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Bistum

Bleibende Werte geschaffen

Redaktion am 27.04.2021

S12 schwestern PB info-icon-20px Fotos: H. Würdinger / A. Gruber
Die Gemeinschaft der Schwestern der Congregatio Jesu schaut dankbar auf ihre 300-jährige Geschichte in Altötting zurück.

Am 3. Mai 1721 kamen fünf Schwestern, so genannte „Englische Fräulein“ aus München in Altötting an und gründeten das erste Frauenkloster im Wallfahrtsort. Eine solide Schulbildung und menschlich-christliche Lebenswerte bilden den Kern ihres Wirkens.

Alt­öt­ting. Als die Eng­li­schen Fräu­lein in Alt­öt­ting Fuß fass­ten, war bereits mehr als ein Jahr­hun­dert ver­gan­gen, seit sich die Eng­län­de­rin Mary Ward (15851645) und eini­ge Gefähr­tin­nen zusam­men­ge­schlos­sen und damit den Grund­stein für ein Insti­tut der seli­gen Jung­frau Maria“ gelegt hat­ten, des­sen Ziel es war, Mäd­chen und jun­gen Frau­en eine Erzie­hung zu Eigen­stän­dig­keit und vor allem eine gute Schul­bil­dung zu ermög­li­chen. Die kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten des 17. Jahr­hun­derts akzep­tier­ten aller­dings die­se Form des Ordens­le­bens ohne stren­ge Klau­sur nach dem Vor­bild der Jesui­ten lan­ge Zeit nicht. Die Kon­gre­ga­ti­on besteht heu­te welt­weit unter dem Namen Con­gre­ga­tio Jesu (CJ) und Insti­tut der Aller­se­ligs­ten Jung­frau Maria“ (IBVM).

In Bay­ern gab es bereits in Mün­chen, Burg­hau­sen und Augs­burg, dane­ben auch in Min­del­heim und in Bam­berg ein Insti­tut der Eng­li­schen Fräu­lein“. Der Plan für die Grün­dung in Alt­öt­ting fand die leb­haf­te Zustim­mung von Kur­fürst Max Ema­nu­el (16621726) und wur­de bald auch von Erz­bi­schof Sigis­mund Har­r­ach aus Salz­burg geneh­migt, unter des­sen Hoheit Alt­öt­ting damals war. Die ers­ten Jah­re der Klos­ter­ge­mein­schaft waren von gro­ßen Sor­gen und Ent­beh­run­gen beglei­tet – und es gab wenig Wohl­wol­len. Es bestan­den bereits drei geist­li­che Gemein­schaf­ten in Alt­öt­ting: Fran­zis­ka­ner, Jesui­ten, und das Stifts­ka­pi­tel – genug auch für die kirch­li­chen Krei­se im Wall­fahrts­ort. Die Chro­nik des Insti­tuts berich­tet: Am 4. Juni haben wir die Schul zu hal­ten ange­fan­gen mit 12 Kin­der den ers­ten Tag, dar­un­ter meist Arme.“

Am 4. Juni haben wir die Schul zu hal­ten ange­fan­gen mit 12 Kin­der den ers­ten Tag, dar­un­ter meist Arme.”

Congregatio Jesu (CJ)

Schon im Okto­ber 1721 konn­te die Obe­rin Eli­sa­beth von Gig­gen­bach dem Kur­fürs­ten mel­den, dass wir eine ziem­li­che Meng Schul­kind zu unter­rich­ten haben.“ Mit den ers­ten Erfol­gen wuchs auch das Ver­trau­en der Eltern und der Bevöl­ke­rung und damit auch das Inter­es­se an der neu­en Schu­le. Aus der Armen­schu­le wur­de bald eine Mäd­chen­volks­schu­le. Der Schul­be­such war bald sehr rege und die Visi­ta­ti­ons­be­rich­te berich­ten Bei­spie­le von außer­or­dent­li­chem Eifer. Von 1723 bis 1734 wur­den meh­re­re Häu­ser gekauft, was zu Eröff­nung eines Pen­sio­nats führ­te. Denn der Ruf des Insti­tu­tes ver­brei­te­te sich rasch, bald kamen auch Zög­lin­ge aus dem Aus­land. 1773 zähl­te die Schu­le bereits 130 Schü­le­rin­nen. 1737 wur­de trotz der ange­spann­ten Finanz­la­ge der pracht­vol­le Roko­ko­bau der Insti­tuts­kir­che, die dem hei­li­gen Josef geweiht ist, vollendet. 

