Glaube und Tradition

Versammelt um Gottes Wort

Redaktion am 08.01.2024

2024 01 08 pb alb krippe kapuziner1 Foto: Bruder Berthold Oehler
Ordenskrippe: Die Figuren stellen allesamt Kapuziner dar – vier Brüder, zwei Diakone und einen Priester, versammelt um die Krippe mit dem Jesuskind; ihm zu Füßen das Evangelium und am Kopfende Hostie und Kelch.

Eine ganz besondere Kapuzinerkrippe hat Ordensbruder Berthold Oehler vor Verfall und Vergessen gerettet. Die Figuren wurden von einem Mitbruder in den 1940er-Jahren in Spanien geschnitzt und zeigen sieben Kapuziner um das Jesuskind versammelt.

Bru­der Bert­hold weiß, dass die Figu­ren aus der Hand von Bru­der Men­nas stam­men, der in Bad Mer­gen­theim das Küfer­hand­werk erlern­te, 1930 in den Kapu­zi­ner­or­den ein­trat und in ver­schie­de­nen Klös­tern ein­ge­setzt wur­de, wo er als Gärt­ner und Koch tätig war. 1940 muss­te er zum Grenz­schutz und an der fran­zö­sisch-spa­ni­schen Gren­ze Dienst tun. Nach dem Krieg wur­de Br. Men­nas in Spa­ni­en inter­niert und blieb bis 1948 dort bei den Kapu­zi­nern in Bil­bao und San­tan­der als Gärt­ner und Schrei­ner. Ver­mut­lich hat er in die­ser Zeit die Figu­ren geschnitzt, beein­druckt von den spa­ni­schen Mitbrüdern.

Als Br. Men­nas dann nach Deutsch­land zurück­kam, voll­ende­te er wohl die sie­ben Figu­ren, meint Br. Bert­hold. Sie stel­len alle­samt Kapu­zi­ner dar: vier Brü­der, zwei Dia­ko­ne und einen Pries­ter, ver­sam­melt um die Krip­pe mit dem Jesus­kind – ihm zu Füßen das Wort Got­tes (Evan­ge­li­um) und am Kopf­en­de Hos­tie und Kelch als Sym­bo­le des leben­di­gen Got­tes. Da Bru­der Men­nas auch eini­ge Jah­re dem Kon­vent in Karls­ru­he ange­hör­te, hat­te die Grup­pe Kapu­zi­ner zunächst in der Weih­nachts­krip­pe in St. Fran­zis­kus Dam­mer­stock (Karls­ru­he-Rüp­purr) ihren Platz. Kapu­zi­ner­pa­ter Bru­der Nor­bert, der aus die­ser Pfar­rei stammt, kann sich noch dar­an erin­nern, dass er als Kind und Minis­trant in den Jah­ren 1960 – 1970 die Figu­ren an der Weih­nachts­krip­pe gese­hen hatte.

Bru­der Bert­hold fand sie im Jah­re 1990 auf dem Spei­cher im Kapu­zi­ner­klos­ter Ehren­breit­stein – mit Staub bedeckt und mit von Mot­ten zer­setz­ter Klei­dung. In den fol­gen­den Jah­ren beglei­te­ten sie ihn. Er such­te nach einer Mög­lich­keit, die Kapu­zi­ner neu ein­klei­den zu kön­nen. Einen ers­ten Anlauf gab es in Die­burg 2012. Doch unvoll­endet zogen die sie­ben Kapu­zi­ner“ wei­ter. Im Jahr 2015 wur­den sie erst­mals in Alt­öt­ting zur Weih­nachts­zeit in einer Nische auf­ge­stellt. Die Rei­se ging wei­ter nach Zell am Har­mers­bach im Schwarz­wald, wo die Figu­ren im Jahr 2021 in der Wall­fahrts­kir­che zu Weih­nach­ten vor dem Kreuz­al­tar öffent­lich auf­ge­stellt waren. Da jedoch die Klei­der bezie­hungs­wei­se Habits end­gül­tig zu zer­fal­len droh­ten, knüpf­te Br. Bert­hold Kon­takt zu den Schwes­tern der hei­li­gen Kla­ra (Kla­ris­sen-Kapu­zi­ne­rin­nen) in Gen­gen­bach. Die­se besa­ßen sowohl die Fer­tig­keit als auch den Stoff, um die Kapu­zi­ner­fi­gu­ren neu ein­zu­klei­den – sind doch die Habi­te der Schwes­tern denen der Kapu­zi­ner ähnlich. 

