Bischof

Im Herzen Jesu Gott erkennen

Redaktion am 16.12.2024

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner

Weihnachtsgruß von Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Lie­be Lese­rin­nen und Leser, 

viel­leicht fra­gen Sie sich auch, wenn Weih­nach­ten wie­der ein­mal vor der Tür steht: Ist es für mich in ers­ter Linie ein Fami­li­en­fest mit viel Erin­ne­rung und Gefühl? Oder ist es auch ein Fest des Glau­bens – mei­nes Glau­bens? Und wenn ja, was bedeu­tet die­ser Glau­be? Für mich? Für mei­ne Fami­lie? Für uns alle? Für mich ist es zumin­dest über­aus inter­es­sant, dass die­se Fra­gen seit jeher Men­schen umtreibt. Denn sie sind ver­bun­den mit der Fra­ge, wer denn die­ses Kind ist, das da in Bet­le­hem in der Krip­pe liegt und in jedem Fall der Ursprung des Fes­tes ist. Das Kind von Bet­le­hem ist Ursprung, aber wir sehen natür­lich, dass es für ganz vie­le Men­schen längst nicht mehr die Haupt­sa­che ist. Das Kind ist eher zur Neben­sa­che gewor­den – die meis­ten fei­ern Weih­nach­ten als ein roman­ti­sches Fami­li­en­fest und ob das Geburts­tags­kind irgend­wie als anwe­send geglaubt wird, ist für vie­le zur Rand­er­schei­nung geworden.

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Das Bild (Titelbild Ausgabe 52/53-2024) zeigt die in einen Holzstamm geschnitzte Weihnachtsszene aus der Meisterhand des Künstlers Hans-Joachim Seitfudem.

Dabei fei­ern wir kom­men­den Jahr ein beson­de­res Jubi­lä­um: Vor 1700 Jah­ren stand genau die­se Fra­ge: Wer ist die­ses Kind? Oder brei­ter gefragt: Wer ist die­ser Jesus von Naza­reth? erst­mals im Mit­tel­punkt eines Kir­chen­kon­zils. Bischö­fe aus der gan­zen bekann­ten Welt kamen in Nicäa, in der heu­ti­gen Tür­kei, zusam­men und sind die­ser Fra­ge nach­ge­gan­gen, weil es nicht weni­ge gab, die den Glau­ben an die Got­tes­sohn­schaft, wie er in den Evan­ge­li­en bekannt wird, ange­zwei­felt haben. Und die Bischö­fe haben damals ein­mü­tig fest­ge­hal­ten: Jesus ist der Sohn, der im Wesen eins ist mit dem Vater – der also wirk­lich wah­rer Gott und zugleich wah­rer Mensch ist. Er ist für uns Men­schen und für unser Heil her­ab­ge­stie­gen und ein sterb­li­cher Mensch gewor­den. Das heißt: Der Sohn, der von Ewig­keit her beim Vater war, ist einer von uns gewor­den, mit Leib und See­le, Haut und Haa­ren – und einem schla­gen­den Herzen.

Das Herz ist nicht nur ein – lebens­not­wen­di­ges – Organ, son­dern steht für mehr. Dar­auf wies uns kürz­lich erneut Papst Fran­zis­kus in einer Enzy­kli­ka hin: Das Herz Chris­ti, das sei­ne per­sön­li­che Mit­te ver­sinn­bild­licht, aus dem sei­ne Lie­be zu uns her­vor­strömt, ist der leben­di­ge Kern der ers­ten Verkündigung.“

Im Her­zen Jesu kommt also das zum Aus­druck, was Jesus, was die Mit­te der christ­li­chen Bot­schaft aus­macht. Und das führt uns zum Kern von Weih­nach­ten: Got­tes Sohn hat aus Lie­be zu uns ein mensch­li­ches Herz ange­nom­men. Und durch die­ses Herz dür­fen wir erken­nen, wie Gott ist. Schau­en wir auf den Stall von Beth­le­hem: Wir sehen Jesus als Baby, klein, ver­letz­lich und demü­tig. Und er liebt. Aus sei­nem Her­zen strömt die Lie­be zu jedem ein­zel­nen her­vor. Oder anders gesagt: Er liebt über­na­tür­lich, durch alle Gren­zen von Raum und Zeit hin­durch – und er liebt zugleich jeden ganz per­sön­lich: er liebt Sie, sieht Sie, will das Bes­te für Sie. Sei­ne uner­mess­li­che Lie­be zu einem jeden von uns zeigt sich in der Krip­pe – und wird spä­ter sei­nen Höhe­punkt am Kreuz finden.

Gott liebt über­na­tür­lich, durch alle Gren­zen von Raum und Zeit hin­durch – und er liebt zugleich jeden ganz persönlich.”

Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Im Stall von Beth­le­hem wird uns die­se unend­li­che Lie­be auf beson­de­re Wei­se sicht­bar: Der, der alle Macht hat, kommt nicht in Herr­lich­keit, son­dern in Armut und Zer­brech­lich­keit. War­um? Wegen unse­res Hei­les. Weil Gott uns liebt und alles für uns tun wür­de – sogar in den Tod gehen –, um uns zu ret­ten. Um auch Sie aus der Ver­las­sen­heit zu befrei­en und zu heilen.

Ich wün­sche Ihnen und Ihren Fami­li­en in die­ser Weih­nachts­zeit, dass Sie sich vom Her­zen Jesu neu anrüh­ren und ver­wan­deln las­sen. Möge sein Frie­den Ihr Herz erfül­len, Ihnen neue Hoff­nung schen­ken und Sie zum gött­li­chen Vater führen.

Geseg­ne­te Weihnachten!

Dr. Stefan
Oster SDB

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