S12 klosteraussen PB info-icon-20px Fotos: H. Würdinger / A. Gruber
Das Kloster an der Neuöttinger Straße ist ein markanter Ort geistlichen Lebens im Wallfahrtsort. Die prächtige Institutskirche mit ihrem reichen Rokokoschmuck ist dem heiligen Josef geweiht und wurde 1737 vollendet.

1786 wur­de die Schießl‘sche Armen­mäd­chen­stif­tung“, gegrün­det. Frei­herr Georg von Schießl, Kano­ni­kus von Ilm­müns­ter, hat­te sei­ne Schwes­ter Fran­zis­ka Schießl zur Erbin bestellt mit der Auf­la­ge, dass nach dem Abschei­den die gan­ze Ver­las­sen­schaft zu Unter­richt und christ­li­cher Auf­er­zie­hung armer bedürf­ti­ger Mägd­lein in Alt­öt­ting“ zu einer ewi­gen Stif­tung ver­wen­det wer­de, wel­che die Eng­li­schen Fräu­lein zu besor­gen haben sol­len. Zweck der Anstalt war Aus­bil­dung der Mäd­chen in häus­li­chen Arbei­ten. Bis zum Anfang des 19. Jahr­hun­derts führ­ten die Eng­li­schen Fräu­lein ihre Schu­len auf eige­ne Kos­ten und ohne Ein­mi­schung des Staa­tes. Die Säku­la­ri­sa­ti­on brach­te eine ein­schnei­den­de Ände­rung: 1803 wur­de die all­ge­mei­ne Schul­pflicht ein­ge­führt und den Eng­li­schen Fräu­lein über­tra­gen, aber der baye­ri­sche Staat griff rück­sichts­los in die Erzie­hungs­ar­beit der Schwes­tern ein, und der auf­ge­klär­te Theo­lo­ge Josef Wis­may­er aus Salz­burg urteil­te: Die Non­nen wer­den täg­lich untaug­li­cher zum Unter­richt“, sie sei­en mehr Non­nen als Leh­re­rin­nen und wür­den nur die Vor­schrif­ten des Insti­tuts befolgen. 

Im Jahr 1809 wur­de durch Beschluss der baye­ri­schen Regie­rung das Insti­tuts­haus und das Pen­sio­nat auf­ge­löst. Die Schwes­tern konn­ten wäh­len zwi­schen Aus­tritt aus dem Klos­ter oder Über­sied­lung nach Burg­hau­sen, aber kei­ne ver­ließ das Insti­tut. Die Zög­lin­ge muss­ten die all­ge­mei­ne Volks­schu­le“ besu­chen. 1823 konn­te das Pen­sio­nat bereits wie­der eröff­net und der Auf­bau einer höhe­ren Schu­le geplant wer­den. 1853 errich­te­ten die Schwes­tern die Kin­der­be­wahr­an­stalt als Vor­läu­fer des heu­ti­gen Kin­der­gar­tens. 1932 beschlag­nahmt und als Laza­rett­apo­the­ke genutzt, konn­te die Anstalt 1945 bereits wie­der 250 Kin­der auf­neh­men. 1887 wur­de die Leh­re­rin­nen­bil­dungs­an­stalt (Prä­pa­ran­die) geneh­migt, aus der bis 1933 der klös­ter­li­che Leh­re­rin­nen­nach­wuchs hervorging. 

Die Klos­ter­ge­mein­schaft der Eng­li­schen Fräu­lein wuchs enorm: 1853 kamen 23 Novi­zin­nen, im Jahr 1879 zähl­te das Klos­ter 160 Schwes­tern. An der Klos­ter­pfor­te gab es rege Nach­fra­ge nach Melis­sen­geist und Cal­mus-Likör, aber auch Gewürz­leb­ku­chen und die belieb­te Quit­ten­sul­ze in Schäch­tel­chen wur­den ver­kauft. Von 1861 bis 1991 vor­sorg­ten die Schwes­tern in der Hos­ti­en­bä­cke­rei bis zu sieb­zig Pfar­rei­en und Klös­ter. Auch Reli­qui­en von Hei­li­gen wur­den von den Schwes­tern kunst­voll gefasst. 

S12 klosterhut PB info-icon-20px Fotos: H. Würdinger / A. Gruber
Die Schwestern hüten einmalige kostbare Erinnerungen an die Ordensgründerin Maria Ward, darunter ihre Reiseuhr und ihren Pilgerhhut.

