Wir sind eingeladen Gott zu begegnen, er ist die Quelle des Heils“. Mit diesen Worten benannte Prof. DDr. Ralph Weimann, einer der Hauptverantwortlichen, schon in seinen Begrüßungsworten am Mittwochabend, 1. Juli im Begegnungszentrum St. Christophorus den inhaltlichen roten Faden der kommenden Tage. Zuvor hatten die Teilnehmer des Forums mit weiteren Gläubigen am Eröffnungsgottesdienst mit Kardinal Kurt Koch in der Stiftspfarrkirche teilgenommen und sich auf diese Weise geistlich auf die theologischen Vorträge der Referenten eingestimmt. Diese entfalteten und vertieften den Grundgedanken von der heilenden Kraft des Glaubens jeweils und einem speziellen Gesichtspunkt – immer mit Blick auf die Theologie Joseph Ratzingers/Papst Benedikt XVI.
Das Ziel der Mühe gab Weimann gleich zu Beginn vor: „Wir wollen aus den Schätzen des Glaubens und der Theologie schöpfen, um Ihnen wichtige Anregungen auf den Weg mitzugeben, die Ihnen helfen können den Glauben an Jesus Christus zu vertiefen – und aus diesem Glauben jene Kraft zu schöpfen, die uns heil werden lässt.“ Dass der Weg zur Heilwerdung zwar klar vorgezeichnet, aber gleichwohl kein einfacher oder oberflächlicher ist, wurde schon am Leitmotiv des ersten Vortrags deutlich. Prof. Dr. Markus Graulich formulierte es so: „Der Mensch wird letztlich durch die Wahrheit geheilt“. Ein Begriff, der schwer zu fassen ist, den Benedikt XVI. aber in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ von 2005 mit großer Klarheit ausdefinierte: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“ Jesus Christus ist die Wahrheit, brachte es Graulich auf den Punkt – eine Wahrheit freilich, welche die moderne Welt oft nicht mehr erkenne. Daraus resultierten Orientierungslosigkeit, Unsicherheit, Angst, innere Zerrissenheit und ein Verlust an Lebenssinn: „Daraus entsteht das Bedürfnis nach Heilung“. Unsere Aufgabe sei es, die innere Begegnung mit Jesus Christus immer neu zu suchen und aus ihr heraus das Leben zu gestalten.
Benedikt XVI. Forum – Impressionen
Dabei seien wir zur Freiheit berufen, stellte Kardinal Kurt Koch im ersten Vortrag am Folgetag fest. Während aber der moderne Mensch vor allem bei anderen, bei der Gesellschaft, also „außerhalb seiner Existenz“ suche, gehe der christliche Blick in das Innere, auf die Beziehung zum Höchsten: „Gott ist der Grund und Garant der menschlichen Freiheit, nach der wir uns sehnen“, betonte der Kardinal und stellte insbesondere die Liebe als die „wichtigste Wahrheit über Gott und über unsere menschliche Freiheit“ heraus, „weil allein die Liebe Gottes erlöst und den Weg weist, in erlöster Freiheit leben zu können“. Prof. Dr. Jan-Heiner Tück sprach anschließend über „Sünde und Erlösung“; und betonte ebenfalls die Bedeutung der Beziehung der Menschen untereinander und vor allem der zu Gott. Jesus sei den Sündern nahe, um sie zur Umkehr zu bringen. Ausdrücklich warb Prof. Tück für eine Kultur der Vergebung gerade in der heute so polarisierten Welt. Auch in der gebe es Wunder, zeigte sich ihm folgend Prof. Dr. Marius Reiser sehr sicher. Ganz praktisch setzten die Sakramente jetzt fort, was Christus während seines Lebens auf Erden vollbracht habe. Und noch pointierter: „Im gläubigen Empfang der Eucharistie begegnen wir dem Arzt der Seele und erhalten Anteil an seiner Wunderkraft.“
„Auch wenn Vergangenes nicht ungeschehen gemacht werden kann, vermag auch hier die Kraft des Glaubens zu heilen“, erläuterte Prof. Ralph Weimann in seinem Auftaktvortrag am Donnerstagvormittag. Schuld könne sich generationenübergreifend auswirken, doch eine erneuerte Beziehung zu Gott durch „Umkehr, Versöhnung und Sühne“ könne Heilung bewirken. Weimann: „Jesus Christus ist der Heiland – dieses schöne deutsche Wort bringt zum Ausdruck, wofür er steht: Er heilt und er schenkt Heil, er ist mächtiger als jede Macht des Bösen.“ Anschließend betonte Pater Dr. Anton Lässer CP in seinem Vortrag: „Wir müssen begreifen, dass das Reich Gottes bereits da ist“. Allen, die daran Anteil haben möchten, empfahl er sieben Stufen: „Vor Gott sein; die Wahrheit über sich selber erkennen; bereuen; zu Gott gehen und ihm alles bringen, was fehlt; annehmen, was ist; verzichten auf das, was nicht ist; um Erlösung bitten, um das Erfülltwerden mit der Liebe Gottes.“
„Zum dritten Mal hat das Benedikt-XVI.-Forum in Altötting stattgefunden – und inzwischen ist es zu einer festen Größe geworden. Der Andrang war beeindruckend, die Beteiligung sehr hoch und die Begeisterung der Teilnehmer deutlich spürbar. Nicht nur das sommerliche Wetter und die angenehmen Temperaturen trugen zum Gelingen bei. Vor allem das Thema „Heilung durch Glauben“ machte deutlich, dass die Theologie von Papst Benedikt XVI. jedem Menschen etwas zu sagen hat, weil sie Antworten auf die großen Fragen des Lebens gibt. Viele Teilnehmer kehrten innerlich bereichert, gestärkt und verwandelt nach Hause zurück. Dazu trugen nicht nur die zahlreichen hochkarätigen Referenten mit ihren fundierten Vorträgen bei, sondern auch Stadtpfarrer Prälat Metzl, der durch die würdig gefeierte Liturgie und die hervorragende musikalische Gestaltung einen besonderen Raum der Gottesnähe entstehen ließ. Am Ende blieb vor allem eine Frage: Wann wird das nächste Benedikt-XVI.-Forum stattfinden.”
