Kirche vor Ort

Viel zu tun im Gnadenort

Redaktion am 19.01.2026

Wallfahrtsrektor Klaus Metzl. Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Viele Baustellen in 2026: Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Klaus Metzl zwischen den Türmen von Gnadenkapelle und Stiftspfarrkirche.

Die ersten fünf Jahre als Stadtpfarrer, Wallfahrtsrektor und Administrator der Heiligen Kapelle hat er hinter sich. Doch die Herausforderungen werden nicht weniger. Prälat Klaus Metzl blickt voraus auf das Jahr 2026.

Herr Stadt­pfar­rer, an einem Ort wie Alt­öt­ting mit Wall­fahrt und Gemein­de­le­ben in drei Pfar­rei­en gibt es immer viel zu tun. Was sind ganz all­ge­mein Ihre Prio­ri­tä­ten für das gera­de begon­ne­ne Jahr 2026?
Prä­lat Klaus Metzl: Wir ste­hen in Alt­öt­ting grund­sätz­lich vor einer dop­pel­ten Her­aus­for­de­rung: Zunächst gilt es zwi­schen den Wall­fahrts­grup­pen und dem Leben in der Stift­s­pfar­rei ein frucht­ba­res Mit­ein­an­der zu fin­den, um sowohl den Anlie­gen der Gläu­bi­gen vor Ort als auch den Pil­ge­rin­nen und Pil­ger aus nah und fern gerecht wer­den zu kön­nen. Dar­über hin­aus ste­hen wir in der Wall­fahrts­lei­tung in der Span­nung, einer­seits die tra­di­tio­nel­len Wall­fahr­ten und Fröm­mig­keits­for­men gut zu beglei­ten und zugleich auf neue Her­aus­for­de­run­gen und Anfra­gen inhalts­stark mit eige­nen Ange­bo­ten zu antworten.

Und dann gibt es ja noch die viel­fäl­ti­gen Bau­las­ten im Gna­den­ort …
Metzl: In der Tat: Für 2026 haben wir uns drei grö­ße­re Bau­maß­nah­men vor­ge­nom­men: zunächst die über­fäl­li­ge Instand­set­zung der bei­den Tür­me der Stift­s­pfarr­kir­che mit Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten am Kir­chen­dach. Sodann die für uns etwas über­ra­schend gekom­me­ne Erneue­rung des Kir­chen­da­ches der Klos­ter­kir­che St. Mag­da­le­na. Und schließ­lich im Hin­blick auf das Dop­pel­ju­bi­lä­um 20 Jah­re Besuch von Papst Bene­dikt XVI. in Alt­öt­ting am 11. Sep­tem­ber 2026 und 15 Jah­re Ewi­ge Anbe­tung 24 Stun­den 7 Tage‘ eine Reno­vie­rung der Anbe­tungs­ka­pel­le. Zu den Jubi­lä­ums­fei­er­lich­kei­ten erwar­ten wir übri­gens Erz­bi­schof Georg Gäns­wein, der ja als Pri­vat­se­kre­tär von Papst Bene­dikt XVI. die Eröff­nung der Anbe­tungs­ka­pel­le am 11. Sep­tem­ber 2006 mit­ge­fei­ert hat.

Was genau muss gemacht wer­den?
Metzl: Die schad­haf­te Kup­fer­be­de­ckung der bei­den Stift­stür­me, durch die bereits Was­ser auf das tra­gen­de Gebälk ein­dringt, muss drin­gend aus­ge­bes­sert wer­den. Dabei wird der Auf­bau des Gerüs­tes wohl die größ­te Her­aus­for­de­rung sein. Wenn aber das Gerüst steht, dann wer­den sowohl die Kirch­tür­me neu gestri­chen wer­den, als auch das Gebälk der Stifts­kir­che über­prüft, um auch dort auf­ge­tre­te­ne Schä­den aus­zu­bes­sern. Noch zu kei­nem Ergeb­nis sind wir bezüg­lich des Glo­cken­stuh­les gekom­men. Denn eines ist sicher: Es gibt wohl kei­ne ande­ren Kirch­tür­me in der Diö­ze­se Pas­sau, deren Glo­cken so oft und so lan­ge läu­ten wie die in der Stift­s­pfarr­kir­che. Des­we­gen wird über­legt, den schad­haf­ten Glo­cken­stuhl aus Eisen, der auf­wän­dig reno­viert wer­den müss­te, durch einen Glo­cken­stuhl aus Eichen­holz zu erset­zen, weil die­ser weit­aus scho­nen­der für das Mau­er­werk der bei­den Kir­chen­tür­me wäre.

Und die Anbe­tungs­ka­pel­le?
Metzl: Inter­es­san­ter­wei­se ist die Anbe­tungs­ka­pel­le das ein­zi­ge Gebäu­de auf dem Kapell­platz, das nicht an der Fern­wär­me ange­schlos­sen wur­de. Weil das Hei­zungs­sys­tem nach 20 Jah­ren immer wie­der Anfäl­lig­kei­ten auf­weist, soll dies nun erneu­ert und an die Fern­wär­me ange­schlos­sen wer­den. In dem Zusam­men­hang wird auch eine Ring­hei­zung in das unte­re Mau­er­werk ein­ge­baut wer­den, um so für die Anbe­te­rin­nen und Anbe­ter, die sich ja oft vie­le Stun­den – auch und gera­de in der Nacht – in der Anbe­tungs­ka­pel­le vor dem Aller­hei­ligs­ten zum Gebet auf­hal­ten, ein bes­se­res Raum­kli­ma zu schaf­fen. Dar­über hin­aus nut­zen wir die Reno­vie­rungs­zeit, um das Beleuch­tungs­sys­tem in der Anbe­tungs­ka­pel­le zu optimieren.

