Vorträge

„Der Glaube ist eine Kraft, die verwandelt, reinigt und heilt“

Redaktion am 06.07.2026

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Einleitung in das theologische Vortragsprogramm durch Prof. DDr. Ralph Weimann.

Drittes Benedikt XVI. Forum vom 1. bis 5. Juli in Altötting widmet sich der „Heilung durch den Glauben“.

Wir sind ein­ge­la­den Gott zu begeg­nen, er ist die Quel­le des Heils“. Mit die­sen Wor­ten benann­te Prof. DDr. Ralph Wei­mann, einer der Haupt­ver­ant­wort­li­chen, schon in sei­nen Begrü­ßungs­wor­ten am Mitt­woch­abend, 1. Juli im Begeg­nungs­zen­trum St. Chris­to­pho­rus den inhalt­li­chen roten Faden der kom­men­den Tage. Zuvor hat­ten die Teil­neh­mer des Forums mit wei­te­ren Gläu­bi­gen am Eröff­nungs­got­tes­dienst mit Kar­di­nal Kurt Koch in der Stift­s­pfarr­kir­che teil­ge­nom­men und sich auf die­se Wei­se geist­lich auf die theo­lo­gi­schen Vor­trä­ge der Refe­ren­ten ein­ge­stimmt. Die­se ent­fal­te­ten und ver­tief­ten den Grund­ge­dan­ken von der hei­len­den Kraft des Glau­bens jeweils und einem spe­zi­el­len Gesichts­punkt – immer mit Blick auf die Theo­lo­gie Joseph Ratzingers/​Papst Bene­dikt XVI.

Das Ziel der Mühe gab Wei­mann gleich zu Beginn vor: Wir wol­len aus den Schät­zen des Glau­bens und der Theo­lo­gie schöp­fen, um Ihnen wich­ti­ge Anre­gun­gen auf den Weg mit­zu­ge­ben, die Ihnen hel­fen kön­nen den Glau­ben an Jesus Chris­tus zu ver­tie­fen – und aus die­sem Glau­ben jene Kraft zu schöp­fen, die uns heil wer­den lässt.“ Dass der Weg zur Heil­wer­dung zwar klar vor­ge­zeich­net, aber gleich­wohl kein ein­fa­cher oder ober­fläch­li­cher ist, wur­de schon am Leit­mo­tiv des ers­ten Vor­trags deut­lich. Prof. Dr. Mar­kus Grau­lich for­mu­lier­te es so: Der Mensch wird letzt­lich durch die Wahr­heit geheilt“. Ein Begriff, der schwer zu fas­sen ist, den Bene­dikt XVI. aber in sei­ner Enzy­kli­ka Deus cari­tas est“ von 2005 mit gro­ßer Klar­heit aus­de­fi­nier­te: Am Anfang des Christ­seins steht nicht ein ethi­scher Ent­schluss oder eine gro­ße Idee, son­dern die Begeg­nung mit einem Ereig­nis, mit einer Per­son, die unse­rem Leben einen neu­en Hori­zont und damit sei­ne ent­schei­den­de Rich­tung gibt.“ Jesus Chris­tus ist die Wahr­heit, brach­te es Grau­lich auf den Punkt – eine Wahr­heit frei­lich, wel­che die moder­ne Welt oft nicht mehr erken­ne. Dar­aus resul­tier­ten Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, Unsi­cher­heit, Angst, inne­re Zer­ris­sen­heit und ein Ver­lust an Lebens­sinn: Dar­aus ent­steht das Bedürf­nis nach Hei­lung“. Unse­re Auf­ga­be sei es, die inne­re Begeg­nung mit Jesus Chris­tus immer neu zu suchen und aus ihr her­aus das Leben zu gestalten.

