Das glauben wir

Brot und Wahrheit

Redaktion am 15.04.2024

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Einzelne Menschen können den Unterschied machen. Davon erzählt Chefredakteur Wolfgang Krinninger im Editorial der aktuellen Ausgabe Nr. 17-2024.

Krieg, Angst und Not fres­sen sich tief hin­ein in die Erin­ne­rung. Sie blei­ben dort, so lan­ge man lebt. Bei man­chen Men­schen sind die­se Erin­ne­run­gen dicht mit Lebens­hass ver­wo­ben. Da fällt das Zuhö­ren schwer. Die Wor­te sind schnei­dend, der Klang der Sät­ze bit­ter. Hoff­nungs­lo­se Kla­ge­lie­der, die die See­le nicht erleich­tern. Sehr viel öfter frei­lich las­sen einen älte­re Men­schen an fes­seln­den Erzäh­lun­gen teil­ha­ben. Sie brei­ten ihr Leben vor einem aus und man kommt aus dem Stau­nen nicht mehr her­aus. Sie erzäh­len aus einer Welt, die so weit weg von den eige­nen Erfah­run­gen ist wie ein Sci­ence-Fic­tion-Roman, der weit in die Zukunft blickt. Licht­jah­re. Es ist ein gro­ßes Glück, wenn sol­che Men­schen die Schatz­kis­ten ihrer Erin­ne­rung öff­nen. Man muss sich nur die Zeit neh­men, aus der Hast des All­tags kurz aus­stei­gen, sich auf das Tem­po der Geschich­ten ein­las­sen. Man lernt dar­aus so viel – auch dass es um die eige­ne Lebens­welt viel­leicht doch nicht ganz so schlimm bestellt ist, wie uns man­che glau­ben machen. 

Auch mei­nen Vater, 1931 gebo­ren und vor zwei Jah­ren ver­stor­ben, lie­ßen die prä­gen­den Jugend­jah­re wäh­rend und kurz nach dem Zwei­ten Welt­krieg nie wie­der los. Er hat in den Wirt­schafts­wun­der­jah­ren – wie so vie­le ande­re Frau­en und Män­ner die­ser Zeit – unglaub­lich viel geschaf­fen: eine Fami­lie gegrün­det, Haus gebaut, meh­re­re Beru­fe erlernt und aus­ge­übt. Doch wenn er im Herbst sei­nes Lebens zu erzäh­len begann, schau­te er meist zurück auf ein klei­nes Dorf im Baye­ri­schen Wald, auf ein Haus ohne anwe­sen­dem Vater, in dem die Not wohn­te, auf Näch­te in kal­ten Dach­bö­den, auf die har­te Arbeit als Knecht, auf ein bestän­di­ges, alles über­la­gern­des Gefühl: Hun­ger. Eine Anek­do­te fehl­te des­halb nie: Wie pein­lich es war, bei den Bau­ern um Brot zu bet­teln, wer etwas gab und wer ihn wegschickte. 

Neu­lich kam ich mit einem sei­ner Brü­der genau auf die­ses Kapi­tel zu spre­chen. Er erin­ner­te sich sogar noch an die Wor­te einer Bäue­rin, die sie weg­ge­schickt hat­te: Wir haben sel­ber ned genug, geht‘s wei­ter!“ Abge­nom­men hat er ihr das nicht. Ganz anders die Reak­ti­on auf das Klop­fen der Buben an der Haus­tür auf einem ähn­lich gro­ßen Hof im Nach­bar­ort: Da haben wir immer ein Stück Brot bekom­men“. Und sei­ne Augen glän­zen, wäh­rend er das sagt. Fast 80 Jah­re spä­ter. Die­se Schei­be Brot, ein ein­zi­ger glück­li­cher Augen­blick, hat sich im Lau­fe der Jahr­zehn­te in einen Gold­klum­pen verwandelt. 

Die Tex­te der Bibel erzäh­len oft davon, dass sich in der Güte die Lie­be Got­tes offen­bart. Sind das uralte Geschich­ten, fern unse­rer Lebens­welt? Die Anek­do­te der bei­den Brü­der sagt mir, dass es eine zeit­lo­se Wahr­heit ist: Ein gutes Herz kann den Lauf der Welt ver­än­dern. Ein­zel­ne Men­schen kön­nen den Unter­schied machen.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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