Blick auf die Klosterkirche St. Magdalena. Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Blick auf die Klosterkirche St. Magdalena.

Wel­che Ent­wick­lung erwar­ten Sie bei der Wall­fahrt in den nächs­ten Jah­ren?
Metzl: Nach den Ein­brü­chen des Wall­fahrts­we­sens auf­grund der Covid-19 Pan­de­mie haben sich zwi­schen­zeit­lich die Wall­fahr­ten wie­der gut sta­bi­li­siert und neu orga­ni­siert. Dabei stel­len wir einen gewis­sen Wan­del fest: So hat bei­spiels­wei­se die tra­di­tio­nel­le Stern­wall­fahrt der Legio Mariä am Pfingst­mon­tag eine jun­ge Wall­fahrts­lei­tung erhal­ten, so dass sie mit neu­em Schwung und beacht­li­chen Zuwäch­sen vor allem jun­ger Pil­ge­rin­nen und Pil­ger nach Alt­öt­ting kommt. Ähn­li­ches gilt für die ältes­te und längs­te Ein­ta­ges­wall­fahrt von Lands­hut nach Alt­öt­ting. Oder ein ande­res Phä­no­men: Die gro­ßen Wall­fahr­ten der Lands­mann­schaf­ten, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg mit vie­len Pil­ge­rin­nen und Pil­gern in ihren ange­stamm­ten Trach­ten zur Gna­den­mut­ter gekom­men sind, wer­den ver­ständ­li­cher­wei­se immer weni­ger. Ande­rer­seits füh­ren die aktu­el­len poli­ti­schen Gege­ben­hei­ten zum Auf­blü­hen neu­er gro­ßer Wall­fahr­ten. So haben sich die Wall­fahr­ten der Kroa­ten und der Ukrai­ner zu beacht­li­chen Grö­ßen entwickelt.

Wel­che Ent­wick­lun­gen pla­nen Sie in der Infra­struk­tur der Wall­fahrt?
Metzl: Auf­grund der Tat­sa­che, dass sich immer mehr Ein­zel­pil­ger und Klein­grup­pen auf dem Weg nach Alt­öt­ting machen, um Ant­wor­ten auf ihre Lebens­fra­gen und ihrer Sinn­su­che zu fin­den, genügt es nicht mehr, die tra­di­tio­nel­len Ange­bo­te, wie die Fei­er von Got­tes­diens­ten, das Sakra­ment der Beich­te, die Wei­he von Andachts­ge­gen­stän­den etc. anzu­bie­ten, son­dern es muss auf die neu­en Her­aus­for­de­run­gen mit einer neu­en Kul­tur des Will­kom­men-Seins geant­wor­tet wer­den. Dazu gehört auch eine Struk­tur, in der sich bei­spiels­wei­se Fami­li­en oder Erst­kom­mu­ni­ongrup­pen auf­hal­ten kön­nen, wo sich Rad­pil­ger umklei­den und ihre E‑Bikes auf­la­den kön­nen. Dazu gehö­ren Toi­let­ten­an­la­gen und die Mög­lich­keit sich an Tischen nie­der­las­sen zu kön­nen, um die mit­ge­brach­te Brot­zeit anstän­dig ver­zeh­ren zu kön­nen. Sol­che Struk­tu­ren, die die Auf­ent­halts­qua­li­tät stei­gern, gibt es an jedem grö­ße­ren Wall­fahrts­ort. In Alt­öt­ting ist das ein schmerz­haf­ter Man­gel, auf den wir schnellst­mög­lich eine gute Ant­wort geben möchten.

Zum Abschluss: Was wün­schen Sie den Men­schen für das neue Jahr?
Metzl: Ich wün­sche sowohl den Gläu­bi­gen im Pfarr­ver­band Alt­öt­ting als auch den Pil­ge­rin­nen und Pil­gern aus nah und fern, dass wir die Her­aus­for­de­run­gen des neu­en Jah­res gut auf­neh­men kön­nen und gemäß des dies­jäh­ri­gen Wall­fahrts­mot­tos – Tran­si­tus“ – die unaus­weich­li­chen Über­gän­ge, die auf uns per­sön­lich, auf unse­re Fami­li­en und auf die Gesell­schaft im Klei­nen wie im Gro­ßen zukom­men wer­den, recht­zei­tig erken­nen und zukunfts­ori­en­tiert beant­wor­ten. Was wir dazu brau­chen ist ein leben­di­ger Glau­be, der Segen Got­tes und der bestän­di­ge Schutz Unse­rer Lie­ben Frau von Altötting.

Wolfgang
Terhörst

Redaktionsleiter

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