Herrlich!

Redaktion am 18.06.2024

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Fußballbegeistert: Den schottischen Fan hat Redakteur Michael Glaß (r.) vor dem EM-Eröffnungsspiel in München in der U-Bahn getroffen.

Die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land begeistert nicht nur Fußball-Fans. Redakteur Michael Glaß war beim Eröffnungsspiel in München mit dabei.

Als Par­ty-Hit für eine Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft passt die­ses Lied ja eigent­lich nicht: Ein Astro­naut, der sich vom Kon­troll­zen­trum der Erde abkap­selt und im stil­len wei­ten Welt­all einem Licht ent­ge­gen­schwebt. Man­cher denkt sich da jetzt: Ja mei, dann stirbt er halt, der Astro­naut …“. Aber wer so denkt, der hat wenig Fan­ta­sie. Und erst recht kei­nen Sinn für Roman­tik. Auf deut­sche Fuß­ball-Fans trifft das offen­bar nicht zu. Sie haben den Song Major Tom“ von Peter Schil­ling zur neu­en Tor­hym­ne erko­ren und seit der EM erlebt der Hit der Neu­en Deut­schen Wel­le eine Wiedergeburt.

Als der Song in den 1980ern die Hit­pa­ra­de erober­te, da jag­te ich als Bub völ­lig los­ge­löst“ von allen All­tags­sor­gen mit mei­nen Freun­din­nen und Freun­den über die (Fußball-)Spielwiese neben unse­rem Haus und ließ im hei­mi­schen Kel­ler mei­ne Play­mo­bil-Mann­schaf­ten über das auf den PVC-Boden mit was­ser­fes­ter Far­be gemal­te Spiel­feld sau­sen. Solan­ge, bis mei­ne Eltern den Buam“ wie­der zurück­hol­ten in die Rea­li­tät. Und des­halb passt für mich die­ser melan­cho­li­sche Song per­fekt zu einer Fußball-EM-Partystimmung.

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Vorfreude auf das Spiel in der Fan-Zone im Münchner Olympiapark.

Die­se durf­te ich übri­gens gera­de erst beim Eröff­nungs­spiel in Mün­chen mit­er­le­ben. Mit viel Glück und dank mei­ner Schwes­ter und einem ihrer Arbeits­kol­le­gen hat­te ich mir ein Ticket und gera­de noch recht­zei­tig eines die­ser fast aus­ver­kauf­ten pin­ken Aus­wärts­tri­kots der deut­schen Natio­nal­mann­schaft ergat­tert. Und so war ich mit­ten­drin in der Fan-Zone und in der Are­na, in der die Tar­tan Army“, die schot­ti­schen Fuß­ball­fans in ihrem Schot­ten­ka­ro“ (Tar­tan), mit Abstand die lau­tes­ten waren. Sel­ten dabei in einer End­run­de und ohne gro­ße Chan­cen auf den Titel fei­ern sie, als wären sie immer schon Euro­pa­meis­ter gewe­sen. Schon wie­der so ein Wider­spruch! Herr­lich. Auch wenn ich ein DFB-Tri­kot anha­be: Mein Herz schlägt am meis­ten für die Underdogs.

In der U‑Bahn sam­meln wir einen schot­ti­schen Fan auf, der vol­ler Selbst­be­wusst­sein in die völ­lig fal­sche Rich­tung unter­wegs ist. Auf geht’s zur Fan-Zone im Olym­pia­park. No Scot­land, no par­ty!“, skan­die­ren die schot­ti­schen Fans. Das stimmt. Wir ste­hen zwei Stun­den (!) für ein Bier an. Kei­ner drän­gelt. Die Leu­te sin­gen, fei­ern, unter­hal­ten sich. Hät­te nicht gedacht, dass in der Schlan­ge ste­hen so viel Spaß machen kann. Die Sicher­heits­kräf­te sind auch da, aber ange­nehm unauf­fäl­lig. Danke!

Die schot­ti­schen Fans sind kurz mal belei­digt, als die Mode­ra­to­ren von Anten­ne Bay­ern skirts“ (Röcke) sagen, als sie ihre Kilts“ (Schot­ten­rö­cke) erwäh­nen woll­ten. Als die schot­ti­schen Fans fürs Radio auf Kom­man­do laut sein sol­len, ist es plötz­lich ganz still. Obrig­keits­hö­rig­keit sei eher nicht so ihr Ding, sagt mir ein schot­ti­scher Fan auf Nach­fra­ge. Im Sta­di­on und in der völ­lig über­füll­ten U‑Bahn auf dem Rück­weg sin­gen und fei­ern die schot­ti­schen Fans trotz haus­ho­her Nie­der­la­ge weiter.

Auf die Stim­mung kommt’s an. Auch auf dem Fuß­ball­platz. Auf dem Rasen ist’s halt die Fra­ge, wel­cher Typ man ist. Lie­ber der­je­ni­ge, der im Kon­troll­zen­trum agiert, das Spiel ana­ly­siert und die nächs­ten Spiel­zü­ge plant – oder der­je­ni­ge, der mit dem Ball am Fuß wie Major Tom schwe­re­los“ über den Platz zu schwe­ben scheint. Bei­de Typen kom­men an kein Ende. Die ers­te­ren nicht, weil die Musi­a­l­as“ die­ser Welt ein­fach unbe­re­chen­bar blei­ben – und die zwei­te­ren, die Fuß­ball-Künst­ler, wol­len ja sowie­so nie­mals auf­hö­ren. Bei­de Typen braucht eine Mann­schaft, wenn sie erfolg­reich sein will. Am schöns­ten ist das Spiel, wenn die Mann­schaft har­mo­niert, wenn die Stra­te­gen rich­tig lie­gen und wenn die Künst­ler den Ball strei­cheln, bis er irgend­wann im Netz zappelt.

Natür­lich wün­sche ich mir, dass die DFB-Elf den Titel holt. Doch halb so wild, wenn’s nicht klappt. Die nächs­te Chan­ce kommt bestimmt; auch die nächs­ten Spie­le, bei denen Fans so lus­tig fei­ern wie die Schot­ten, denn die­se schöns­te Neben­sa­che der Welt kommt an kein Ende. Und sie bleibt so schön viel­fäl­tig und vol­ler Wider­sprü­che. Zwei­fel­los hat­te Gott, als er die Men­schen den Fuß­ball erfin­den ließ, einen beson­ders krea­ti­ven Tag erwischt. Herrlich!

Michael Glass

Michael Glaß

Redakteur

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