Foto: Michael Glaß
In einem Pontifikalamt am 16. November hat sich Bischof Stefan Oster SDB bei Beterinnen und Betern dreier Gebetsgemeinschaften im Bistum bedankt – und festgestellt, dass es beim Gebet um sehr viel mehr geht als allein um Innerlichkeit.
Nach und nach füllt sich die Pfarrkirche St. Rupertus; rund 200 Besucher werden es an diesem Sonntagvormittag sein. Nicht alle kommen pünktlich zum Rosenkranzgebet. Der Weg zur Kirche auf der Anhöhe über der Marktgemeinde Tüßling ist für jene, die nicht aus der Gegend sind, gar nicht so leicht zu finden. Das Panorama ist eindrucksvoll. Gerade jetzt, als Sonnenstrahlen durch den Nebel scheinen und den Blick auf den nördlichen Landkreis Altötting freigeben.
Pünktlich müssen Beter gar nicht unbedingt sein. Sehr viel wichtiger ist, dass sie sich „substanziell Zeit nehmen“, wie es Bischof Oster in seiner Predigt formuliert. Nicht mal eben so nebenher beten, sondern bewusst – darum geht es. Das ist auch für den „ersten Beter im Bistum“ nicht immer so einfach, wie der Bischof frei heraus einräumt. Aber es lohne sich: „Wir finden auf diese Weise in den Frieden, der kommt und der bleibt.“
Die Predigt von Bischof Stefan Oster SDB zum Nachhören
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Zwei Aspekte hebt der Bischof in seiner Predigt hervor: Den inneren, wahren Frieden – und außerdem die Demut. „Jesus war der Aller-Demütigste“, stellt Oster fest, und in dem wir selbst zur Demut finden, könnten wir ihn „berühren“. Gott sei bereits da, in jedem von uns, betont der Bischof. Und er führe uns in „ein Leben, das tiefer ist als alles, was uns die (vergängliche) Welt zu geben hat“. Es sei die „Berührung mit der Stille“, die das Gebet trage. Und außerdem das Vertrauen auf das „neue Leben“, das Jesus uns verheißen hat – und gegen das sich die „vergängliche Welt“ immer wieder zur Wehr setze, wie Bischof Oster mit Verweis auf das Tagesevangelium vom „Anfang der endzeitlichen Not“ (Lk 21, 5 – 19) und mit Blick auf vergangene und gegenwärtige Christenverfolgungen feststellt. Nicht nur in dieser Hinsicht sei es wichtig, das Wort Gottes in der Bibel nicht nur zu lesen und zu kennen, sondern es sich im Gebet wirklich nahegehen zu lassen.
Letztendlich aber gehe es beim Beten „nicht nur um Innerlichkeit“, betont Bischof Oster. Vielmehr gehe es darum, Zeugnis zu geben, „dass Gott in der Welt gegenwärtig ist“; dass er jetzt hier ist, in jedem von uns. „Substanzielles“, also bewusstes Beten führe ganz automatisch zu mehr Achtsamkeit „für die Not anderer“, zu mehr Sensibilität, zu mehr Geduld „auch mit Nervensägen“, dazu, dass Beterinnen und Beter zu besseren Zuhörern werden.
Betertreffen – Impressionen
Ausdrücklich dankt Bischof Oster am Ende seiner Predigt den Beterinnen und Betern. Das Dankesfest gilt drei Gebetsgemeinschaften im Bistum: Der Initiative „10 für 10“, die dazu animiert, täglich zehn Ave Maria für die zehn Dekanate im Bistum Passau zu beten – der 24/7‑Bewegung, die sieben Tage pro Woche 24 Stunden lang an 365 Tagen im Jahr eine Eucharistische Anbetung in der Barbarakapelle am Domplatz in Passau ermöglicht – und dem „Päpstlichen Werk für geistliche Berufe“, kurz PWB, das sowohl persönlich als auch in Gemeinschaft speziell für geistliche Berufungen in der Kirche betet. Gefördert werden diese Initiativen vom Referat für Neuevangelisierung und der Berufungspastoral des Bistums Passau, die auch zum Dankesfest eingeladen haben.
Herzlich empfangen werden die Beterinnen und Beter von den Mitgliedern der Pfarrei St. Rupertus und ihrem Pfarrer Hermann Schächner; von Tüßlings Zweiter Bürgermeisterin Carolin Auer und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Magdalena Wenninger. Viele Fahnenabordnungen ziehen ein zum Gottesdienst, der von Kantorin Alexandra Kurnoth und Organistin Annemarie Oberhuber eindrucksvoll musikalisch gestaltet wird. Der angekündigte „Stehempfang mit Fingerfood und Möglichkeit zur Begegnung“ im Pfarrheim entpuppt sich als üppiges Mittagessen mit gern genutzter Gelegenheit zu geselligem Beisammensein und Austausch.
Während des Gottesdienstes segnet Bischof Oster einen neuen Kelch für die Pfarrkirche, die innen glänzt – und außen gerade renoviert wird. Von einer „Dauer-Baustelle Kirche“ spricht daher Bischof Oster eingangs des Gottesdienstes mit einem Augenzwinkern.
Ob Baustelle oder nicht – Kirche sei „da, um dafür zu sorgen, dass das Licht, das Jesus bringt, durch uns in der Welt lebendig wird“, wie es Bischof Oster in seiner Predigt formuliert. Und ihm nach haben Beterinnen und Beter daran einen wesentlichen Anteil.



