Glaube und Gemeinschaft

Ausruhen bei Gott

Redaktion am 27.11.2023

2023 11 27 pb alb abend der barmherzigkeit Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Die Kirchen sind bei den Abenden der Barmherzigkeit in ein besonderes Licht getaucht. Kerzen brennen und es erklingt Lobpreismusik.

Seit einigen Jahren gibt es vor allem in der Fastenzeit und im Advent im Bistum Passau Abende der Barmherzigkeit. Warum diese Abende wertvoll sind und eine wunderbare Gelegenheit bieten, dem hektischen Alltag zu entfliehen, erklären Pfarrer Thomas Steinberger und Sieglinde Weiherer im Interview.

Herr Pfar­rer Stein­ber­ger, was meint Barm­her­zig­keit“?
Pfar­rer Tho­mas Stein­ber­ger:
Barm­her­zig­keit meint einen wich­ti­gen Aspekt der Lie­be Got­tes. Gott ist die Lie­be. Und eine wich­ti­ge Wesens­ei­gen­schaft ist die Barm­her­zig­keit. Gott hat Erbar­men mit allen, die sich ihm zuwen­den. Auch Men­schen kön­nen die­se Eigen­schaft Got­tes erler­nen oder anneh­men und barm­her­zig sein. Im Kern ist Barm­her­zig­keit die stän­di­ge Bereit­schaft zu vergeben.

2023 11 27 pb alb thomas steinberger Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Pfarrer Thomas Steinberger.

Wie kann die Barm­her­zig­keit Got­tes heu­te erfah­ren wer­den?
Pfar­rer Tho­mas Stein­ber­ger:
In Ges­ten und Taten der Barm­her­zig­keit. Die Men­schen soll­ten erken­nen kön­nen an uns Gläu­bi­gen, dass wir einen beson­de­ren Blick auf alle haben und ech­te Not sehen. Davon spre­chen ja auch die Wer­ke der Barm­her­zig­keit (Mt 25,3446). Hung­ri­ge spei­sen, Durs­ti­ge trän­ken, Frem­de beher­ber­gen, Nack­te klei­den, Kran­ke pfle­gen, Gefan­ge­ne besu­chen, Tote bestat­ten. Dazu kom­men die geis­ti­gen Wer­ke der Barm­her­zig­keit: Unwis­sen­de leh­ren, Zwei­feln­de bera­ten, Trau­ern­de trös­ten, Sün­der zurecht­wei­sen, Belei­di­gern gern ver­zei­hen, Läs­ti­ge gedul­dig ertra­gen, Für Leben­de und Ver­stor­be­ne beten. Alles gute Wer­ke, die wir beher­zi­gen und prak­ti­zie­ren soll­ten. Alles mün­det aber im gro­ßen Sakra­ment der Barm­her­zig­keit, in der hei­li­gen Beich­te. Wir erle­ben in der Beich­te, in der Ver­ge­bung Got­tes die inne­re Auf­for­de­rung und Ermu­ti­gung, ande­ren zu ver­ge­ben, auf ande­re zuzu­ge­hen und Gutes zu tun. Dar­in liegt die Bot­schaft für unse­re Zeit, um die Barm­her­zig­keit Got­tes zu erfahren.

Papst Fran­zis­kus sagt Wir gehen nicht zur Beich­te, um uns zu ernied­ri­gen, son­dern um uns auf­rich­ten zu las­sen.“ Trotz­dem ist die Beich­te heu­te vie­ler­orts ein fast ver­ges­se­nes Sakra­ment. Wie kann die­ses Geschenk heu­te neu zugäng­lich gemacht wer­den?
Pfar­rer Tho­mas Stein­ber­ger
: Das steckt schon in den Wor­ten des Hei­li­gen Vaters. Die Bot­schaft, dass wir auf­ge­rich­tet“ wer­den. Also die posi­ti­ve Sicht auf die hl. Beich­te. Sün­den­ver­ge­bung ist nicht etwas Schlech­tes, das einen straft, son­dern etwas Gutes, das einen auf­baut und stärkt. Es schenkt wie­der neu­es Licht auf dem Weg mit Gott und mit dem Men­schen. Das Reden dar­über ist etwas ganz Wich­ti­ges. Und das kann nur der, der es selbst prak­ti­ziert, der selbst die Ver­ge­bung und Barm­her­zig­keit Got­tes immer wie­der neu erfährt und annimmt. Nur Pfar­rer, die sel­ber beich­ten, wer­den die­ses Sakra­ment groß­zü­gig anbie­ten. Dazu gehört die Ver­kün­di­gung. Also immer wie­der etwas dar­über in der Pre­digt sagen. Und es im Schul­un­ter­richt so posi­tiv wie mög­lich den Kin­dern ans Herz legen. Das sind unse­re Mög­lich­kei­ten. Am Bes­ten kann jemand dazu moti­viert wer­den, wenn er ande­re erlebt, die auch beich­ten. Des­halb sind die Aben­de der Barm­her­zig­keit eine gute Sache. Wir haben in Meh­ring einen neu­en Beicht­stuhl. Ein Zim­mer, modern und hell, das bald fer­tig wird. Wie­der ein Anlass, dar­über zu spre­chen und es ver­mehrt anzu­bie­ten. Mal schau­en, was geschieht.

