Foto: Verena Mautner
Ortsmittelpunkt und Rückzugsort: Dorfgemeinschaft von Kapfham feierte 75-jähriges Bestehen ihrer Dorfkapelle. Redner würdigen den großen Zusammenhalt der Bevölkerung.
Die „Mariä-Himmelfahrts-Dankkapelle“ ist der geistliche Mittelpunkt der in Kapfham lebenden Bürger. Seit 75 Jahren treffen sie sich dort zu Andachten, Messfeiern, Maiandachten, Rosenkränzen, zum traditionellen „Frauentragen“ im Advent oder auch zu einem stillen Gebet. Das kleine Kirchlein wird von der Dorfgemeinschaft eifrig gepflegt, immer wieder renoviert und liebevoll geschmückt. Mit einem Jubiläumsgottesdienst und einem geselligen Dorffest haben die Kapfhamer Dorfbewohner dieses 75-jährige Bestehen ihres Schmuckstücks gebührend gefeiert.
Karl Schießl – dieser Name ist untrennbar mit dieser Kapelle verbunden. „Da Stola“, wie Karl Schießl dem Hausnamen nach nur genannt wurde, war ein einfacher Bauer, der während des 1. Weltkrieges als Soldat in einer Sanitätskompanie das grausame Elend dieses Krieges hautnah miterleben musste. Er gelobte, dass er bei einer glücklichen Heimkehr mit all seinen Kräften der Muttergottes eine Gedenkstätte errichten werde. Nachdem er dem Krieg tatsächlich lebendig entrinnen konnte, gab schließlich das Jahr 1937 einen ersten Anstoß zur Erfüllung dieses Gelübdes. Damals musste nämlich die Kellberger Pfarrkirche renoviert und die Maiandachten damit in den einzelnen Dorfkapellen abgehalten werden. In Kapfham wiederum war es Karl Schießl, der aufgrund einer fehlenden Dorfkapelle sofort seinen Getreideboden reinigte und dort dann einen kleinen Muttergottesaltar aufbaute.
1950 machte Schießl schließlich einen weiteren Vorstoß zum Bau einer eigenen Dorfkapelle und der führte dann auch zum Erfolg. Die grundlegende Basis dafür war zunächst das Grundstück, das die Kapfhamer Bäuerin Maria Maier für den Bau zur Verfügung stellte. Am 15. Februar 1951 wurde der erste Baustein gesetzt. Dank vieler helfender Hände der Kapfhamer Dorfbewohner und fleißiger Handwerker, die Arbeiten ohne Lohnforderungen ausführten, war bereits am 30. April 1951 der Rohbau fertig. Die neue Kapfhamer Dorfkapelle konnte für Andachten und Messfeiern fast 70 Sitzplätze anbieten. So ganz im Sinne ihres Initiators Karl Schießl wurde sie dann auch „Mariä-Himmelfahrts-Dankkapelle“ benannt.
Viele Renovierungsarbeiten über die Jahre hinweg waren immer wieder getragen von einer beeindruckenden Solidargemeinschaft der Kapfhamer Dorfgemeinschaft. Koordiniert wurden diese vom Kapellenausschuss mit den Mitgliedern Johannes Schiermeier, Franz Stockbauer, Max Fuchs, Irmgard Bauer, Monika Haslbeck, Angela Furtner, Hans Stockbauer, Josef Altendorfer, Manfred Kronawitter, Artur Wandl und dem langjährigen Vorsitzenden Walter Fisch sowie mit dem unermüdlich antreibenden derzeitigen Vorsitzenden Alois Altendorfer. „Eigentümerin dieser liebevoll renovierten und wunderschönen Kapelle ist zwar die Gemeinde“, so wandte sich Alois Altendorfer mit einem Seitenblick an den anwesenden Bürgermeister Franz Mautner, „aber bisher hat diese Kapelle die Gemeinde fast noch nichts gekostet. Ich bin mir sicher, du würdest dir noch mehrere solche Projekte wie unsere Kapelle wünschen, denn wir Kapfhamer reden nicht bloß, sondern wir packen auch kräftig mit an.“
Mit einem feierlichen Gedenk- und Dankgottesdienst wurde dieses Jubiläum eingeläutet, dem mit 135 Besuchern in der Kapelle und auch davor an den Lautsprechern neben den Bischöflich Geistlichen Räten i.R. Alois Anetseder und Herbert Oberneder fast die komplette Dorfgemeinschaft beiwohnte. Zelebriert wurde dieser beeindruckende Gottesdienst von Pfarrer Andreas Erndl, der die Kapelle als zentralen Rückzugsort für persönliche Gebete und für ganz persönliche Anliegen an die Muttergottes bezeichnete. In seiner Predigt ging Andreas Erndl auch noch auf die Bedeutung Mariens im Glauben ein, indem er sie als Wegweiserin für alle Glaubenden auf dieser Welt in ihren Nöten und Sorgen bezeichnete.
In seinem Grußwort gratulierte Bürgermeister Franz Mautner der gesamten Dorfgemeinschaft von Kapfham zu dem beispielhaften Zusammenhalt und auch zum stolzen Zustand der Kapelle. Seinen ganz besonderen Dank sprach er noch dem rührigen und verantwortungsvollen Kapellenverein aus.
Fortan aber wurde im vom DJK-SV Kellberg aufgestellten Festzelt mit einer reichen Speisen- und Getränkeauswahl sowie bei einem verlockenden Kuchenbuffet der Kapfhamer Frauen gesellig gefeiert.
Text: Franz Stangl

