Blick zurück nach vorn

Wolfgang Krinninger am 22.06.2026

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Das Passauer Bistumsblatt feiert 90-jähriges Jubiläum. Für Chefredakteur Wolfgang Krinninger ein guter Grund, um einen Blick zurück und nach vorne zu werfen. 

Mag sein: 90 Jah­re sind kein ech­tes Jubi­lä­um. Da gel­ten nur 25, 50, 75 und 100, habe ich mir sagen las­sen. Aber ein Grund zur dank­ba­ren Rück­schau, zum Inne­hal­ten und zu einem Aus­blick in die Zukunft sind 90 Jah­re alle­mal. All das haben wir ver­sucht, in die­sem extra dicken Heft zu verwirklichen.

„„Unserm Blatt Got­tes Segen auf die Wan­der­schaft“ – mit die­ser Über­schrift auf der Titel­sei­te kam am 1. Juli 1936 die Nr. 1 des Pas­sau­er Bis­tums­blat­tes aus der Druckerpresse.”

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Unserm Blatt Got­tes Segen auf die Wan­der­schaft“ – mit die­ser Über­schrift auf der Titel­sei­te kam am 1. Juli 1936 die Nr. 1 des Pas­sau­er Bis­tums­blat­tes aus der Dru­cker­pres­se. Dem Anfang wohn­te kein Zau­ber inne, im Gegen­teil: Auf dem Titel­bild war der auf­ge­bahr­te Leich­nam des Grün­dungs­va­ters der Zei­tung, Bischof Sigis­mund Felix von Ow-Fell­dorf, zu sehen. Dom­propst Franz Rie­mer muss­te im Text den Bogen span­nen vom Tod des Ober­hir­ten zu den Beweg­grün­den, war­um es wich­tig sei, ein getreu­es Spie­gel­bild des reli­giö­sen Lebens in der Diö­ze­se“ zu ver­mit­teln. Ver­sucht es nur mit ihm (dem Bis­tums­blatt, die Red.), es wird Euch mit der Zeit auch lieb und teu­er wer­den“, schrieb Rie­mer am Schluss sei­nes Textes.

Wie es wei­ter­ging mit der Wochen­zei­tung, wel­che Kämp­fe die Redak­ti­on aus­fech­ten muss­te und wie sich Erschei­nungs­bild und Selbst­ver­ständ­nis im Lau­fe der Jahr­zehn­te ver­än­der­ten – die­se span­nen­de Geschich­te erzäh­len Dr. Bar­ba­ra Osdar­ty und Prof. Dr. Han­ne­lo­re Putz anhand von Titel­bil­dern und einem tie­fen Blick ins Bis­tums­ar­chiv. Micha­el Glaß wie­der­um lässt die Geschich­te des Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten ein­flie­ßen, der noch ein gutes Stück älter ist als das Bis­tums­blatt. Seit 2022 sind bei­de Zei­tun­gen in einer ver­eint – auch das ein Mei­len­stein in der rei­chen Geschich­te der katho­li­schen Publi­zis­tik in der Diö­ze­se Passau.

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Den Men­schen eine Hei­mat geben, ihnen Freu­de berei­ten, das Zusam­men­le­ben erleich­tern, christ­li­che Wert­hal­tun­gen und katho­li­sche Viel­falt dar­stel­len, die Schön­heit und Tie­fe unse­res Glau­bens ver­mit­teln – Bischof Dr. Ste­fan Oster und Dom­de­kan Dr. Hans Bau­ern­feind, der geist­li­che Beglei­ter des Bis­tums­blatts, beschrei­ben ein­drucks­voll, war­um die­se Kir­chen­zei­tung auch 90 Jah­re nach ihrer Grün­dung media­les Grund­nah­rungs­mit­tel der Diö­ze­se Pas­sau ist. Das freut unser gan­zes Team und ist Ansporn und Auf­trag zugleich. Wir müs­sen dran­blei­ben an den rasan­ten Ent­wick­lun­gen im Bereich der Medi­en, uns noch stär­ker ver­net­zen und alle Kanä­le best­mög­lich bedie­nen. Dies gilt bei­spiels­wei­se bei der Ein­füh­rung der neu­en pas­to­ra­len Räu­me. Kom­mu­ni­ka­ti­on spielt eine zen­tra­le Rol­le, damit Ver­wal­tungs­ein­hei­ten zu leben­di­gen Orten des Glau­bens wachsen.

Kir­che und Gesell­schaft ste­cken mit­ten in einer Umbruchs­pha­se. Das birgt Chan­cen und Risi­ken glei­cher­ma­ßen. Die größ­ten Gefah­ren sind die enor­me Pola­ri­sie­rung und die zuneh­men­de Ver­ro­hung im Umgang mit­ein­an­der, die von den Algo­rith­men der Social-Media-Kanä­le immer wei­ter befeu­ert wer­den. Hier müs­sen wir als Zei­tungs­ma­cher unse­re Glaub­wür­dig­keit nut­zen, um mit gutem Jour­na­lis­mus das Mit­ein­an­der zu för­dern, Gebor­gen­heit zu spen­den und der Hoff­nung immer wie­der Raum zu geben. Beson­ders inter­es­sant fand ich in die­sem Zusam­men­hang, wie jun­ge Men­schen die Ent­wick­lung sehen, was ihnen Hoff­nung gibt und wie sie ihren Glau­ben leben.

Ein Kol­le­ge hat es in sei­ner Dorf­metz­ge­rei auf­ge­schnappt, wo er mit einer Ver­käu­fe­rin über unse­rer Zei­tung ins Gespräch kam. Fast ver­dat­tert frag­te er: Äh, ham Sie des Bis­tums­blatt?“ Die Ant­wort der Frau ist wie ein Leucht­turm in mei­nem Archiv. Ich schaue immer dann dar­auf, wenn ich mich ärge­re oder im All­täg­li­chen die Ori­en­tie­rung zu ver­lie­ren dro­he: Ja frei­le“, sag­te die Frau, mei, ohne des mecht i ned sei!“”

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Mei­ne vier per­sön­li­chen Favo­ri­ten­sei­ten die­ser Geburts­tags­aus­ga­be sind übers gan­ze Blatt ver­teilt: die Sei­ten 12, 22, 40 und 41. Sie sind so etwas wie ein roter Faden. Hier erzäh­len eini­ge unse­rer Lese­rin­nen und Leser, war­um sie das Bis­tums­blatt lesen und wes­halb ihnen die­se Zei­tung ans Herz gewach­sen ist. Ein Zitat ist dabei noch gar nicht berück­sich­tigt. Ein Kol­le­ge hat es in sei­ner Dorf­metz­ge­rei auf­ge­schnappt, wo er mit einer Ver­käu­fe­rin über unse­rer Zei­tung ins Gespräch kam. Fast ver­dat­tert frag­te er: Äh, ham Sie des Bis­tums­blatt?“ Die Ant­wort der Frau ist wie ein Leucht­turm in mei­nem Archiv. Ich schaue immer dann dar­auf, wenn ich mich ärge­re oder im All­täg­li­chen die Ori­en­tie­rung zu ver­lie­ren dro­he: Ja frei­le“, sag­te die Frau, mei, ohne des mecht i ned sei!“

Wolfgang
Krinninger

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