Weltkirche

Hände der Hoffnung

Redaktion am 29.04.2024

2024 04 29 pb alb hilfsprojekt kenia hallo Foto: privat
Überschäumende Freude ...

Unvorstellbare Armut auf der einen Seite, Dankbarkeit und Gottvertrauen auf der anderen liegen oft eng beieinander. Das erlebte eine Gruppe aus dem Bayerischen Wald beim Besuch eines Hilfsprojekts in Kenia.

KiRi­Ki – das ist eine Grup­pe Ehren­amt­li­cher, die sich bereits seit ihrem Grün­dungs­jahr 1982 für Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ein­setzt. Zusam­men mit drei Geist­li­chen und eini­gen Frei­wil­li­gen aus den namens­ge­ben­den Pfarr­ge­mein­den Kirch­berg im Wald, Rinchnach und Kirch­dorf im Wald leg­ten die bei­den Ent­wick­lungs­hel­fer Erich Mühl­bau­er und Otto Rager einst das Fun­da­ment. Hier­aus ging ein bereits über Jahr­zehn­te andau­ern­der, kon­ti­nu­ier­li­cher Kon­takt zu ver­schie­de­nen Pro­jek­ten in ärme­ren Län­dern unse­ren einen Welt hervor.

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... und große Trostlosigkeit waren nah beisammen beim Besuch von KiRiKi in Kenia.

So konn­ten mit­tels hier­zu­lan­de orga­ni­sier­ter Ver­an­stal­tun­gen und der im Zuge des­sen gesam­mel­ten Spen­den der Bau und der lang­fris­ti­ge Unter­halt von Kin­der­hei­men, Schu­len und Jugend­zen­tren – bei­spiels­wei­se in Kame­run, Sene­gal oder Boli­vi­en – unter­stützt wer­den. Der Geld­trans­fer wird über das Hilfs­werk Mise­re­or abgewickelt. 

Aktu­ell steht beson­ders Hands of care and hope“, eine Initia­ti­ve der Fran­cis­ci­an Mis­sio­na­ry Sis­ters for Afri­ca“ in den Slums der kenia­ni­schen Haupt­stadt Nai­ro­bi, im Fokus des Enga­ge­ments. Ein Besuch der pro­jek­tei­ge­nen Ein­rich­tun­gen kon­fron­tier­te mit Ein­bli­cken in eine para­do­xe Rea­li­tät: Armut, fun­da­men­ta­le Kri­sen und für uns unvor­stell­ba­re Lebens­be­din­gun­gen am abso­lu­ten Exis­tenz­mi­ni­mum auf der einen sowie glit­zern­de Kin­der­au­gen, unglaub­li­che Gast­freund­schaft, Dank­bar­keit und Gott­ver­bun­den­heit auf der ande­ren Seite.

Text: Susan­ne Kopp

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Über die Fortschritte beim KiRiKi in Kenia freuen sich (Gruppenfoto v.l.) Susanne Kopp, Martin Hofbauer, Viktoria Brengmann, Johanna Feichtinger, Schwester Miriam, Schwester Pauline, Andreas Pletl und Kirchenpfleger Klaus Lesche.

„Wessen Kind bin ich?“ Gedanken zu einer beeindruckenden Reise

Mit dabei auf der Rei­se nach Kenia (sie­he Bericht oben) war auch die ange­hen­de Pas­to­ral­re­fe­ren­tin Vik­to­ria Breng­mann. Sie hat für das Bis­tums­blatt zusam­men­ge­fasst, was sie so bewegt hat.

Who­se child am I?“, fra­gen die Kin­der. Wes­sen Kind bin ich?“, wie­der­ho­len sie immer wieder. 

Wes­sen Kind sind sie, die­se Klei­nen, deren Augen uns Geschich­ten erzäh­len, in denen zwei Din­ge so nah bei­ein­an­der zu sein schei­nen: Feie­re das Leben! Sei dank­bar für alle Klei­nig­kei­ten!“ und Ich kann nicht mehr.“ So früh erwach­sen zu wer­den hin­ter­lässt tief­grei­fen­de Spuren.

Wes­sen Kind sind sie? 

Das Kind der Mut­ter, die sich jeden Tag auf Keni­as größ­ter Müll­hal­de Dan­do­ra“ wie­der­fin­det und mit blo­ßen Hän­den in den unan­ge­nehm rie­chen­den Abfall­ber­gen wühlt, um nur eine Mahl­zeit für ihre Fami­lie zu sichern? Das Kind der Mut­ter, die mit ihrem klei­nen Baby auf dem dre­cki­gen Boden ihrer Well­blech­hüt­te sitzt und auf­grund von Krank­heit selbst auf Hil­fe ange­wie­sen ist? Das Kind der Mut­ter, die den All­tag des Slums nicht mehr erträgt und des­we­gen mit Alko­hol und Dro­gen aus die­ser Rea­li­tät entflieht?

Das Kind der Mut­ter, die an HIV erkrankt ist und deren klei­nes Mäd­chen das­sel­be Schick­sal ereilt hat?
Das Kind der Mut­ter, die die jün­ge­ren Geschwis­ter tags­über auf engs­tem Raum ohne Licht ein­sper­ren muss, weil sie wäh­rend ihrer Arbeits­zeit kei­ne Betreu­ung für sie hat? Das Kind der Mut­ter, die uns in ihrem dunk­len Zuhau­se ohne Elek­tri­zi­tät äußerst gast­freund­lich emp­fängt und zual­ler­erst ein Gebet anstimmt, um Gott für ihr Wohl­be­fin­den in die­sen vier Wän­den zu danken?

Das Kind der Mut­ter, die eine Plas­tik­fla­sche in das Dach ihrer ansons­ten löch­ri­gen Hüt­te gesteckt hat, um zumin­dest tags­über eine impro­vi­sier­te Lam­pe zu haben?

Das Kind der Mut­ter, die – zusam­men mit ihrem Mann – schon früh bei einem Auto­un­fall ums Leben kam und kei­ne Ange­hö­ri­gen und somit kein Daheim für ihre ver­wais­te Toch­ter hinterlässt?

Das Kind des Vaters, des­sen sechs­jäh­ri­ger Sohn sich täg­lich selbst­stän­dig auf den Weg zur Schu­le macht, da er selbst in Nacht­schich­ten den Müll ande­rer Men­schen in einer ansons­ten so dre­cki­gen Umge­bung einsammelt?

Oder ein Kind Got­tes, der der gro­ße Hoff­nungs­an­ker die­ser Slum­be­woh­ner ist? Ein Kind Got­tes, für den ange­sichts der leid­vol­len Umstän­de in zahl­rei­chen Brei­ten­gra­den oft­mals nur noch Fra­ge und Kla­ge übrigbleibt?

Oder ein Kind unse­rer einen Welt­fa­mi­lie, zu der wir alle gehören?

Wes­sen Kind sind sie?

Gott hat uns die Frei­heit geschenkt, unse­re Augen vor der Bit­ter­keit und Unge­rech­tig­keit die­ses Erden­da­seins zu verschließen.

Er hat uns aber eben­so Ver­ant­wor­tung für sei­ne Schöp­fung gege­ben, deren Teil wir alle sind und die uns alle – über Lan­des- und Gene­ra­tio­nen­gren­zen hin­weg – mit­ein­an­der verbindet.

Mensch, es ist nicht dei­ne Schuld, dass es so ist, wie es ist. Aber es ist dei­ne Schuld, wenn es so bleibt.

Sie sind dei­ne Schwes­tern und Brüder!

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