Lag es am herrlichen Frühlingswetter mit strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen schon am Vormittag? Jedenfalls waren die Besucher des Bruder-Konrad-Festes, zu dem die Kapuziner jedes Jahr rund um den Sterbetag ihres heiligen Mitbruders am 21. April einladen, bester Laune. Nach der Reliquienprozession im Anschluss an den Festgottesdienst am Sonntag, 26. April, dem „Bruder-Konrad-Tag“ 2026 versammelten sich viele Verehrer des 1894 verstorbenen Klosterpförtners von Altötting vor dessen ehemaliger Wirkungsstätte auf dem Basilika-Vorplatz und vertieften sich bei Bruder-Konrad-Weckerln und Freigetränken in gute Gespräche. Auch Jakob Auer (35), Erzabt der Benediktinerabtei St. Peter in Salzburg mischte sich unter die Menschen. Er war als Hauptzelebrant und Prediger kurzfristig für den erkrankten Salzburger Erzbischof Franz Lackner eingesprungen.
Bruder-Konrad-Fest 2026 – Impressionen
Als Vorsteher (Guardian) der Altöttinger Kapuzinergemeinschaft im St. Konrad-Kloster hatte Br. Marinus Parzinger eingangs des von Altöttinger Hofmusik, Kapellorchester und ‑chor sowie der Schola Autingensis musikalisch feierlich gestalteten Festgottesdienstes den Erzabt sowie die Gottesdienstgäste – darunter Erster Bürgermeister Stephan Antwerpen – herzlich begrüßt. Mit am Altar standen neben Br. Marinus auch Stadtpfarrer Klaus Metzl und MC-Präses Br. Georg Greimel. Abt Jakob Auer verwies in seiner Antwort vor der Eröffnung des Gottesdienstes darauf, dass „wir heute zugleich den Sonntag „Guter Hirte“ und den Weltgebetstag um geistliche Berufungen feiern“ – und wie gut das zu Bruder Konrad passe. Denn dieser sei nicht nur ein Pförtner im wörtlichen Sinne, sondern auch ein Türhüter zu Christus, zu Gott für viele viele Menschen gewesen. Er selbst verehre Bruder Konrad sehr – an dessen Gedenktag habe er sogar vor einem Jahr offiziell sein Amt als Erzabt übernommen.
„Türhüter“ war auch die zentrale Metapher der Predigt des Salzburger Benediktiners. Bereits Jesus selbst sage von sich: „Ich bin die Tür (des Lebens). Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ (Joh 10,9) In dieser Funktion sei Christus über dem Portal der Vorhalle der Stiftskirche von St. Peter abgebildet, das den Übergang von der Alltagswelt in die Welt des Heiligen symbolisiere. Der heilige Bruder Konrad sei in diesem Sinne 41 Jahre lang ein irdischer Türhüter gewesen, der in jedem Menschen, der an seine Klosterpforte klopfte, Christus selbst erkannt habe – ein zentraler Pfeiler auch der Spiritualität des heiligen Benedikt, den dieser in seiner bald 1500 Jahre alten Regel im Punkt über die Gastfreundschaft niedergeschrieben habe (RB 53).
In dieser Ordensregel habe der Heilige, so Abt Jakob, ebenfalls niedergeschrieben wer als Pförtner, als Türhüter geeignet sei: nämlich ein „weiser älterer Bruder“, der unempfänglich für äußere Ablenkungen sei: „Mit der ganzen Sanftmut eines Gottesfürchtigen und mit dem Eifer der Liebe gebe er unverzüglich Bescheid“ (RB 66). In diesen Zuschreibungen eines Türhüters erkenne er Bruder Konrad perfekt wieder: „Christus zu entdecken in den Begegnungen des Alltags, das macht für mich seine Heiligkeit aus.“ Wir alle, so der junge Erzabt abschließend, sollten uns fragen, wer an unsere Türe, an unser Herz, an unsere Seele klopfe – nämlich Christus selbst. Und dann könnten und sollten wir der „weise Alte“ sein, der Türhüter zu Christus für andere Menschen. Damit sie, so wie wir, das „Leben in Fülle“ hätten (Joh 10,10).
Bereits am Samstagabend hatten sich viele Gläubige zur Vorabendmesse mit Predigt von Br. Marinus nach feierlichem Einzug mit der Bruder-Konrad-Hauptreliquie in der Basilika versammelt, der anschließend eine stimmungsvolle Lichterprozession folgte. Den Abschluss des Bruder-Konrad-Festes 2026 bildete traditionell die Vesper am Sonntag um 16 Uhr in der Konradkirche, nach der die Teilnehmer gerne vom Angebot des Einzelreliquiensegens Gebrauch machten.
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter



