Bistumsblatt
Das Passauer Bistumsblatt feiert 90-jähriges Jubiläum. Für Chefredakteur Wolfgang Krinninger ein guter Grund, um einen Blick zurück und nach vorne zu werfen.
Mag sein: 90 Jahre sind kein echtes Jubiläum. Da gelten nur 25, 50, 75 und 100, habe ich mir sagen lassen. Aber ein Grund zur dankbaren Rückschau, zum Innehalten und zu einem Ausblick in die Zukunft sind 90 Jahre allemal. All das haben wir versucht, in diesem extra dicken Heft zu verwirklichen.
„„Unserm Blatt Gottes Segen auf die Wanderschaft“ – mit dieser Überschrift auf der Titelseite kam am 1. Juli 1936 die Nr. 1 des Passauer Bistumsblattes aus der Druckerpresse.”
„Unserm Blatt Gottes Segen auf die Wanderschaft“ – mit dieser Überschrift auf der Titelseite kam am 1. Juli 1936 die Nr. 1 des Passauer Bistumsblattes aus der Druckerpresse. Dem Anfang wohnte kein Zauber inne, im Gegenteil: Auf dem Titelbild war der aufgebahrte Leichnam des Gründungsvaters der Zeitung, Bischof Sigismund Felix von Ow-Felldorf, zu sehen. Dompropst Franz Riemer musste im Text den Bogen spannen vom Tod des Oberhirten zu den Beweggründen, warum es wichtig sei, „ein getreues Spiegelbild des religiösen Lebens in der Diözese“ zu vermitteln. „Versucht es nur mit ihm (dem Bistumsblatt, die Red.), es wird Euch mit der Zeit auch lieb und teuer werden“, schrieb Riemer am Schluss seines Textes.
Wie es weiterging mit der Wochenzeitung, welche Kämpfe die Redaktion ausfechten musste und wie sich Erscheinungsbild und Selbstverständnis im Laufe der Jahrzehnte veränderten – diese spannende Geschichte erzählen Dr. Barbara Osdarty und Prof. Dr. Hannelore Putz anhand von Titelbildern und einem tiefen Blick ins Bistumsarchiv. Michael Glaß wiederum lässt die Geschichte des Altöttinger Liebfrauenboten einfließen, der noch ein gutes Stück älter ist als das Bistumsblatt. Seit 2022 sind beide Zeitungen in einer vereint – auch das ein Meilenstein in der reichen Geschichte der katholischen Publizistik in der Diözese Passau.
Leseraktion! 90 Jahre - 90 Tage! | Gewinnspiel! - Hoch hinaus!
Den Menschen eine Heimat geben, ihnen Freude bereiten, das Zusammenleben erleichtern, christliche Werthaltungen und katholische Vielfalt darstellen, die Schönheit und Tiefe unseres Glaubens vermitteln – Bischof Dr. Stefan Oster und Domdekan Dr. Hans Bauernfeind, der geistliche Begleiter des Bistumsblatts, beschreiben eindrucksvoll, warum diese Kirchenzeitung auch 90 Jahre nach ihrer Gründung mediales Grundnahrungsmittel der Diözese Passau ist. Das freut unser ganzes Team und ist Ansporn und Auftrag zugleich. Wir müssen dranbleiben an den rasanten Entwicklungen im Bereich der Medien, uns noch stärker vernetzen und alle Kanäle bestmöglich bedienen. Dies gilt beispielsweise bei der Einführung der neuen pastoralen Räume. Kommunikation spielt eine zentrale Rolle, damit Verwaltungseinheiten zu lebendigen Orten des Glaubens wachsen.
Kirche und Gesellschaft stecken mitten in einer Umbruchsphase. Das birgt Chancen und Risiken gleichermaßen. Die größten Gefahren sind die enorme Polarisierung und die zunehmende Verrohung im Umgang miteinander, die von den Algorithmen der Social-Media-Kanäle immer weiter befeuert werden. Hier müssen wir als Zeitungsmacher unsere Glaubwürdigkeit nutzen, um mit gutem Journalismus das Miteinander zu fördern, Geborgenheit zu spenden und der Hoffnung immer wieder Raum zu geben. Besonders interessant fand ich in diesem Zusammenhang, wie junge Menschen die Entwicklung sehen, was ihnen Hoffnung gibt und wie sie ihren Glauben leben.
„Ein Kollege hat es in seiner Dorfmetzgerei aufgeschnappt, wo er mit einer Verkäuferin über unserer Zeitung ins Gespräch kam. Fast verdattert fragte er: „Äh, ham Sie des Bistumsblatt?“ Die Antwort der Frau ist wie ein Leuchtturm in meinem Archiv. Ich schaue immer dann darauf, wenn ich mich ärgere oder im Alltäglichen die Orientierung zu verlieren drohe: „Ja freile“, sagte die Frau, „mei, ohne des mecht i ned sei!“”
Meine vier persönlichen Favoritenseiten dieser Geburtstagsausgabe sind übers ganze Blatt verteilt: die Seiten 12, 22, 40 und 41. Sie sind so etwas wie ein roter Faden. Hier erzählen einige unserer Leserinnen und Leser, warum sie das Bistumsblatt lesen und weshalb ihnen diese Zeitung ans Herz gewachsen ist. Ein Zitat ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Ein Kollege hat es in seiner Dorfmetzgerei aufgeschnappt, wo er mit einer Verkäuferin über unserer Zeitung ins Gespräch kam. Fast verdattert fragte er: „Äh, ham Sie des Bistumsblatt?“ Die Antwort der Frau ist wie ein Leuchtturm in meinem Archiv. Ich schaue immer dann darauf, wenn ich mich ärgere oder im Alltäglichen die Orientierung zu verlieren drohe: „Ja freile“, sagte die Frau, „mei, ohne des mecht i ned sei!“
Wolfgang
Krinninger
Chefredakteur