Mit Erlaub­nis von Mut­ter Obe­rin Eva-Maria Bur­ger hat schließ­lich Sr. Ancil­la Fischer (81) den sie­ben Kapu­zi­nern“ zu neu­en Habi­ten ver­hol­fen. Erst­mals wur­den die Figu­ren in neu­em Glanz zur Weih­nachts­zeit im Jahr 2022 in der Wall­fahrts­kir­che Zell am Har­mers­bach, prä­sen­tiert. Nun sind sie im Bru­der-Kon­rad-Klos­ter in der Pforten­zel­le von Bru­der Kon­rad zu sehen.

Biblische Erzählungen miterleben

Bruder Berthold Oehler fertigte „Egli-Figuren“

Der Umgang mit bibli­schen Tex­ten lässt sich ver­tie­fen durch den Ein­satz Bibli­scher Erzähl­fi­gu­ren“, die Doris Egli aus Baar bei Zug in der Schweiz feder­füh­rend mit­ent­wi­ckelt hat. Die Figu­ren zeich­nen sich dadurch aus, dass sie bieg­bar sind. Man kann also mit ihnen das, was wir Kör­per­spra­che nen­nen, wie­der­ge­ben, erklärt der Alt­öt­tin­ger Kapu­zi­ner­bru­der Bert­hold Oeh­ler. Dar­um las­se sich man­ches auf die­se Wei­se spre­chen­der“ aus­drü­cken als mit Wor­ten allein. In Deutsch­land ver­mit­tel­te zuerst Ida Mar­ty gemein­sam mit Pfar­rer Wer­ner Knoch im Stift Urach in zahl­rei­chen Werk­kur­sen die Her­stel­lung und den Umgang mit die­sen Figu­ren. Sie kön­nen das Wort Got­tes ver­ge­gen­wär­ti­gen, da wir doch Men­schen mit dem Ein­satz aller unse­rer Sin­ne und Gaben wahr­neh­men, erklärt Br. Bert­hold. Die Figu­ren ver­fü­gen dabei allen­falls über ange­deu­te­te Gesichts­aus­drü­cke, damit der Betrach­ter dar­in selbst die gedach­te bibli­sche Figur oder sogar sich selbst sehen kann.

2024 01 08 pb alb krippe kapuziner2 Foto: Bruder Berthold Oehler
Lebendiges Wort: Kapuzinerbruder Berthold Oehler hat diese „Egli- Figuren“ gefertigt. Sie sind in der Weihnachtszeit in der Bruder-Konrad-Kirche im Altarraum rechts zu sehen und wollen die Betrachtenden einladen, sich der Reihe der Besucher bei der Krippe anzuschließen.

Bru­der Bert­hold erzählt, dass er die­se Art von Bibel­ar­beit in Exer­zi­ti­en 1989 ken­nen­ge­lernt hat und danach in Wochen­end­kur­sen selbst solch beweg­li­che und viel­sei­ti­ge Figu­ren her­ge­stellt hat – die ers­ten 1990, wofür er eini­ge Kennt­nis­se im Bas­teln und Nähen benö­tigt habe. Die Bibli­schen Figu­ren konn­te man bis vor weni­gen Jah­ren nicht kau­fen, son­dern nur in lizen­zier­ten Kur­sen bas­teln. Inzwi­schen sind sie bzw. das Mate­ri­al zur Her­stel­lung aber auf dem Markt und im Inter­net zu bekom­men. Br. Bert­hold betont jedoch, dass die Figu­ren durch eige­ne Arbeit eine per­sön­li­che Note erhal­ten und die dar­ge­stell­ten Sze­nen ihn in beson­de­rer Wei­se in das gespro­che­ne Wort hin­ein­füh­len und ihn davon berüh­ren lassen.

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Wolfgang Terhörst

Redaktionsleiter

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