Foto: Roswitha Dorfner
Die ersten fünf Jahre als Stadtpfarrer, Wallfahrtsrektor und Administrator der Heiligen Kapelle hat er hinter sich. Doch die Herausforderungen werden nicht weniger. Prälat Klaus Metzl blickt voraus auf das Jahr 2026.
Herr Stadtpfarrer, an einem Ort wie Altötting mit Wallfahrt und Gemeindeleben in drei Pfarreien gibt es immer viel zu tun. Was sind ganz allgemein Ihre Prioritäten für das gerade begonnene Jahr 2026?
Prälat Klaus Metzl: Wir stehen in Altötting grundsätzlich vor einer doppelten Herausforderung: Zunächst gilt es zwischen den Wallfahrtsgruppen und dem Leben in der Stiftspfarrei ein fruchtbares Miteinander zu finden, um sowohl den Anliegen der Gläubigen vor Ort als auch den Pilgerinnen und Pilger aus nah und fern gerecht werden zu können. Darüber hinaus stehen wir in der Wallfahrtsleitung in der Spannung, einerseits die traditionellen Wallfahrten und Frömmigkeitsformen gut zu begleiten und zugleich auf neue Herausforderungen und Anfragen inhaltsstark mit eigenen Angeboten zu antworten.
Und dann gibt es ja noch die vielfältigen Baulasten im Gnadenort …
Metzl: In der Tat: Für 2026 haben wir uns drei größere Baumaßnahmen vorgenommen: zunächst die überfällige Instandsetzung der beiden Türme der Stiftspfarrkirche mit Ausbesserungsarbeiten am Kirchendach. Sodann die für uns etwas überraschend gekommene Erneuerung des Kirchendaches der Klosterkirche St. Magdalena. Und schließlich im Hinblick auf das Doppeljubiläum ‚20 Jahre Besuch von Papst Benedikt XVI. in Altötting am 11. September 2026 und 15 Jahre Ewige Anbetung 24 Stunden 7 Tage‘ eine Renovierung der Anbetungskapelle. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten erwarten wir übrigens Erzbischof Georg Gänswein, der ja als Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. die Eröffnung der Anbetungskapelle am 11. September 2006 mitgefeiert hat.
Was genau muss gemacht werden?
Metzl: Die schadhafte Kupferbedeckung der beiden Stiftstürme, durch die bereits Wasser auf das tragende Gebälk eindringt, muss dringend ausgebessert werden. Dabei wird der Aufbau des Gerüstes wohl die größte Herausforderung sein. Wenn aber das Gerüst steht, dann werden sowohl die Kirchtürme neu gestrichen werden, als auch das Gebälk der Stiftskirche überprüft, um auch dort aufgetretene Schäden auszubessern. Noch zu keinem Ergebnis sind wir bezüglich des Glockenstuhles gekommen. Denn eines ist sicher: Es gibt wohl keine anderen Kirchtürme in der Diözese Passau, deren Glocken so oft und so lange läuten wie die in der Stiftspfarrkirche. Deswegen wird überlegt, den schadhaften Glockenstuhl aus Eisen, der aufwändig renoviert werden müsste, durch einen Glockenstuhl aus Eichenholz zu ersetzen, weil dieser weitaus schonender für das Mauerwerk der beiden Kirchentürme wäre.
Und die Anbetungskapelle?
Metzl: Interessanterweise ist die Anbetungskapelle das einzige Gebäude auf dem Kapellplatz, das nicht an der Fernwärme angeschlossen wurde. Weil das Heizungssystem nach 20 Jahren immer wieder Anfälligkeiten aufweist, soll dies nun erneuert und an die Fernwärme angeschlossen werden. In dem Zusammenhang wird auch eine Ringheizung in das untere Mauerwerk eingebaut werden, um so für die Anbeterinnen und Anbeter, die sich ja oft viele Stunden – auch und gerade in der Nacht – in der Anbetungskapelle vor dem Allerheiligsten zum Gebet aufhalten, ein besseres Raumklima zu schaffen. Darüber hinaus nutzen wir die Renovierungszeit, um das Beleuchtungssystem in der Anbetungskapelle zu optimieren.
Foto: Roswitha Dorfner
Welche Entwicklung erwarten Sie bei der Wallfahrt in den nächsten Jahren?
Metzl: Nach den Einbrüchen des Wallfahrtswesens aufgrund der Covid-19 Pandemie haben sich zwischenzeitlich die Wallfahrten wieder gut stabilisiert und neu organisiert. Dabei stellen wir einen gewissen Wandel fest: So hat beispielsweise die traditionelle Sternwallfahrt der Legio Mariä am Pfingstmontag eine junge Wallfahrtsleitung erhalten, so dass sie mit neuem Schwung und beachtlichen Zuwächsen vor allem junger Pilgerinnen und Pilger nach Altötting kommt. Ähnliches gilt für die älteste und längste Eintageswallfahrt von Landshut nach Altötting. Oder ein anderes Phänomen: Die großen Wallfahrten der Landsmannschaften, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit vielen Pilgerinnen und Pilgern in ihren angestammten Trachten zur Gnadenmutter gekommen sind, werden verständlicherweise immer weniger. Andererseits führen die aktuellen politischen Gegebenheiten zum Aufblühen neuer großer Wallfahrten. So haben sich die Wallfahrten der Kroaten und der Ukrainer zu beachtlichen Größen entwickelt.
Welche Entwicklungen planen Sie in der Infrastruktur der Wallfahrt?
Metzl: Aufgrund der Tatsache, dass sich immer mehr Einzelpilger und Kleingruppen auf dem Weg nach Altötting machen, um Antworten auf ihre Lebensfragen und ihrer Sinnsuche zu finden, genügt es nicht mehr, die traditionellen Angebote, wie die Feier von Gottesdiensten, das Sakrament der Beichte, die Weihe von Andachtsgegenständen etc. anzubieten, sondern es muss auf die neuen Herausforderungen mit einer neuen Kultur des Willkommen-Seins geantwortet werden. Dazu gehört auch eine Struktur, in der sich beispielsweise Familien oder Erstkommuniongruppen aufhalten können, wo sich Radpilger umkleiden und ihre E‑Bikes aufladen können. Dazu gehören Toilettenanlagen und die Möglichkeit sich an Tischen niederlassen zu können, um die mitgebrachte Brotzeit anständig verzehren zu können. Solche Strukturen, die die Aufenthaltsqualität steigern, gibt es an jedem größeren Wallfahrtsort. In Altötting ist das ein schmerzhafter Mangel, auf den wir schnellstmöglich eine gute Antwort geben möchten.
Zum Abschluss: Was wünschen Sie den Menschen für das neue Jahr?
Metzl: Ich wünsche sowohl den Gläubigen im Pfarrverband Altötting als auch den Pilgerinnen und Pilgern aus nah und fern, dass wir die Herausforderungen des neuen Jahres gut aufnehmen können und gemäß des diesjährigen Wallfahrtsmottos – „Transitus“ – die unausweichlichen Übergänge, die auf uns persönlich, auf unsere Familien und auf die Gesellschaft im Kleinen wie im Großen zukommen werden, rechtzeitig erkennen und zukunftsorientiert beantworten. Was wir dazu brauchen ist ein lebendiger Glaube, der Segen Gottes und der beständige Schutz Unserer Lieben Frau von Altötting.
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter



