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Mehr Zeit fürs echte Leben
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Kommentar. Was! Ihr wollt Journalisten sein und seid weder bei Facebook noch bei Twitter noch bei Xing? Michael Geffken von der Leipzig School of Media konnte es kaum fassen. Er erklärte uns Kirchenzeitungsleuten bei einer Tagung, wo die mediale Reise hingeht, was stirbt und was gerade cool ist. Das war vor etwa acht Jahren. 
Recht hat er, dachte ich mir damals, und legte zaghaft los im ungewohnten Terrain der Sozialen Netzwerke. Schnell lernte ich vor allem Facebook schätzen. Hunderte Bilder von Hühnern, Bergen, Motorrädern, Schwammerln und fliegenden Basketbällen habe ich hochgeladen, nebst kurzen Kommentaren oder auch mal längeren Texten über Gott und die Welt, über quälende Mountainbike-Touren und kurvenreiche Motorradausflüge, über Familienabenteuer und Heimatgefühle. Im Gegenzug ließen mich meine mittlerweile rund 800 „Freunde“ ein wenig teilhaben an ihrer Welt und ich stierte oft überrascht, lächelnd oder kopfschüttelnd auf mein Handy oder den Computerbildschirm. Daneben etablierte sich das Soziale Netzwerk bald auch als Umschlagplatz für berufliche und private Lieblingsthemen von Kirche über Sport bis hin zu Literatur und Journalismus. 
Doch Facebook hat sich verändert. Dass ich immer mehr Werbung angezeigt bekomme, weil Facebook-Gründer Mark „Dagobert“ Zuckerberg noch immer milliardengroße Hohlräume in seinem Geldspeicher vermutet – sei‘s drum. Mit seinem Reichtum muss er selber fertig werden. Dass sich die Algorithmen ständig ändern und ich kaum Einfluss habe auf das, was mir gezeigt wird und was nicht – hat mich noch nie sonderlich gestört. Nur eines mag ich nicht mehr akzeptieren: Das Gift wird immer mehr auf diesem Kanal. Bilder und Texte mit nur einem Zweck: Wut zu schüren. Falschmeldungen, die millionenfach geteilt und damit weiterverbreitet werden, Panikmache, bitterböse, blöde, entwürdigende Kommentare – das Böse breitet sich aus und kriecht wie ein Nebel des Grauens durch die Nutzerprofile. Und ich merke immer öfter, wie ich mich mitreißen lasse, selber zornig werde, sofort Kommentare abgeben, widersprechen will. Ich lasse mich reinziehen in dieses Gewürge – und verdorben ist der Tag, die Stunde, der Augenblick. 
Ich mag das nicht mehr. Ich ignoriere diese Plattform und schau wieder öfter den Wolken nach. Ändern werde ich dadurch nichts. Aber ich werde auch nicht verändert, nicht angesteckt und vergiftet in einer digitalen Schmutzwolke. Und wer weiß, wie sich diese Auszeit auswirkt? Ein paar Minuten mehr im richtigen Leben. Gewonnene Zeit. Ganz analog. Greifbar, fühlbar, ungefiltert. Zum Nachdenken und Träumen, zum Reden und Zuhören, zum Staunen und Lächeln über das Wunder, das sich Leben nennt. 
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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