Benedikt XVI. Forum – Impressionen

Dabei sei­en wir zur Frei­heit beru­fen, stell­te Kar­di­nal Kurt Koch im ers­ten Vor­trag am Fol­ge­tag fest. Wäh­rend aber der moder­ne Mensch vor allem bei ande­ren, bei der Gesell­schaft, also außer­halb sei­ner Exis­tenz“ suche, gehe der christ­li­che Blick in das Inne­re, auf die Bezie­hung zum Höchs­ten: Gott ist der Grund und Garant der mensch­li­chen Frei­heit, nach der wir uns seh­nen“, beton­te der Kar­di­nal und stell­te ins­be­son­de­re die Lie­be als die wich­tigs­te Wahr­heit über Gott und über unse­re mensch­li­che Frei­heit“ her­aus, weil allein die Lie­be Got­tes erlöst und den Weg weist, in erlös­ter Frei­heit leben zu kön­nen“. Prof. Dr. Jan-Hei­ner Tück sprach anschlie­ßend über Sün­de und Erlö­sung“; und beton­te eben­falls die Bedeu­tung der Bezie­hung der Men­schen unter­ein­an­der und vor allem der zu Gott. Jesus sei den Sün­dern nahe, um sie zur Umkehr zu brin­gen. Aus­drück­lich warb Prof. Tück für eine Kul­tur der Ver­ge­bung gera­de in der heu­te so pola­ri­sier­ten Welt. Auch in der gebe es Wun­der, zeig­te sich ihm fol­gend Prof. Dr. Mari­us Rei­ser sehr sicher. Ganz prak­tisch setz­ten die Sakra­men­te jetzt fort, was Chris­tus wäh­rend sei­nes Lebens auf Erden voll­bracht habe. Und noch poin­tier­ter: Im gläu­bi­gen Emp­fang der Eucha­ris­tie begeg­nen wir dem Arzt der See­le und erhal­ten Anteil an sei­ner Wunderkraft.“

Auch wenn Ver­gan­ge­nes nicht unge­sche­hen gemacht wer­den kann, ver­mag auch hier die Kraft des Glau­bens zu hei­len“, erläu­ter­te Prof. Ralph Wei­mann in sei­nem Auf­takt­vor­trag am Don­ners­tag­vor­mit­tag. Schuld kön­ne sich gene­ra­tio­nen­über­grei­fend aus­wir­ken, doch eine erneu­er­te Bezie­hung zu Gott durch Umkehr, Ver­söh­nung und Süh­ne“ kön­ne Hei­lung bewir­ken. Wei­mann: Jesus Chris­tus ist der Hei­land – die­ses schö­ne deut­sche Wort bringt zum Aus­druck, wofür er steht: Er heilt und er schenkt Heil, er ist mäch­ti­ger als jede Macht des Bösen.“ Anschlie­ßend beton­te Pater Dr. Anton Läs­ser CP in sei­nem Vor­trag: Wir müs­sen begrei­fen, dass das Reich Got­tes bereits da ist“. Allen, die dar­an Anteil haben möch­ten, emp­fahl er sie­ben Stu­fen: Vor Gott sein; die Wahr­heit über sich sel­ber erken­nen; bereu­en; zu Gott gehen und ihm alles brin­gen, was fehlt; anneh­men, was ist; ver­zich­ten auf das, was nicht ist; um Erlö­sung bit­ten, um das Erfüllt­wer­den mit der Lie­be Gottes.“

Zum drit­ten Mal hat das Benedikt-XVI.-Forum in Alt­öt­ting statt­ge­fun­den – und inzwi­schen ist es zu einer fes­ten Grö­ße gewor­den. Der Andrang war beein­dru­ckend, die Betei­li­gung sehr hoch und die Begeis­te­rung der Teil­neh­mer deut­lich spür­bar. Nicht nur das som­mer­li­che Wet­ter und die ange­neh­men Tem­pe­ra­tu­ren tru­gen zum Gelin­gen bei. Vor allem das The­ma Hei­lung durch Glau­ben“ mach­te deut­lich, dass die Theo­lo­gie von Papst Bene­dikt XVI. jedem Men­schen etwas zu sagen hat, weil sie Ant­wor­ten auf die gro­ßen Fra­gen des Lebens gibt. Vie­le Teil­neh­mer kehr­ten inner­lich berei­chert, gestärkt und ver­wan­delt nach Hau­se zurück. Dazu tru­gen nicht nur die zahl­rei­chen hoch­ka­rä­ti­gen Refe­ren­ten mit ihren fun­dier­ten Vor­trä­gen bei, son­dern auch Stadt­pfar­rer Prä­lat Metzl, der durch die wür­dig gefei­er­te Lit­ur­gie und die her­vor­ra­gen­de musi­ka­li­sche Gestal­tung einen beson­de­ren Raum der Got­tes­nä­he ent­ste­hen ließ. Am Ende blieb vor allem eine Fra­ge: Wann wird das nächs­te Benedikt-XVI.-Forum stattfinden.”

Prof. DDr. Ralph Weimann

Die grund­le­gen­de Hei­lung im Leben des Chris­ten gesche­he aber schon durch die Tau­fe, mach­te Kar­di­nal Kurt Koch im letz­ten Vor­trag am Don­ners­tag einen Schritt zurück. Denn die Tau­fe sei das Ein­tritts­tor in die kirch­li­che Gemein­schaft, in die Gemein­schaft der Chris­ten – und das Heil­mit­tel unse­rer Blind­heit gegen­über Gott.

