Bistum

„Nicht immer nachgrübeln“

Redaktion am 23.02.2021

Anni Sigl Uschi Friedenberger
Kurzärmlig beim Schneeschaufeln – so kennt man Anni Sigl.

Ihren 85. Geburtstag feierte die bekannte Einödbäuerin und Obstbau-Expertin Anni Sigl vor ein paar Tagen unter traurigen Umständen: Ihr Mann Alois ist letztes Jahr gestorben, nach fast 60 Jahren Ehe – Jetzt fängt sie wieder an, nach vorn zu blicken.

Für treue Bis­tums­blatt-Leser ist sie wie eine gute Bekann­te: Anni Sigl aus Hil­gen­reith bei Innern­zell im Baye­ri­schen Wald. Schon oft haben wir über die Ein­öd­bäue­rin berich­tet, die im Jahr 2012 mit ihrem Mann Alo­is schlag­ar­tig berühmt wur­de durch das Buch Anni und Alo­is. Arm sind wir nicht. Ein Bauernleben.“ 

Nun fei­er­te sie vor weni­gen Tagen ihren 85. Geburts­tag. Und den hat­te sie sich anders vor­ge­stellt. Denn es war der ers­te Geburts­tag seit ihrer Hoch­zeit am 25. Mai 1961 ohne ihren Mann Alo­is. Heu­er im Mai hät­ten sie Dia­man­te­ne Hoch­zeit fei­ern kön­nen. Aber letz­tes Jahr ist Alo­is ver­stor­ben. Die ers­te Fra­ge des Pas­sau­er Bis­tums­blat­tes beim Geburts­tags-Anruf in der Früh kann des­halb nur lau­ten: Anni, wie geht’s dir denn?“ Die bekann­te Bäue­rin seufzt und meint:

„„Naja, so fehlt mir nix. Bloß, dass ich halt jetzt allein bin. Der ers­te Geburts­tag ohne den Alo­is. Er ist 86 gewe­sen im vori­gen Jahr, als er gestor­ben ist. Seit wir 1961 gehei­ra­tet haben, haben wir immer mit­ein­an­der Geburts­tag gefei­ert und heu­er bin ich zum ers­ten Mal allein. Das ist schon hart. Ich hab schon geweint heu­te“, meint die Anni mit fast ton­lo­ser Stim­me – und schon flie­ßen wie­der die Trä­nen. An so einem Tag, da spe­ku­lierst ja dann grad!“”

Am Tele­fon ist sie heu­te im Dau­er-Ein­satz: Acht Leu­te haben schon ange­ru­fen. Du bist jetzt die Neun­te!“ meint sie bei unse­rem Tele­fon­ge­spräch um halb Neun Uhr früh. Das freut sie dann doch und sie notiert sich ein Stri­cherl für jeden, der anruft. Sogar aus Ame­ri­ka war schon eine Anru­fe­rin dabei: Die ist durch ihre Freun­din in Mün­chen auf mich auf­merk­sam gewor­den“, wun­dert sich Medi­en­star Anni doch ein wenig und fügt hin­zu: Heut brauch‘ ich mir gar nichts vor­neh­men, heut bin ich nur am Tele­fo­nie­ren!“ 71 Stri­cherl sind es übri­gens bis zum Abend ins­ge­samt geworden.

Für den Nach­mit­tag wer­de nur eine ein­zi­ge Besu­che­rin erwar­tet, die frü­he­re Vor­sit­zen­de des Gar­ten­bau­ver­eins aus einem Nach­bar­dorf, ver­si­chert Anni Sigl. Für den Abend habe sich der ältes­te Sohn ange­mel­det. Sie ver­langt sich ohne­hin kaum Besuch im Moment, denn die Gefah­ren von Coro­na nimmt die Ein­öd­bäue­rin sehr ernst: Vor April lass‘ ich prak­tisch nie­mand rein. Das ist jetzt ein Risi­ko. Ich trau‘ dem Frie­den nicht.“ Und bis wie­der Leu­te bei ihr auf­tau­chen, will sie auf alle Fäl­le geimpft sein: Ange­mel­det bin ich schon!“ Vor­her ist Besuch unerwünscht.

Für spä­ter haben sich dann schon Inter­es­sier­te ange­kün­digt, die bei ihr das Ver­edeln von Obst­bäu­men ler­nen wol­len: Da hab‘ ich schon wie­der eine gan­ze Lita­nei an Leu­ten auf­ge­schrie­ben!“ Bis es soweit ist, war­tet noch jede Men­ge ande­rer Arbeit auf Anni Sigl. In weni­gen Wochen soll es drau­ßen schon wie­der los gehen, meint die umtrie­bi­ge Frau und zählt die ers­ten Arbei­ten auf: Laub zusam­men­re­chen, Maul­wurfs­hau­fen besei­ti­gen. Neue, län­ge­re Dräh­te an den 171 Eti­ket­ten auf den Apfel­bäu­men befes­ti­gen.“ Der Gar­ten­bau-Lan­des­ver­band hat sie für den Som­mer auch bereits für zahl­rei­che Ver­an­stal­tun­gen enga­giert, bei denen ihr gro­ßes Wis­sen gefragt ist. 

Gut, dass die Anni trotz allem schon wie­der mit etwas Zuver­sicht in die Zukunft schaut: Das ist halt jetzt eine har­te Zeit für mich. Aber man muss wie­der nach vor­ne schau­en. Das dau­ern­de Sin­nie­ren bringt auch nichts. Man kann ja nicht immer nur nachgrübeln.“ 

Und zum Abschluss unse­res Tele­fon­ge­sprä­ches meint Anni Sigl zu mir: Wenn Coro­na über­stan­den ist, kommst wie­der ein­mal vor­bei!“ Ich den­ke mir: Das wer­den hof­fent­lich noch vie­le Besu­che wer­den!“ Denn bei einem frü­he­ren Tref­fen hat sie mir ein­mal im Spaß erzählt: Ich habe ja gesagt, ich werd‘ 100 Jah­re alt wie mein Onkel, der Pas­sau­er Dom­de­kan Max Thurn­rei­ter!“ Für die­sen Plan wünscht auch das Pas­sau­er Bis­tums­blatt der Anni alles Gute!

Uschi Friedenberger

Ursula Friedenberger

Redakteurin

Weitere Nachrichten

2024 06 17 pb alb emspiel1
18.06.2024

Herrlich!

Die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land begeistert nicht nur Fußball-Fans. Redakteur Michael Glaß war…

2024 06 09 pb alb wallfahrtsmosaike landau I 1
Wallfahrt
18.06.2024

Mosaike aus der Wallfahrt

Ziemlich verregnet waren die ersten Juni-Tage, dann aber wieder drückt die Hitze. Etliche Gruppen hielt das…

2024 06 17 pb alb adoratio
Glaube und Gemeinschaft
18.06.2024

Adoratio 2024 – Ein voller Erfolg

„Die Freude am Glauben und die frohe Kirche, die man erleben konnte, hat viele bestärkt“, so lautet das Fazit…

2024 06 17 pb alb satur mare
Bistum
18.06.2024

„Voneinander lernen“: Priesteraustausch Passau - Satu Mare

Vier Priester aus der Diözese Satu Mare (Rumänien) in der Woche vom 10. bis 14. Juni zum Erfahrungsaustausch…