Im Westen viel Neues

Redaktion am 16.09.2024

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Eltern haben ein mulmiges Gefühl, wenn ihre erwachsen gewordenen Kinder eine längere Zeit im Ausland verbringen. Doch dann profitieren auch sie von den Abenteuern ihrer Sprösslinge, stellt unser Autor im aktuellen Editorial (Ausgabe 39-2024) fest. Zum Beispiel, wenn die Tochter das faszinierende Land Kanada entdecken darf ...

Die Bil­der sind atem­be­rau­bend: Glas­kla­re Seen, tief­blau­er Him­mel, gesat­tel­te Pfer­de, schnee­be­deck­te Berg­gip­fel … Und schon die Namen der Orte klin­gen nach purem Aben­teu­er: Lake oft the Horns, Hill of Flowers, The Gre­at Divi­de. Gespannt war­ten Fami­lie, Freun­de und Ver­wand­te jede Woche auf neue Nach­rich­ten und Fotos aus einer Welt, die wir nur aus Wes­tern ken­nen. – Unse­re Toch­ter Katha­ri­na hat sich nach ihrer Aus­bil­dung einen Traum erfüllt: Sie arbei­tet drei Mona­te lang auf einer Ranch in Kanada.

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Das Leben dort ist kein Zucker­schle­cken. Gemein­sam mit ande­ren jun­gen Leu­ten und eini­gen erfah­re­nen Cow­boys beglei­tet sie Tou­ris­ten aus aller Welt, die auf Pfer­den die gran­dio­se Land­schaft in der Pro­vinz Alber­ta erkun­den. Die Aus­rit­te gehen oft über meh­re­re Tage und füh­ren tief hin­ein in die Rocky Moun­ta­ins. Für die Wrang­ler – so wer­den dort die Frau­en und Män­ner auch genannt, die sich um die Ranch und die Pfer­de küm­mern – beginnt der Tag um sechs Uhr mor­gens mit dem Ver­sor­gen der Tie­re und endet zwölf Stun­den spä­ter. Es gibt nur einen frei­en Tag pro Woche. Dicke Schwie­len und tie­fe Schram­men zier­ten“ nach den ers­ten Tagen Katha­ri­nas Hände.

Natür­lich erging es mei­ner Frau und mir wie es allen Eltern ergeht, die ein Kind auf eine gro­ße Rei­se schi­cken“: Freu­de und Hoff­nung sind in den Tagen zuvor im stän­di­gen Clinch mit Ängst­lich­keit und ban­gem Erwar­ten. Wird sie gut auf­ge­nom­men? Kommt sie allein in der Frem­de zurecht? Packt sie das Heim­weh und kommt sie damit klar? Die­se und eini­ge ande­re Fra­gen mäan­dern durch den Kopf und wer­den stär­ker, je näher der Tag des Abflugs rückt. Nach der Ankunft wird dann jedes Wort aus der Fer­ne erst ein­mal auf die Gold­waa­ge gelegt und nach Zwi­schen­tö­nen abgeklopft.

Inzwi­schen haben wir uns längst von ihrer Eupho­rie anste­cken las­sen. Wenn sie schreibt, wie sie in einer Woche 100 Mei­len auf dem Pfer­de­rü­cken zurück­legt, ohne ein ein­zi­ges Haus, Auto oder irgend­ein ande­res Sym­bol unse­rer Zivi­li­sa­ti­on zu sehen, leben wir ihren Traum ein wenig mit, stau­nen mit ihr, freu­en uns mit ihr.

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Ein­mal mehr wird klar, wie wich­tig es ist, manch­mal aus- und auf­zu­bre­chen. Papst Fran­zis­kus fand dafür vor dem Welt­ju­gend­tag in Lis­sa­bon die per­fek­te Kurz­for­mel: Rise up! – Erhebt euch!“ Er appel­liert immer wie­der an die Jugend, es sich nicht im All­tag zu gemüt­lich zu machen, son­dern sich vol­ler Lei­den­schaft ins Leben zu stür­zen: Eine Zeit vol­ler Hoff­nung und Träu­me sei die Jugend, genährt von den schö­nen Din­gen, die unser Leben berei­chern“, so Franziskus. 

Nach den atem­be­rau­ben­den Bil­dern war­te ich nun gespannt auf die Geschich­ten dazu. Aber eines scheint mir schon jetzt sicher: Katha­ri­na kehrt mit einem prall gefüll­ten Ruck­sack zurück – vol­ler Erleb­nis­se, Erfah­run­gen und Erkennt­nis­se, die ihr Leben rei­cher machen. Für immer.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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