Die Lehr­tä­tig­keit in der Schu­le präg­te jedoch das Leben des Klos­ters auch in sei­nen Bau­ten. Bereits 1906 wur­de im Insti­tuts­gar­ten eine den Anord­nun­gen ent­spre­chen­de Turn­hal­le errich­tet. 1912 erfolg­te die minis­te­ri­el­le Geneh­mi­gung für eine sechs­klas­si­ge höhe­re Mäd­chen­schu­le, dazu kam eine zwei­klas­si­ge Frau­en­schu­le“. 1933 grün­de­ten die Schwes­tern eine drei­klas­si­ge Haus­töch­ter­schu­le“ als Vor­läu­fe­rin der heu­ti­gen Realschule. 

Am 25. März 1941 wur­den durch das Macht­wort des Nazi-Kreis­lei­ters die Mit­tel­schu­le und die Höhe­re Haus­töch­ter­schu­le geschlos­sen. Im Novem­ber 1940 wur­den 64 Umsied­ler aus der Buko­wi­na im Klos­ter unter­ge­bracht, dazu kamen im April 1941 360 Buben aus West­fa­len im Rah­men der Kin­der­land­ver­schi­ckung. Im Juni 1942 wur­de das Haus zu einem Laza­rett mit etwa 900 ver­wun­de­ten Sol­da­ten, Ärz­ten und Ange­stell­ten. Die arbeits­lo­sen klös­ter­li­chen Leh­re­rin­nen setz­te man im Laza­rett­dienst als Pfle­ge­rin­nen oder Ver­wal­tungs­kräf­te oder zu häus­li­chen Arbei­ten ein. Vie­le Schwes­tern gin­gen jetzt in die Mis­si­ons­ar­beit nach Chi­le, Bra­si­li­en und Argen­ti­ni­en. Bereits zwei Wochen nach Kriegs­en­de am 15. Mai 1945 wur­de den Schwes­tern von der Mili­tär­re­gie­rung die Geneh­mi­gung erteilt, den Kin­der­gar­ten wie­der zu eröff­nen. Im Okto­ber 1945 konn­te der Schul­be­trieb in der drei­klas­si­gen Mit­tel­schu­le bereits wie­der auf­ge­nom­men werden.

1947 wur­de das sechs­klas­si­ge Lyce­um, die spä­te­re Ober­re­al­schu­le, geneh­migt, die 1965 zum Gym­na­si­um mit Ober­stu­fe aus­ge­baut wur­de. Mit Ende des Schul­jahrs 1997/98 wur­de das Inter­nat, das 1732 gegrün­det wor­den war, geschlos­sen. Das Gym­na­si­um und die Real­schu­le der Eng­li­schen Fräu­lein präg­ten das Schul­le­ben in der Wall­fahrts- und Kreis­stadt und weit dar­über hin­aus bis in die Gegen­wart. Seit 1982 wer­den auch Buben in die Klos­ter­schu­len auf­ge­nom­men. Weit­hin bekannt wur­de auch der hoch­qua­li­fi­zier­te Schul­chor unter der Lei­tung von Schwes­ter Avi­ta Bichl­mei­er.

Auch nach 300 Jah­ren haben die Schwes­tern der Con­gre­ga­tio Jesu ihren fes­ten Platz im Wall­fahrts­ort, auch wenn ihre Gemein­schaft deut­lich klei­ner gewor­den ist. Die Real­schu­le und das Gym­na­si­um gehö­ren jetzt zur Maria-Ward-Schul­stif­tung und füh­ren ihre Lehr­tä­tig­keit im Geist der Ordens­grün­de­rin und der Schwes­tern mit gro­ßem Erfolg wei­ter. Der­zeit leben noch 21 Schwes­tern in der Gemein­schaft, die teil­wei­se aus ande­ren Häu­sern des Ordens nach Alt­öt­ting gekom­men sind. Wenn auch im 21. Jahr­hun­dert kei­ne Schwes­ter mehr im Schul­dienst tätig ist: Ihr apos­to­li­sches Wir­ken hat nicht nur den Wall­fahrts­ort geprägt, son­dern auch vie­len Schü­le­rin­nen neben soli­dem Schul­wis­sen vie­le prä­gen­de und blei­ben­de mensch­li­che und reli­giö­se Lebens­wer­te mit auf den Weg gege­ben. Durch die Coro­na-Pan­de­mie ist eine gro­ße Jubi­lä­ums­fei­er nicht mög­lich, aber die Maria-Ward-Schwes­tern schau­en dank­bar gegen­über allen Wohl­tä­tern in Alt­öt­ting und weit dar­über hin­aus auf ihre segens­rei­che Geschich­te zurück.

Text: Dr. Hans Würdinger