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Ich weiß, dass Du immer auf mich aufpasst
Ich weiß, dass Du immer auf mich aufpasst
Ich weiß, dass Du immer auf mich aufpasst
Abschied nehmen von einem geliebten vierbeinigen Freud: Jeder tut das auf seine ganz persönliche Weise. Oft dauert es lange, bis es gelingt, mit dem Schmerz umzugehen. Ein Brief ist eine schöne Möglichkeit, sich an gemeinsam erlebtes Glück zu erinnern und den Moment des Verlustes bewusst zu gestalten.
 
Liebe Mama, ich finde, Du solltest das lesen. Mir hat es so geholfen, das zu schreiben. Und vielleicht hilft es Dir ja auch, wenn Du das liest.“ – Mit diesen Worten beginnt ein sieben Seiten langer Brief, den die 14-jährigen Katharina aus Breitenberg verfasst hat. Die Zeilen zu Papier zu bringen, hat ihr in einem für sie unendlich schwierigen Moment sehr geholfen. 
Ausführlich beschreibt die Schülerin ihre gemeinsame Zeit mit ihrem Pferd „Mary“. Sie schreibt sich den Schmerz von der Seele, denn nach wunderbaren gemeinsamen Jahren ist die Haflingerstute mit 26 Jahren friedlich auf der Weide eingeschlafen – für immer. Wer den Brief liest, der erkennt sofort, wie schwer es für Katharina ist, sich ein Leben ohne ihre vierbeinige Freundin vorzustellen, die so viel mehr für sie war als „nur irgendein Tier“. Sie war eine Begleiterin, ein Seelentröster, eine Vertraute. Doch Katharinas Brief erzählt nicht nur von ihrer Trauer, sondern auch von der tiefen Zuneigung, die sie immer mit „Mary“ verbinden wird, ganz gleich, was kommt; und davon, wie diese Nähe ihr dabei hilft, den Schmerz wenigstens ein wenig zu überwinden. 
Paula und Paul haben die Zeilen lesen dürfen. Da auch sie ihre Haustiere über alles lieben, können sie sich vorstellen, wie es Katharina geht. Und sie sind sich sicher, dass auch viele andere Menschen so empfinden, wenn sie von einem Wesen, das ihnen nahe war, Abschied nehmen müssen. Aus diesem Grund haben sie Katharina gebeten, einen Teil des Briefes im Bistumsblatt veröffentlichen zu dürfen – auch, um anderen Mut zu machen, beim Verlust eines Vierbeiners zum Füller oder zum Bleistift zu greifen. Denn es hilft so sehr. Hier kommt in Auszügen die Geschichte von Katharina und Mary.
Katharina ist schon von klein auf eine Pferdefreundin. Sie lernt Mary, das Schulpferd, im Reitstall kennen, wo ihre Mutter einmal pro Woche zum Reiten hingeht. Als die alte Haflingerstute gemeinsam mit dem Painthorse-Fohlen Nayeli auf dem Hof, auf dem Katharina lebt, ein neues Zuhause bekommt, ist das Pferdeglück des Mädchens perfekt. 
„Nach drei Monaten Stall bauen ist es so weit: Am 1. Advent kommen die beiden Pferde zu uns. Endlich! Sie werden aus dem Hänger ausgeladen und sehen das erste Mal ihr neues Zuhause. Und was macht Mary? Sie sucht sofort nach den Grashalmen, die unter der Schneedecke versteckt sind. Typisch Mary, der alte Staubsauger!
Am Anfang darf ich immer wieder auf Mary sitzen, striegle sie, führe sie bei Spaziergängen. Doch irgendwann kommt der Moment: Ich darf das erste Mal auf ihr reiten. Ich komme mir vor wie ein echtes Cowgirl. Dem alten Pferd gefällt es bei uns. Lauter Menschen, die sie lieben und schätzen, die sie striegeln und sich um sie kümmern. Sie ist so aufgeblüht! Und sie passt immer auf mich auf. Wenn ich doch einmal runterfalle, bleibt sie sofort stehen und man merkt ihr an, dass es ihr leid tut, obwohl sie nichts dafür kann.
Die Zeit vergeht. Wir werden älter und mittlerweile ist es für mich kein Problem mehr, ohne Sattel zu galoppieren. An einen Abend erinnere ich mich noch ganz besonders: Wir reiten über ein Feld. Die Sonne ist grad am Untergehen. Der Himmel ist rot-orange gefärbt. Auf der Wiese sitzt ein Schwarm Krähen. Und mitten durch diesen Schwarm galoppiert ein kleines Mädchen mit ihrem kleinen Haflinger ohne Sattel hindurch. Wir waren so frei! Ich weiß, das ist total kitschig, aber es war der Wahnsinn!
Einmal war ich traurig. Ich weiß den Grund nicht mehr, aber ich glaube, ich hatte mich mit Mama gestritten. Der einzige Ausweg: Ganz klar – zu den Pferden! Es war schon immer so, dass Mary gemerkt hat, wenn ich traurig bin. Auch diesmal gehe ich einfach nur zu ihr und streichle sie. Als ich mich wieder beruhigt habe, will ich eigentlich wieder gehen. Doch als ich die Tür schließen will, stupst Mary immer wieder dagegen, so lange, bis ich nur noch lachen muss. Ich bin ganz sicher: Mary ist ein kleines Pony, dessen Herz größer ist als der größte Planet. 
So Mary, das geht jetzt direkt an Dich: Du bist zwar jetzt tot, aber das bedeutet noch lange nicht, dass du weg bist. Ich bin mir sicher, dass du da, wo du jetzt bist, genau so glücklich bist wie bei uns. Ich glaube, du würdest nicht wollen, dass man um dich weint, sondern dass man dich einfach so in Erinnerung behält, wie man dich kannte. Und ich verspreche dir, das werde ich. Und ich bin mir sicher: Wenn ich mit dir rede, dann hörst du das auch. Ich bin so dankbar für die fünf Jahre, die wir miteinander hatten. Ich werde die vielen schönen Momente mit dir nie vergessen: dein Wiehern, deinen Geruch, das alles.... 
Ich habe mir im Bett oft vorgestellt, wie es sein würde, wenn du einmal stirbst, da ich immer dachte, dass wir irgendwann einen Tierarzt anrufen müssen, der dich erlöst. Umso glücklicher bin ich, dass du in Ruhe bei uns zu Hause auf der Koppel eingeschlafen bist. Du warst das beste erste Pferd, das man sich wünschen kann. Ich liebe Dich!
Die nächsten Tage werden bestimmt schwierig, doch ich weiß, dass du immer auf mich aufpasst. Du bist und bleibst mein kleiner Teddy."
 
Von Katharina Krinninger und Barbara Osdarty
Foto: Tamara Kern


Autor: Wolfgang Krinninger
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