Am Hochfest Patrona Bavariae am 1. Mai hat der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl gemeinsam mit Passaus Bischof Stefan Oster SDB die Altöttinger Wallfahrtssaison offiziell eröffnet. In seiner Predigt in der St. Anna-Basilika rief Erzbischof Gössl zu Hoffnung und Zuversicht auf.
„Die Muttergottes hat uns zusammengeführt – es ist ihr Festtag“, stellte Erzbischof Gössl in seiner Begrüßung fest. Ein sehr schöner noch dazu: Wie in den Jahren zuvor, lachte auch heuer die Sonne vom Himmel. Mit einem Augenzwinkern sagte Gössl, dass es vielleicht „ein bisschen gewagt“ sei, ausgerechnet einen fränkischen Bischof zu diesem Festtag ins „Herz Bayerns“ einzuladen. „Aber ich komme immer wieder gerne hierher“, erklärte der Erzbischof, der schon als Weihbischof desöfteren die Bamberger Pilgerfahrt nach Altötting begleitet hatte; zuletzt war er als Erzbischof im September vor zwei Jahren dabei – auch für heuer im September kündigte er sein Kommen an. Gössl verwies auf das Gnadenbild, das Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl gerade in einer feierlichen Prozession in die Basilika getragen hatte. Es strahle eine „innige Verbindung von Himmel und Erde, von Gott und Mensch“ aus. „Wenn wir zu Maria kommen, dann führt sie uns immer zu Jesus Christus, sie führt uns zusammen“, stellte Gössl fest. Maria, „Urbild der Kirche“, helfe uns, besser Kirche zu sein.
Am Ende seiner Predigt griff der Bamberger Erzbischof diesen Gedanken erneut auf: „Mit Maria dürfen wir vertrauensvoll den Weg des Glaubens beschreiten, erfüllt mit Hoffnung und Zuversicht“, erklärte er. „Mag auch so manche Party auf dieser Erde zu Ende gehen – das Fest des Himmels ist unsere Zukunft!“ Schon heute in dieser Feier dürften die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes in der voll besetzten Basilika an diesem „Fest im Himmel“ teilhaben.
Das Bild der zu Ende gehenden Party bezog Gössl auf das Evangelium von der „Hochzeit zu Kana“ (Joh 2, 1 – 11), bei der der Wein ausging; vor allem aber auf die „Stimmungslage in unserem Land“: „Die fetten Jahre sind vorbei – die Party ist zu Ende“, stellte er eingangs seiner Predigt fest. Tatsächlich müssten sowohl die Gesellschaft als auch die Kirche von „so viel Gewohntem und Gutem Abschied nehmen“. Mit Blick auf globale Verschiebungen, „angestoßen von Kriegen, Klimaveränderungen, Fluchtbewegungen und technischen Entwicklungen wie der Künstlichen Intelligenz“ stellte der Prediger fest: „Das Leben scheint härter zu werden und die Ungerechtigkeiten immer größer. Wenig rosige Aussichten, wo man auch hinschaut.“
Hochfest Patrona Bavariae am 1. Mai 2026 in Altötting – Impressionen
Und doch gibt es laut Erzbischof Gössl gute Gründe, zuversichtlich zu bleiben. Die katholische Soziallehre gebe uns „wertvolle Hinweise“, wenn es darum geht, Politik, Gesellschaft und Kirche angesichts der aktuellen Herausforderungen zu ordnen. Entscheidend aber sei vor allem die Grundlage, auf der die Soziallehre fußt: der Glaube an einen dreieinigen Gott, der uns „trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen immer wieder das Gute zutraut“ und uns „die Gestaltung der Welt anvertraut“. Maria habe sich ganz Gott anvertraut: „Was er (Jesus) euch sagt, das tut!“, zitierte Gössl die Worte der Gottesmutter aus dem Evangelium. Diese Grundhaltung, „dieser Glaube kann zu einer unerschöpflichen Energiequelle werden, wenn es darum geht, die Probleme dieser Welt und unseres Lebens anzugehen und zu lösen“, betonte er. Maria lehre uns den „größeren, den österlichen Blick“ auf den wiederauferstandenen Christus. „Darum geht für uns die Welt nicht unter, auch wenn noch so vieles bedrohlich aussieht“, stellte der Erzbischof fest.
