Wunder gibt es immer wieder

Redaktion am 20.11.2023

2023 11 20 pb alb kirche offen Foto: Wolfgang Krinninger

Das ist in etwa so, als wür­de ein Pilot, des­sen kaput­ter Flie­ger bereits die Fich­ten­wip­fel streift, den Funk­spruch erhal­ten, dass er zu tief fliegt. Das wird den Absturz kaum auf­hal­ten und sei­ne Lau­ne kaum heben.

Bei der Stu­die ist das her­aus­ge­kom­men, was jeder, der Augen hat, ohne­hin sieht: Die Kir­chen­bän­ke lee­ren sich rapi­de, die Aus­tritts­wil­li­gen geben sich auf den Stan­des­äm­tern die Klin­ke in die Hand, kirch­li­ches Leben ist über­all auf dem Rückzug.

Wenn über­haupt, dann recht­fer­tigt höchs­tens die fest­ge­stell­te Dra­ma­tik das Geld für die Umfra­ge: Mit 9 Pro­zent ist das Ver­trau­en in die katho­li­sche Kir­che nur unwe­sent­lich grö­ßer als das zum Islam. Für fast 8 von 10 Befrag­ten hat Reli­gi­on über­haupt kei­ne oder nur wenig Bedeu­tung. Die Unter­su­chung macht auch deut­lich, dass die­ser Trend ganz prak­ti­sche Fol­gen haben wird: Das gesell­schaft­li­che Enga­ge­ment ist näm­lich unter Kirch­gän­gern deut­lich höher als beim Rest der Gesell­schaft. Ganz klar: Da bricht etwas weg. 

Und noch eine Zahl ist dra­ma­tisch: 96 Pro­zent der befrag­ten Katho­li­ken sag­ten, ihre Kir­che müs­se sich grund­le­gend ändern, wenn sie eine Zukunft haben wol­le. Das wür­de auch ihre Nei­gung zum Aus­tritt ver­rin­gern. Die gro­ße Mehr­heit wünscht sich eine welt­of­fe­ne, moder­ne katho­li­sche Kir­che, die nicht aus­grenzt und ihrer zivil­ge­sell­schaft­li­chen Auf­ga­ben gerecht wird. Gibt es hier wei­ter kei­ne Fort­schrit­te, geht der Anschluss an den kul­tu­rel­len Wan­del ver­lo­ren und die jün­ge­ren Gene­ra­tio­nen bre­chen kom­plett weg.

Wir arbei­ten an der Erneue­rung unse­rer Kir­che. Wir blei­ben dran. Blei­ben Sie drin!”

Bischof Franz Jung, Würzburg

Weg­du­cken kann sich auf die­sem Weg nie­mand. Alle müs­sen dazu bei­tra­gen, damit die Kir­che Zukunft hat: die Bischö­fe und Pries­ter genau so wie alle ande­ren, die zum Dienst in der Kir­che bestellt sind“, ja, letzt­lich alle Getauf­ten und Gefirm­ten. Papst Fran­zis­kus brach­te es auf sei­ne unnach­ahm­li­che Wei­se auf den Punkt: Die Men­schen müss­ten aus­strah­len, dass das Evan­ge­li­um die See­le berührt und die Men­schen froh macht. Ein Christ ohne Freu­de habe ein Gesicht wie ein Kabel­jau“ und kön­ne nie­man­den über­zeu­gen, sag­te er am ver­gan­ge­nen Mitt­woch bei der Gene­ral­au­di­enz auf dem Peters­platz. Der gro­ße Reich­tum der Kir­che sind die Men­schen, die in sich spü­ren, dass Glau­be, Lie­be, Hoff­nung tra­gen, die Men­schen, die Fürch­tet euch nicht!“ leben. Sie haben die Kraft, die Her­zen der Men­schen zu errei­chen und zu erwärmen. 

Solan­ge es sol­che Men­schen gibt, gestat­te ich mir, dar­an zu glau­ben, dass irgend­wann tat­säch­lich auch bei uns eine Umfra­ge die Trend­wen­de hin zu Jesus und sei­ner Bot­schaft der Lie­be ver­kün­det. Und wenn es dafür Wun­der braucht. Die, so wis­sen wir nicht erst seit Kat­ja Ebsteins Hit in den 70ern, gibt es immer wieder.

Wolfgang krinninger

Wolfgang Krinninger

Chefredakteur

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