Frau Wei­he­rer, Sie orga­ni­sie­ren seit Jah­ren Aben­de der Barm­her­zig­keit“. Was ist Ihre per­sön­li­che Erfah­rung mit der Beich­te?
Sieg­lin­de Wei­he­rer:
Bei mir gibt es ein Leben VOR und ein Leben NACH einer lebens­wen­de­nen Beicht­er­fah­rung. In einer mei­ner dun­kels­ten Stun­den bekam ich im Jahr 2007 wäh­rend der Grün­don­ners­tags­lit­ur­gie ein tie­fes Ver­lan­gen nach der Beich­te. Ich war katho­lisch auf­ge­wach­sen, hat­te mich aber über vie­le Jah­re hin­weg weit von Gott ent­fernt, ohne mir des­sen bewusst zu sein. In die­ser ers­ten Beich­te nach vie­len Jah­ren kehr­te ich wie­der zurück zu ihm und er nahm mich ohne Zögern und ohne Bedin­gun­gen fest in sei­ne lie­ben­den und barm­her­zi­gen Arme.

2023 11 27 pb alb sieglinde weiherer Foto: Stefanie Hintermayr / pbp
Sieglinde Weiherer.

War­um sind Gebets­aben­de wie der Abend der Barm­her­zig­keit“ Ihnen so wich­tig, dass Sie sich seit Jah­ren dafür ein­brin­gen?
Sieg­lin­de Wei­he­rer:
Nun, eine logi­sche Kon­se­quenz aus mei­ner oben geschil­der­ten Erfah­rung ist, dass ich mir wün­sche und mich danach seh­ne, dass mög­lichst vie­le Men­schen die Chan­ce bekom­men, eine ähn­li­che Erfah­rung zu machen. Lei­der ist es in unse­ren Brei­ten­gra­den“ so, dass eine Begeg­nung mit Gott in der Anbe­tung oder im Sakra­ment der Ver­söh­nung de fac­to fast abge­schafft ist, für moder­ne Men­schen als unnö­tig belä­chelt wird, nicht bekannt ist oder gera­de die Beich­te – viel­leicht auch auf­grund frü­he­rer schlech­ter Beicht­er­fah­run­gen – Angst, Beklom­men­heit oder Unver­ständ­nis her­vor­ruft. Ein Abend der Barm­her­zig­keit“ kann durch das offe­ne Ange­bot und die ange­neh­me Atmo­sphä­re die Hemm­schwel­le sen­ken, einen Weg mit Gott einzuschlagen.

Was darf man erwar­ten, wenn man zu einem sol­chen Abend im Advent kommt?
Sieg­lin­de Wei­he­rer:
Zunächst ein­mal fin­det man eine beson­de­re Atmo­sphä­re vor, die Kir­che ist in far­bi­ges Licht getaucht, es gibt vie­le Ker­zen und Lob­preis­mu­sik. Es gibt einen Impuls­vor­trag, danach hat jeder die Mög­lich­keit, sich sein Ange­bot aus­zu­su­chen: Man kann in der Bank sit­zen blei­ben, man kann aber auch nach vor­ne gehen zum Aller­hei­ligs­ten, ein Anlie­gen auf­schrei­ben und in eine geschlos­se­ne Gebets­box ste­cken, eine Ker­ze brin­gen, Bibel­stel­len zie­hen. Plas­ti­scher wird die­ses per­sön­li­che Wort noch, wenn man den Gebets­dienst auf­sucht und für sich in einem Anlie­gen beten lässt. Dies kann auch bei Bedarf zu einer Beich­te hin­füh­ren. Natür­lich kann man auch eine Aus­spra­che mit dem Pries­ter suchen und das Sakra­ment der Ver­söh­nung emp­fan­gen. Am Ende erhal­ten die Besu­cher noch den eucha­ris­ti­schen Segen. Auf jeden Fall darf man gespannt sein, wie Gott einen über­ra­schen und beschen­ken möchte. 

Inter­view: Katha­ri­na Hauser

Die Abende der Barmherzigkeit im Advent

  • Di, 5. Dezem­ber, um 19 Uhr, St. Peter und Paul, Aicha vorm Wald.
  • Fr, 8. Dezem­ber, um 18 Uhr, St. Bri­gi­da, Preying.
  • Sa, 9. Dezem­ber, um 18 Uhr, St. Anna, Neuschönau.
  • Do, 14. Dezem­ber, um 19 Uhr, St. Georg, Winzer.
  • Sa, 16. Dezem­ber, um 18 Uhr, Maria Him­mel­fahrt, Grafenau.
  • Di, 19. Dezem­ber, um 19 Uhr, St. Petrus und Pau­lus, Neßlbach.
  • Do, 21. Dezem­ber, um 19 Uhr, St. Mar­tin, Reischach.

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