Rechte Politik

Redaktion am 03.02.2025

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Wenn Kirche zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung nimmt, dann sollte sie mit einer Stimme sprechen ...

Kirche darf und muss sich sogar auch zu gesellschaftspolitischen Fragen äußern. Nur das „Wie“ und das „Wann“ sollten gut überlegt sein, kommentiert unser Autor im Editorial der aktuellen Ausgabe 6-2025.

Dür­fen die das? Dür­fen die sich als Kir­che, als Kir­chen­ver­tre­ter in die Poli­tik ein­mi­schen? Die­se Fra­gen wer­den – meist in vor­wurfs­vol­lem Ton – schnell gestellt, wenn sich Bischö­fe oder ande­re kirch­li­che Wür­den­trä­ger, aber auch Orga­ni­sa­tio­nen wie das Zen­tral­ko­mi­tee der Katho­li­ken (ZdK), die Katho­li­sche Frau­en­ge­mein­schaft Deutsch­lands (kfd) oder der Bund der Deut­schen Katho­li­schen Jugend (BDKJ) zu gesell­schaft­li­chen Debat­ten äußern. So auch die­ses Mal, als sich unter ande­rem das katho­li­sche Büro Ber­lin in Per­son von Prä­lat Karl Jüs­ten vor der Abstim­mung über das Migra­ti­ons­ge­setz“ der CDU mit gro­ßer Besorg­nis zu Wort mel­de­te (sie­he Sei­ten 4 – 5). Dafür hagel­te es Kri­tik aus Poli­tik wie Kir­che selbst. 

Also: Dür­fen die das? Natür­lich dür­fen sie, nein, sie müs­sen es sogar! Was war denn Jesus zu sei­ner Zeit ande­res als ein poli­ti­scher Unru­he­stif­ter in den Augen der Macht­ha­ber, der römi­schen Statt­hal­ter wie der jüdi­schen Pries­ter­eli­te? Kir­che han­delt zwar immer zeit­los (im Sin­ne der Leh­re), aber nie außer­halb der Zeit (im Sin­ne der Gesell­schaft). Selbst­ver­ständ­lich darf und muss sich die Kir­che also zu gesell­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen äußern, beson­ders wenn es um Kern­the­men wie Nächs­ten­lie­be, Men­schen­wür­de oder Recht auf Leben geht. Die katho­li­sche Sicht auf Geset­zes­vor­ha­ben bei­spiels­wei­se zur Organ­spen­de, zum Abtrei­bungs­recht oder auch zur Flücht­lings­po­li­tik soll­te gehört wer­den. Im aktu­el­len Streit um Zuwan­de­rung kann die Kir­che maß­geb­lich dazu bei­tra­gen, dass rechts­extre­me Posi­tio­nen in der deut­schen Poli­tik nicht wie­der salon­fä­hig wer­den, dass aus indi­vi­du­el­ler Angst nicht pau­scha­le Aus­gren­zung wird. Der ent­schei­den­de Punkt ist also nicht das Ob“, son­dern das Wie“ – und viel­leicht noch das Wann“.

Kirch­li­che Stel­lung­nah­men soll­ten die gro­ßen Lini­en auf­zei­gen (Leit­plan­ken!), und nicht wie juris­ti­sche Bewer­tun­gen ein­zel­ner Para­gra­phen klingen.”

Wolfgang Terhörst, Redaktionsleiter Altötting

Die Kir­che soll­te mög­lichst mit EINER Stim­me spre­chen, wenn sie gesamt­ge­sell­schaft­li­che Wir­kung ent­fal­ten will. Die­ses Ziel hat die oben erwähn­te Stel­lung­nah­me man­gels Abspra­che ver­fehlt, wie promp­te Distan­zie­run­gen sei­tens ein­zel­ner Bischö­fe, aber auch des Sekre­ta­ri­ats der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz zei­gen. Zudem war der Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung in der End­pha­se eines auf­ge­heiz­ten Wahl­kampfs min­des­tens unglück­lich. Fatal auch: Kirch­li­che Stel­lung­nah­men soll­ten die gro­ßen Lini­en auf­zei­gen (Leit­plan­ken!), und nicht wie juris­ti­sche Bewer­tun­gen ein­zel­ner Para­gra­phen klin­gen. Schon für Jesus war allein die Bot­schaft der Maß­stab allen Han­delns. In der Sache ist die katho­li­sche Kir­che Deutsch­lands ohne­hin glas­klar: Für Chris­ten ist die AfD mit ihrem völ­ki­schen Natio­na­lis­mus unwählbar. 

Also bit­te wei­ter ein­mi­schen: Mit christ­li­chen Grund­wer­ten und mit geein­ter Stim­me. So stützt die Kir­che rech­te – im Sin­ne von rich­ti­ger“ – Politik.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

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