kin­der und Jugend­li­che da zu sein, Fami­li­en zu unter­stüt­zen, das stand bis dato im Zen­trum aller Tätig­kei­ten der Ordens­frau. Auf­ge­wach­sen auf einem Hof im Land­kreis Freyung/​Grafenau, als eines von neun Kin­dern, erwies sich ein Erleb­nis als weg­wei­send für sie: Mei­ne Mut­ter wur­de krank und wir haben eine Dorf­hel­fe­rin auf den Hof geholt“, erzählt sie. Ich war so beein­druckt, dass mir klar war: Das wird mein Beruf.“ Nach der Lehr­zeit ging sie als Dorf­hel­fe­rin nach Mit­ter­fels, wo sie eher zufäl­lig bei den Maria-Ward-Schwes­tern unter­kam. Eine Fügung, die sich bald als glück­lich erwei­sen sollte.

Denn die jun­ge Frau, gera­de Anfang 20, spür­te, dass sie bei der Arbeit an ihre Gren­zen stieß. Ich hat­te gleich zu Anfang mei­ner Berufs­zeit sehr schwe­re Ein­sät­ze“, erin­nert sich Schwes­ter Eli­sa­beth. Ein­sät­ze, bei denen Kochen, Put­zen und Waschen, die eigent­li­chen Tätig­kei­ten der Dorf­hel­fe­rin, zur Neben­sa­che gerie­ten. In einem Fall starb eine jun­ge Mut­ter an Krebs“, erin­nert sich Schwes­ter Eli­sa­beth. Mann und Kin­der blie­ben allei­ne zurück.

Um den All­tag zu bewäl­ti­gen such­te sie Zuflucht in der Kapel­le der Schwes­tern. Dort habe sie erlebt, wie ihre Not klei­ner gewor­den, wie sie zur Ruhe gekom­men sei. Ich habe gespürt, dass mei­ne Chris­tus-Bezie­hung leben­dig wird.“ Nach zwei Jah­ren, in denen sie die Ordens­frau­en ken­nen­lern­te – Frau­en, die mit­ein­an­der leben, beten, fei­ern und strei­ten“ – beschloss sie 1988, in die Con­gre­ga­tio Jesu ein­zu­tre­ten, die damals noch den Namen der Ordens­grün­de­rin Maria Ward trug.

Unter 300 Dorfhelferinnen die einzige Ordensschwester – und unter 600 Ordensfrauen die einzige, die draußen arbeitete

Dass sie ihren Beruf trotz­dem unbe­dingt wei­ter aus­üben woll­te, sah man im Orden zunächst skep­tisch, schließ­lich wer­de jede Schwes­ter in der Gemein­schaft gebraucht. Doch dann sag­te die Con­gre­ga­tio Ja zu einem unge­wöhn­li­chen Schritt: Schwes­ter Eli­sa­beth durf­te als Dorf­hel­fe­rin arbei­ten. Unter 300 Dorf­hel­fe­rin­nen war ich die ein­zi­ge Ordens­schwes­ter“, erzählt sie. Und unter damals etwa 600 Ordens­frau­en die ein­zi­ge, die nach drau­ßen gegan­gen ist zur Arbeit.“ Dank­bar ist sie für die­sen Rück­halt aus der Gemein­schaft, die ihren Beruf immer mit­ge­tra­gen habe. Auch dann, als sie das Tätig­keits­feld wech­sel­te. Als Fami­li­en­pfle­ge­rin betreu­te sie ihr vom Jugend­amt ver­mit­tel­te Familien. 

Die­ser inten­si­ve Ein­satz für Kin­der, die drin­gend Hil­fe benö­tig­ten und mit­un­ter auch aus den Fami­li­en genom­men wer­den muss­ten, prä­de­sti­nier­te sie aus Sicht des Ordens schließ­lich für eine neue Auf­ga­be: Schwes­ter Eli­sa­beth zog ins nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­gen­berg, wo die Gemein­schaft eine Kin­der- und Jugend­hil­feein­rich­tung unter­hielt. Dafür habe ich mit 55 Jah­ren noch die Aus­bil­dung zur Erzie­he­rin gemacht“, erzählt sie. 