Solisten, Kapellchor und Orchester unter Leitung von Stiftskapellmeister Stephan Thinnes sorgten mit Joseph Haydns „Nicolaimesse“ für eine beeindruckende musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Eingangs begrüßte Kapuzinerpater Br. Marinus Parzinger mehrere Pilgergruppen, Vereine und Verbände mit ihren Fahnenabordnungen, Pilgerbetreuerinnen und Pilgerbetreuer, Pfadfinder und Pfadfinderinnen sowie zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer auf K‑TV; außerdem als Ehrengäste MdL und CSU-Generalsekretär Martin Huber, den stellvertretenden Landrat Konrad Heuwieser, Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen und Stellvertreterin Christine Burghart, zahlreiche Stadträte, MC-Präfekt Stefan Burghart sowie Pfarrgemeinderatsvorsitzende Luise Hell und weitere Mitglieder kirchlicher Gremien.
Am Ende des Gottesdienstes stellte Bischof Stefan Oster den neuen stellvertretenden Wallfahrtsrektor und neuen Prior im St. Magdalenakloster, Paulinerpater Paul Binkowski, offiziell vor, und dankte ihm „von Herzen“, dass er nach Altötting kommt.
Ebenso dankte Bischof Oster den „Schwestern und Brüdern in Blau“ für „ihren kostbaren Dienst“. Mit Bernhardine Jetzlsperger sowie den erst kürzlich getauften Brüdern Kristian und Oresti Qokaj sandte er drei neue ehrenamtliche Pilgerbetreuer aus, die am Kapellplatz in ihrem blauen Outfit gut zu erkennen sind und Pilgern mit Tipps, Rat und auch seelsorglichen Gesprächen zur Seite stehen. Fünf Pilgerbetreuerinnen und ‑betreuern überreichte Oster eine Urkunde für ihren langjährigen Dienst und sprach ein Segensgebet.
Nach dem Gottesdienst zog eine feierliche Prozession hinauf zur Gnadenkapelle. Anschließend fand ein Empfang im Rathaus statt, wo sich Erzbischof Gössl in das „Goldene Buch“ der Stadt eintrug. Bürgermeister Stephan Antwerpen betonte das gute Miteinander von Stadt und Kirche am Wallfahrtsort. Erzbischof Gössl wiederum bestätigte, dass sich die Bamberger Wallfahrer hier „immer gut aufgenommen, wertgeschätzt und – auch seelsorglich – begleitet“ gefühlt hätten. Da an diesem 1. Mai auch die neue Wahlperiode begann, nutzte der Bürgermeister die Gelegenheit, den teils anwesenden alten und neuen Stadträten „die Hand auszustrecken“, um in respektvoller und konstruktiver Zusammenarbeit die Stadt weiterzuentwickeln. Erzbischof Gössl griff diese Geste auf und betonte, dass auch die Kirche nicht nur nach oben blicke, betonte aber, dass gerade dieser Blick nach oben viel Kraft geben könne, um wieder neu anzupacken. Er wünschte den Verantwortlichen viel Kraft, Mut und Geduld im Miteinander, damit „Altötting der wunderbare, liebenswerte und gastfreundliche Ort bleibt, wie wir ihn kennen“. Bürgermeister Antwerpen betonte die Bedeutung des 1. Mai für den Wallfahrtsort und wies mit Bezug auf die Begrüßung des Erzbischofs in der Basilika augenzwinkernd darauf hin, dass der Festtag Patrona Bavariae „für ganz Bayern und damit auch für Franken“ gelte. Gössl erklärte, dass gerade diese Vielfalt, die bayern-internen Unterschiede und die Reibungswärme eine echte Bereicherung seien.
Nachmittags fand eine festliche Vesper in der Stiftspfarrkirche mit Bischof Oster statt, die von der Schola Autingensis musikalisch gestaltet wurde; abends eine erste Maiandacht in der Stiftspfarrkirche mit Stadtpfarrer Prälat Klaus Metzl, musikalisch gestaltet von der Altöttinger Hofmusik. Nach der Maiandacht zogen Pilger in einer feierlichen Lichterprozession über den Kapellplatz.



