Bischof

Er ist da in der Einsamkeit

Redaktion am 18.12.2023

Hirtenwort zu Weihnachten von Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Lie­be Lese­rin­nen und Leser, in den Kir­chen erklingt am Weih­nachts­abend wie­der aufs Neue das Lied: Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“. Gleich zu Beginn heißt es dort: Alles schläft, ein­sam wacht nur das trau­te, hoch­hei­li­ge Paar.“ 

Immer wie­der bewegt mich die­ses ein­sam wacht“. Ich stel­le mir vor, wie es Maria und Josef wohl damals ergan­gen ist, als sie ein­sam und allein an der Krip­pe stan­den, in der ein neu­ge­bo­re­nes Kind lag, der König der Welt. 

Eine unse­rer größ­ten Ängs­te ist die Angst vor der Ein­sam­keit, davor, allein und ver­ges­sen zu sein. Und wir tra­gen alle in uns den tie­fen Wunsch, irgend­wo dazu zu gehö­ren und nicht über­se­hen zu wer­den. Dabei geht es gar nicht dar­um, nicht allein zu sein, denn selbst die bes­te Bezie­hung schützt nicht vor Einsamkeit. 

Immer wie­der machen wir die Erfah­rung, dass nie­mand so fühlt und denkt wie man selbst und kei­ner die Welt auf die Wei­se sieht wie man selbst – und dass wir im Grun­de im tiefs­ten Inne­ren allein sind. Dass jeder Mensch in bestimm­ter Wei­se sei­nen Weg allein gehen muss. Und seh­nen wir uns nicht alle danach, dass jemand uns sieht und mit uns geht? 

Wir alle gehen tag­täg­lich unse­ren Tätig­kei­ten nach, in der Stil­le, ohne gese­hen zu wer­den, gedul­dig und ohne Aner­ken­nung dafür zu bekom­men. Seh­nen Sie sich manch­mal danach, gese­hen zu wer­den? Und fra­gen Sie sich, war­um Sie das eigent­lich noch machen?

Info Icon Foto: pbp
Bischof Stefan Oster SDB.

Papst Bene­dikt XVI., damals noch Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, dach­te in einer Pre­digt des Jah­res 2004 über die Ein­sam­keit nach: Jesus ver­heißt den Geist der Wahr­heit (Joh 16,13), den er dann in der­sel­ben Rede mehr­mals den Para­kle­ten‘ nennt. Was heißt das? Im Latei­ni­schen wur­de die­ses Wort mit Con­so­la­tor‘ über­setzt – der Trös­ter‘. Ganz wört­lich bedeu­tet das latei­ni­sche Wort: der, der in unse­re Ein­sam­keit her­ein­tritt und sie teilt; der in der Ein­sam­keit mit uns ist, so dass sie auf­hört, Ein­sam­keit zu sein. (…) Das Wort Con­so­la­tor sagt uns: Wir sind nie ganz ein­sam, nie ganz von der Lie­be ver­las­sen. Gott ist durch den Hei­li­gen Geist in unse­re Ein­sam­keit her­ein­ge­tre­ten und bricht sie auf. Das ist der wah­re Trost – Trost nicht nur mit Wor­ten, son­dern Trost in der Kraft der Wirklichkeit.“ 

Maria und Josef stan­den an der Krip­pe und wach­ten ein­sam und ohne Angst, denn sie schau­ten auf das Kind in der Krip­pe, den Hei­land der Welt, den durch den Hei­li­gen Geist geschenk­ten Ret­ter. Ihre Ein­sam­keit war kei­ne Ver­las­sen­heit, weil sie auf die mensch­ge­wor­de­ne Lie­be blick­ten. Auf den, der der Ein­zi­ge ist, der sie in tiefs­ter Wei­se erkannt hat. Und sie sieht und nie allein las­sen wird. 

Es gibt nichts in die­ser Welt, das die tie­fe Ein­sam­keit nimmt. Man­che Din­ge machen uns kurz­zei­tig glück­lich, ande­re ver­su­chen unse­re Ein­sam­keit zu über­tö­nen und zu ver­ste­cken. Doch es gibt einen, der die Ein­sam­keit nicht mehr so ein­sam macht, weil er in sei­ner Lie­be zu uns kommt, als klei­nes Kind in der Krip­pe, als Hei­land unter den Men­schen, als Erlö­ser am Kreuz und als der­je­ni­ge, der uns sei­nen Geist, den Trös­ter gesandt hat. Er kennt Sie im Inners­ten, er sieht Sie tag­täg­lich in Freu­de und Kum­mer, in all dem, was Sie tun, und in Ihrer Sehn­sucht, von jeman­dem wirk­lich gese­hen und ver­stan­den zu wer­den. In der Stil­le. In Ihrer Einsamkeit. 

Ich lade Sie ein, sich in den Tagen vor Weih­nach­ten ein­mal einen Ort der Stil­le zu suchen – wenn auch nur für kur­ze Zeit – und sich bewusst zu wer­den, dass Sie nicht allein sind, son­dern es jeman­den gibt, der Sie sieht, kennt und vor allem liebt. 

Und viel­leicht laden Sie ihn ja auch ein, wie das Jesus­kind damals in Beth­le­hem auch neu in Ihrem Her­zen gebo­ren zu wer­den. Denn er ist auch für Sie gebo­ren worden. 

Ich wün­sche Ihnen allen ein segens­rei­ches Weihnachtsfest.

Dr. Stefan
Oster SDB

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