Zwölf Jah­re soll­te sie in Lan­gen­berg blei­ben, zuletzt als Lei­te­rin eines elf­köp­fi­gen Teams in der Not­auf­nah­me der Ein­rich­tung. Eine Arbeit, die sie zutiefst erfüll­te – und doch auch belas­te­te. Dass Kin­der so viel aus­hal­ten kön­nen“ ver­mag Schwes­ter Eli­sa­beth noch heu­te kaum zu fas­sen. Tag­täg­lich war sie mit Not und Leid kon­fron­tiert, das Erleb­te ging ihr sprich­wört­lich ans Herz.

Nun also Alt­öt­ting. Durch mei­nen Beruf habe ich bis­her mei­ne gan­ze Ordens­zeit im Außen­dienst ver­bracht.“ Jetzt, nach den Jah­ren der Sen­dung nach außen“, sei sie ger­ne bereit, in Alt­öt­ting für ihre Mit­schwes­tern da zu sein. Für zunächst drei Jah­re wird sie als Obe­rin die Geschi­cke der 18 Schwes­tern zäh­len­den Gemein­schaft len­ken. Ein Neu­an­fang, an den sich die 67-Jäh­ri­ge noch gewöh­nen muss, auf den sie sich aber freut.

Text: Gaby Mayer

„Kostbarer Ort“

Sr. Elisabeth Freund über Ihre Verbindung zu Altötting und was ihr im neuen Amt als Oberin wichtig ist


Ken­nen Sie Alt­öt­ting bereits aus der Ver­gan­gen­heit und wel­che Bedeu­tung hat der Gna­den­ort für Sie selbst und für Ihren Orden?
Sr. Eli­sa­beth:
In mei­ner Jugend war ich eini­ge Jah­re unter den Fuß­wall­fah­rern von Pas­sau nach Alt­öt­ting. Die Gemein­schaft, die Glau­bens­ge­sprä­che, dass Für­ein­an­der-da-sein auf dem Weg und der bewe­gen­de Ein­zug mit einem sehr herz­li­chen Will­kom­men in Alt­öt­ting sind noch sehr leben­dig in mir. Als noch jun­ge Schwes­ter habe ich dann mei­ne Groß­mutter, Mut­ter und Tan­ten ein­mal jähr­lich zu einem Wall­fahrts­tag nach Alt­öt­ting ein­ge­la­den. Von ihnen lern­te ich, wie eine Wall­fahrt abzu­lau­fen hat“: auf dem Hin­weg der Rosen­kranz und das Besu­chen aller Kir­chen – eben­so aber auch das leib­li­che Wohl und die Gesel­lig­keit auf der Rück­fahrt. Mei­ne Gemein­schaft fei­er­te 2021 300 Jah­re in Alt­öt­ting“. Für mei­ne Mit­schwes­tern ist der Ort sehr kost­bar, das Hier­sein-dür­fen ein beson­de­res Geschenk. Im Ver­gleich zu mei­nen frü­he­ren Gemein­schaf­ten steht hier die Mut­ter­got­tes sehr im Mit­tel­punkt. Ich per­sön­lich bin noch auf der Suche nach mei­nem Platz an die­sem Gna­den­ort. Ich spü­re einen durch­be­te­ten Raum“, ein beweg­tes, aber kein hek­ti­sches Leben um den Kapell­platz, das ich als sehr wohl­tu­end erle­be. Und ich freue mich neben der Wall­fahrt auch eine geleb­te Gemein­de vor Ort ken­nen­ler­nen zu dürfen.

Was haben Sie sich für Ihre Amts­zeit als Obe­rin in Alt­öt­ting vor­ge­nom­men?
Sr. Eli­sa­beth:
Als Obe­rin für mei­ne Gemein­schaft ist es mir wich­tig, dass es mei­nen Mit­schwes­tern gut geht, dass wir in unse­rem All­tag für­ein­an­der da sind, Freud und Leid mit­ein­an­der tra­gen und unser Tun und Sein täg­lich neu auf Gott hin aus­rich­ten. Auch wenn sich das Unter­wegs-sein, die Sen­dung nach außen mit dem Alter sehr ver­än­dert, bin ich über­zeugt, dass unse­re Prä­senz, das Sein unter den Men­schen gut ist und gut tut. So ermu­ti­ge ich zu einer herz­li­chen Gast­freund­schaft im Haus, wie auch zu Begeg­nun­gen außerhalb.

Inter­view: Wolf­gang Terhörst 

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