Die grundlegende Heilung im Leben des Christen geschehe aber schon durch die Taufe, machte Kardinal Kurt Koch im letzten Vortrag am Donnerstag einen Schritt zurück. Denn die Taufe sei das Eintrittstor in die kirchliche Gemeinschaft, in die Gemeinschaft der Christen – und das Heilmittel unserer Blindheit gegenüber Gott.
Entscheidend sei die Begegnung mit Gott, führte Bischof em. Gregor Maria Hanke OSB am Samstagvormittag aus. Allerdings sei Gottes Gegenwart in der Welt dynamisch, ähnlich wie „ein reißender Strom“, und fordere entsprechend uns selbst heraus, im Glauben aktiv zu werden. Als Auferstandener und Erhöhter beim Vater komme uns Jesus dabei stets entgegen. Gelebter Glaube sei „begegnend und uns verwandelnd – diese wunderbare Wirklichkeit dürfen wir in den Sakramenten feiern und empfangen“, so Bischof Hanke. Ihm folgend betonte Dr. Franz Haringer, dass Gnade nicht abstrakt sei, sondern ein „Beziehungsgeschehen“. Dabei könnten Mensch und Gott vor allem deshalb zueinander finden, weil Gott die Initiative ergreife, weil sich Gott „klein und dadurch sichtbar“ gemacht habe. Gott komme auf Menschen zu und richte sie auf. Die angemessene Antwort der Menschen sei daher das Gebet, in dem er Gott als Schöpfer anerkenne und bekunde, immer aufs Neue Gottes Willen zu suchen. Außerdem betonte Haringer die Bedeutung der Feier der Eucharistie, in der wir uns jedes Mal mit der unendlichen Liebe Gottes vereinen. Eben dies sei Heilung. Der Glaube, so Haringer, schenke nicht nur Freude, sondern auch Leichtigkeit im Leben. Es liege an uns, ob wir uns hinunterziehen, oder mit Jesu Hilfe hinausheben ließen. Mit Freude werden im letzten Vortrag des Benedikt XVI. Forums 2026 alle Zuhörer aus dem Mund von Prof. Weimann vernommen haben, dass auch die Gottesmutter Maria zum Quell der Heilung werden kann. Oft seien sich selbst Katholiken nicht bewusst, welche Bedeutung ihr im Heilsplan Gottes zukomme. Maria wirke dort besonders, wo sie gegenwärtig sei, so Weimann mit Blick auf den Gnadenort Altötting: „Gerade an diesem Ort – aber auch an allen anderen großen Wallfahrtsorten – erfahren die Menschen Beistand, Heil und Heilung“.
„Das dritte Papst Benedikt XVI. Forum war für mich eine Art „Familientreffen“, denn bei den Teilnehmenden gibt es eine Kerngruppe, die jedes Jahr kommt und die sich auch schon auf das nächste Treffen zum 100. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. freut, das vom 21. — 25. April 2027 in Altötting stattfinden wird. Mit der Kombination von wissenschaftlichen Vorträgen, feierlichen Gottesdiensten, spirituellen Angeboten und einem Begleitprogramm für Jugendliche war für alle Gäste etwas dabei. Das macht das Forum so attraktiv und deswegen stelle ich fest, dass jedes Jahr mehr Menschen kommen, die sich mit der Theologie und der Person Josef Ratzingers auseinandersetzen wollen.”
Den stimmungsvollen Schlussakkord unter vier intensive Tage setzte am Freitagabend, 3. Juli die Lichterprozession nach dem Pontifikalamt mit Kardinal Kurt Koch. Mit dem Abschlussgottesdienst, ebenfalls mit Kardinal Koch als Hauptzelebrant, endete schließlich das dritte Benedikt XVI. Forum. Die Neuauflage im kommenden Jahr ist schon geplant, dann im April. Prof. Ralph Weimann dankte herzlich allen, die zum Gelingen beigetragen hatten sowie allen Teilnehmern vor Ort sowie den vielen Zuschauern und Zuhörern, die alle Programmpunkte unter anderem bei EWTN und k‑tv live verfolgen konnten.
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter


