Bistum

Wenn Worte fehlen

Redaktion am 16.02.2021

Info Icon Foto: Uschi Friedenberger
Kann ich helfen? Der dreijährige Beppo wartet vor dem Eingang zum Hospiz Niederalteich (im Hintergrund), um Buben und Mädchen in der Trauergruppe zu begrüßen und so das Eis zu brechen.

Kinder und Jugendliche lernen in einer Trauergruppe am Hospiz Niederalteich, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen. Auch Hund Beppo gehört zur Gruppe und bricht oft das Eis, um zu den kleinen Trauernden Brücken zu schlagen.

Wenn nahe Ange­hö­ri­ge ver­stor­ben sind, emp­fin­den Men­schen das oft, als wür­de ihnen der Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen. Es feh­len die Wor­te. Wie aber sol­len erst Kin­der es schaf­fen, über das Unaus­sprech­li­che zu reden? In einer Trau­er­grup­pe am Hos­piz Nie­der­al­t­eich ler­nen Kin­der ab vier Jah­ren und Jugend­li­che, mit einem sol­chen Ver­lust umzu­ge­hen. Unse­re Grup­pe gibt es jetzt seit bald drei Jah­ren und sie gehört zum Hos­piz­ver­ein Deg­gen­dorf“, erklärt Tan­ja Hei­ning, die zusam­men mit Clau­dia Sebral­la die Grup­pe lei­tet. Kin­der kämen mit Fra­gen wie:

War­um weint die Mama immer wie­der?“ – Was bedeu­tet Ster­ben müs­sen?“ – Was kann ich dage­gen tun, dass ich jetzt immer so wütend werde?”

Eins ist Tan­ja Hei­ning dabei beson­ders wich­tig: Wir reden Klar­text mit den Kin­dern, spre­chen ganz offen dar­über, wer gestor­ben ist oder zu Hau­se so schwer krank ist!“ Dem Kind wer­de ehr­lich und alters­ge­recht geant­wor­tet: Ehr­lich­keit ist unser ers­tes und obers­tes Gebot. Wir wol­len die jun­gen Men­schen zur Trau­er hin­be­glei­ten und durch die Trau­er durchbegleiten.“

Dass Kin­der offen über den Ver­lust eines gelieb­ten Men­schen reden, sei aber nicht selbst­ver­ständ­lich, so Tan­ja Hei­ning: Die kom­men ja nicht und sagen wie Erwach­se­ne Ich habe die­ses Pro­blem und ver­ste­he das und jenes nicht‘“!

Um sie aus der Reser­ve zu locken und zum Reden über ihren Schmerz zu brin­gen, gebe es einen vier­bei­ni­gen Mit­ar­bei­ter in der Grup­pe: Beppo. Das ist der drei­jäh­ri­ge Hund von Tan­ja Hei­ning, ein Cava­lier-King Charles-Spa­ni­el. Beppo ist bei nor­ma­len“ Tref­fen im Grup­pen­raum im Kel­ler des Hos­pi­zes mit dabei und hat schon oft das Eis gebro­chen und Brü­cken zu den Buben und Mäd­chen geschla­gen. Die Kin­der dür­fen ihn zur Begrü­ßung, in den Pau­sen und bei Spa­zier­gän­gen an die Lei­ne neh­men, strei­cheln und füt­tern. Wir las­sen die Kin­der auch künst­le­risch tätig wer­den“, erzählt Tan­ja Hei­ning. Zu wel­chen Far­ben die Kin­der bei ihren Mal­ar­bei­ten grei­fen, sage viel dar­über, wie es tief drin­nen in ihnen aus­sieht. Für Auf­lo­cke­rung sor­ge aber immer wie­der Vier­bei­ner Beppo. Und so sei­en die Tref­fen oft fröh­lich und auf­hei­ternd. Acht bis zehn Tref­fen dau­ert ein Zyklus, der kom­plett kos­ten­frei ist.

Info Icon Uschi Friedenberger

Aber was ist schon nor­mal“ in Coro­na-Zei­ten? Gesprä­che fin­den jetzt tele­fo­nisch statt oder per Haus­be­such. Die Nach­fra­ge nach Ein­zel­be­ra­tun­gen pri­vat zu Hau­se ist jetzt wesent­lich höher“, erzählt Tan­ja Hei­ning, die wie alle im 7‑köpfigen Team dabei sehr genau auf die Ein­hal­tung der gel­ten­den Hygie­ne­vor­schrif­ten ach­tet. Unab­hän­gig von Coro­na gehe der Trend gene­rell weg von der Beglei­tung in der Grup­pe hin zur Ein­zel­be­treu­ung, berich­tet sie. Dies kön­ne pri­vat zu Hau­se statt­fin­den oder in einem schön gestal­te­ten freund­li­chen Raum im Hospiz.

Gera­de sei man dabei aus­zu­tüf­teln, ob Bera­tun­gen auch online über die Büh­ne gehen. Auch hier könn­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen vor­stel­len, dass Hund Beppo bei der Begrü­ßung auf dem Schoß von Frau­chen Tan­ja sitzt und am Bild­schirm erscheint, um so die Auf­merk­sam­keit der Kin­der ein­zu­fan­gen. Damit die klei­nen Trau­ern­den es auch online schaf­fen, das Unsag­ba­re in Wor­te zu fassen.

Ursula
Friedenberger

Redakteurin

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