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Ein Koffer für die letzte Reise

Redaktion am 18.10.2022

2022 10 17 pb alb sonnenuhr Foto: Roswitha Dorfner

Der Umgang mit dem Tod und den Toten sagt viel über eine Kultur aus. Doch nur ungern besinnen wir uns auf unsere letzte Reise. – Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen.

Als der 83-jäh­ri­ge Opern­kom­po­nist Richard Strauss von einer Jour­na­lis­tin gefragt wor­den war, wel­che Plä­ne er für sei­ne Zukunft habe, gab er die lako­ni­sche Ant­wort: Na, ster­ben halt.“ Manche(r) mag sich bei dabei den­ken: Pres­siert ganz lang­sam…! Auch die Wan­der­aus­stel­lung Ein Kof­fer für die letz­te Rei­se“ beschäf­tigt sich mit dem Unaus­bleib­li­chen. Men­schen aus allen Gesell­schafts­schich­ten packen bei die­sem Kunst­pro­jekt Din­ge ein, die ihnen für die Ewig­keit wich­tig wären. Hin­ter­grund: Sich zu besin­nen auf die End­lich­keit des Lebens.

Das führt uns zum eigent­li­chen The­ma, zu Aller­hei­li­gen. Viel­leicht erin­nern Sie sich: Vor etli­chen Jah­ren wur­de der Park­platz eines Super­mark­tes in Ober­bay­ern mit Grab­stei­nen gepflas­tert. Beim Gang zum Auto konn­ten die Kun­den Frag­men­te der Namen und Ster­be­da­ten lesen. Das lässt sich gleich in zwei­er­lei Hin­sicht als Memen­to mori deu­ten. Nicht nur der Mensch ist sterb­lich – da kann er ein­kau­fen so viel er will –, son­dern auch die Erin­ne­rung an ihn. 

Der Umgang mit dem Tod und den Toten sagt viel über eine Kul­tur aus. Die Art der Bestat­tung hat seit Anbe­ginn der Mensch­heit auch mit der Jen­seits­vor­stel­lung zu tun. Und die Sache mit dem Kof­fer für die letz­te Rei­se – will man sie nicht im über­tra­ge­nen Sin­ne ver­stan­den wis­sen – dürf­te mitt­ler­wei­le zum Platz­pro­blem wer­den, denn: Wenn sich in tau­send Jah­ren Archäo­lo­gen auf unse­re Spu­ren machen, wer­den sie auf ein erstaun­li­ches Ergeb­nis kom­men: Irgend­wann Anfang des 21. Jahr­hun­derts hat es in Bay­ern einen radi­ka­len Kul­tur­wan­del gege­ben. Immer mehr Men­schen wer­den nicht auf dem Fried­hof in einem Sarg bestat­tet, son­dern in Gewer­be­ge­bie­ten ver­brannt und ihre Asche dann in Urnen­wän­den verwahrt.

Fotos: Ros­wi­tha Dorfner

Man­che sehen dar­in eine wah­re Kul­tur­re­vo­lu­ti­on. Noch im 20. Jahr­hun­dert defi­nier­ten Spöt­ter den klas­si­schen Katho­li­ken so: „…einer, der sich nicht ver­bren­nen las­sen darf“. Noch 1917 stell­te das katho­li­sche Kir­chen­recht klar: Einem Gläu­bi­gen, der die Ver­bren­nung sei­nes Leich­nams anord­net, wird das kirch­li­che Begräb­nis zur Stra­fe ent­zo­gen.“ Erst das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil (1962 – 1965), die gro­ße Bischofs­ver­samm­lung, kipp­te die­se Bestim­mung. Das wir­bel­te man­chen Staub auf. Aber“, so der dama­li­ge Münch­ner Kar­di­nal Juli­us Döpf­ner, die Kir­che lebt in der Geschich­te, sie muss Ant­wort geben auf neue Fra­gen.“ Wie wahr!

Sogar in länd­li­chen Pfar­rei­en unse­res Bis­tums liegt die Feu­er­be­stat­tung mit­un­ter bei 90 Pro­zent. Fami­li­en­grä­ber wer­den allei­ne schon des­halb weni­ger, weil es kaum mehr Fami­li­en gibt, die über Genera­tio­nen hin­weg an einem Ort woh­nen. Der Tod rückt weit weg. Aber, so ganz am Ende, kommt er doch. 

Der Tod ist wirk­lich das Letz­te! Für Men­schen, die das Leben als unend­li­chen Opti­mie­rungs- und Maxi­mie­rungs­pro­zess ver­ste­hen, ist das Ster­ben eine beson­ders gro­ße Belei­di­gung. Expan­si­on als Lebens­prin­zip, Kapi­tu­la­ti­on undenk­bar. Erst recht vor dem Tod. So ist für Super­rei­che die Sterb­lich­keit nur ein wei­te­res Pro­blem, das es zu über­win­den gilt; ihr Daseins­wil­le reicht sozu­sa­gen bis in alle Ewig­keit. In einer halb unter der Erde lie­gen­den Kam­mer des Schre­ckens berei­ten sie sich dar­auf vor, ihren Kör­per ein­frie­ren zu las­sen, um sich in der Zukunft als ver­bes­ser­te Ver­si­on ihrer selbst auf­tau­en zu las­sen. Kryo­kon­ser­vie­rung nennt sich das, eine Art Fran­ken­stein-Labor. Hier war­ten bei rund minus 200 Grad Cel­si­us ein­ge­fro­re­ne Men­schen auf ihre Rück­füh­rung ins Dies­seits. Da kön­nen sie wahr­schein­lich lan­ge warten. 

Zum Schluss ein Kof­fer-Tipp für die letz­te Rei­se: Wie wär‘s nur“ mit einem Zet­tel, auf dem steht: Ich habe nichts mit in die Welt gebracht, und neh­me auch nichts mit – außer der Hoff­nung auf das ewi­ge Leben.“

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Werner Friedenberger

stellv. Chefredakteur

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