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Alt – und doch ewig jung
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Alt – und doch ewig jung
Kommentar. Kennen Sie die Sendung „Bares für Rares“? Gelegentlich kommt man da ganz schön ins Staunen, wenn Leute vor laufender Kamera ihren Familienschmuck, den sie von Mutter oder Großmutter überlassen bekommen haben, versilbern – nur um mit dem erzielten Gewinn „einmal schön Essen zu gehen“. Natürlich ist es Privatsache, was Kinder oder Enkelkinder mit dem Erbe tun. Zum Glück aber gibt es auch Menschen, die Altes in Ehren halten, zum Beispiel Immobilien. Wir alle können uns daran erfreuen am „Tag des offenen Denkmals“. Auch in unserem Bistum öffnen sich am Sonntag, 9. September, wieder Türen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind (siehe Seite 15). 
„Entdecken, was uns verbindet“ heißt das Motto 2018. Kelten und Römer, Mönche und Adelige, Architekten und Wanderarbeiter: Sie alle prägten die Kulturlandschaft Europas. Der „Tag des offenen Denkmals“ stellt die verbindenden Elemente Europas in den Fokus.
Nein, mit verklärter „guter alter Zeit“ hat die Wertschätzung von Denkmälern nichts zu tun. Zumal es die „guade oide Zeit“ eh nicht gegeben hat. Freilich, Menschen lebten früher stärker im Einklang mit der Natur, im Rhythmus des kirchlichen Jahreskreises. Aber der „oid‘n Zeit“ generell nachtrauern? Lieber nicht! 
Ein Blick in die Sterbematrikel unserer Pfarreien zeigt, dass Kinder damals an Krankheiten gestorben sind, die man heute – gottlob – gar nicht mehr kennt. Oder was soll daran gut gewesen sein, Männer millionenfach für Kriege zu rekrutieren? Ohnmächtig den Mächtigen ausgeliefert! Und gut war es auch nicht, wenn Frauen Jahr um Jahr ein Kind bekamen, von der vielen Arbeit in Haus, Hof und auf dem Feld zusammengeschunden waren, und das schwere Leben oft ohne Geld meistern mussten, weil der Mann nicht am Wirtshaus vorbeigehen konnte.
Genauso wenig widerspruchsfrei wäre es, generell von einer „guten neuen Zeit“ zu sprechen. Denn auch Freiheit bringt Unfreiheit mit sich. Oder was soll daran toll sein, wenn Kinder (und Erwachsene) Therapeuten aufsuchen müssen, weil sie die meiste Zeit des Tages ihr Smartphone nicht aus der Hand legen können?
Schön, dass es Menschen gibt, die Altes bewahren. Wer auf ein historisches Gebäude achtet, lebt nicht in, sondern mit der Vergangenheit. Dieses Fundament trägt ihn durch Gegenwart und Zukunft. 
Baudenkmäler sind oft die einzigen Wegweiser ins Damals. Schwer hatten sie es schon immer. Sogar Bayerns Märchenkönig Ludwig II. hatte gewünscht, dass die von ihm erbauten Schlösser nach seinem Tod abgerissen werden sollten. Aber schon sechs Wochen nach seiner Beisetzung wurden die Stein gewordenen Illusionen des Monarchen zur Besichtigung freigegeben. Das Volk strömte vom ersten Tag an hin. Wenn es seinen König schon kaum mehr zu Gesicht bekommen hatte, wollte es nun wissen, wie er geträumt hatte. 
Mit Königlichem können wir am „Tag des offenen Denkmals“ in unserem Bistum zwar nicht aufwarten – dafür aber mit so manchen Schätzen, die nicht einmal der Märchenkönig hatte. 
 


Autor: Werner Friedenberger
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