Ent­schei­dend sei die Begeg­nung mit Gott, führ­te Bischof em. Gre­gor Maria Han­ke OSB am Sams­tag­vor­mit­tag aus. Aller­dings sei Got­tes Gegen­wart in der Welt dyna­misch, ähn­lich wie ein rei­ßen­der Strom“, und for­de­re ent­spre­chend uns selbst her­aus, im Glau­ben aktiv zu wer­den. Als Auf­er­stan­de­ner und Erhöh­ter beim Vater kom­me uns Jesus dabei stets ent­ge­gen. Geleb­ter Glau­be sei begeg­nend und uns ver­wan­delnd – die­se wun­der­ba­re Wirk­lich­keit dür­fen wir in den Sakra­men­ten fei­ern und emp­fan­gen“, so Bischof Han­ke. Ihm fol­gend beton­te Dr. Franz Harin­ger, dass Gna­de nicht abs­trakt sei, son­dern ein Bezie­hungs­ge­sche­hen“. Dabei könn­ten Mensch und Gott vor allem des­halb zuein­an­der fin­den, weil Gott die Initia­ti­ve ergrei­fe, weil sich Gott klein und dadurch sicht­bar“ gemacht habe. Gott kom­me auf Men­schen zu und rich­te sie auf. Die ange­mes­se­ne Ant­wort der Men­schen sei daher das Gebet, in dem er Gott als Schöp­fer aner­ken­ne und bekun­de, immer aufs Neue Got­tes Wil­len zu suchen. Außer­dem beton­te Harin­ger die Bedeu­tung der Fei­er der Eucha­ris­tie, in der wir uns jedes Mal mit der unend­li­chen Lie­be Got­tes ver­ei­nen. Eben dies sei Hei­lung. Der Glau­be, so Harin­ger, schen­ke nicht nur Freu­de, son­dern auch Leich­tig­keit im Leben. Es lie­ge an uns, ob wir uns hin­un­ter­zie­hen, oder mit Jesu Hil­fe hin­aus­he­ben lie­ßen. Mit Freu­de wer­den im letz­ten Vor­trag des Bene­dikt XVI. Forums 2026 alle Zuhö­rer aus dem Mund von Prof. Wei­mann ver­nom­men haben, dass auch die Got­tes­mut­ter Maria zum Quell der Hei­lung wer­den kann. Oft sei­en sich selbst Katho­li­ken nicht bewusst, wel­che Bedeu­tung ihr im Heils­plan Got­tes zukom­me. Maria wir­ke dort beson­ders, wo sie gegen­wär­tig sei, so Wei­mann mit Blick auf den Gna­den­ort Alt­öt­ting: Gera­de an die­sem Ort – aber auch an allen ande­ren gro­ßen Wall­fahrts­or­ten – erfah­ren die Men­schen Bei­stand, Heil und Heilung“.

Das drit­te Papst Bene­dikt XVI. Forum war für mich eine Art Fami­li­en­tref­fen“, denn bei den Teil­neh­men­den gibt es eine Kern­grup­pe, die jedes Jahr kommt und die sich auch schon auf das nächs­te Tref­fen zum 100. Geburts­tag von Papst Bene­dikt XVI. freut, das vom 21. — 25. April 2027 in Alt­öt­ting statt­fin­den wird. Mit der Kom­bi­na­ti­on von wis­sen­schaft­li­chen Vor­trä­gen, fei­er­li­chen Got­tes­diens­ten, spi­ri­tu­el­len Ange­bo­ten und einem Begleit­pro­gramm für Jugend­li­che war für alle Gäs­te etwas dabei. Das macht das Forum so attrak­tiv und des­we­gen stel­le ich fest, dass jedes Jahr mehr Men­schen kom­men, die sich mit der Theo­lo­gie und der Per­son Josef Ratz­in­gers aus­ein­an­der­set­zen wollen.”

Prälat Dr. Klaus Metzl, Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor

Den stim­mungs­vol­len Schluss­ak­kord unter vier inten­si­ve Tage setz­te am Frei­tag­abend, 3. Juli die Lich­ter­pro­zes­si­on nach dem Pon­ti­fi­kal­amt mit Kar­di­nal Kurt Koch. Mit dem Abschluss­got­tes­dienst, eben­falls mit Kar­di­nal Koch als Haupt­ze­le­brant, ende­te schließ­lich das drit­te Bene­dikt XVI. Forum. Die Neu­auf­la­ge im kom­men­den Jahr ist schon geplant, dann im April. Prof. Ralph Wei­mann dank­te herz­lich allen, die zum Gelin­gen bei­getra­gen hat­ten sowie allen Teil­neh­mern vor Ort sowie den vie­len Zuschau­ern und Zuhö­rern, die alle Pro­gramm­punk­te unter ande­rem bei EWTN und k‑tv live ver­fol­gen konnten.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

Michael
Glaß

Redakteur

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