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Gott begegnen
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Kommentar. Endlich ist es soweit: Die Sommerferien haben begonnen – Urlaubszeit. Und für viele heißt das vor allem: Raus aus dem stressigen Alltag und rein in die Erholung. In der Theorie zumindest. Die Praxis sieht dann oft ganz anders aus. Denn gerade in der „schönsten Zeit des Jahres“ ist manch einer weit davon entfernt, Ruhe zu finden, um Kraft zu tanken. 
Schon die Vorbereitungen haben es in sich: In der Arbeit noch dies und das erledigen, damit auch ja alles gut weiterläuft, einen Berg Koffer packen und bloß nichts vergessen, mit Kind und Kegel auf ins Auto, den Zug oder das Flugzeug, Gejammere, Gequengle und immer die Sorge, ob daheim auch alle Fenster zu sind. Und dann, endlich, aufatmen. Kurz zumindest. 
Denn im Hotel wollen Mietautos gebucht, Ausflüge geplant und Aktivitäten organisiert werden. Und nun wird es bei manch einem, den sein Fernweh an ein paradiesisches Fleckchen Erde fern der Heimat getrieben hat, so richtig spannend: Vom Yoga hetzt man zum Aqua-Zumba, gibt auf dem Weg zum Surfunterricht noch schnell die Kinder im Mini-Club ab, dann folgt eine – natürlich fix geplante – halbe Stunde Erholung auf der Sonnenliege am Pool, um die man, denn es ist ja schon fast Mittag, natürlich erst einmal kämpfen muss. Nach dem Essen wird schnell noch der romantische Segelturn in den Postkarten-Sonnenuntergang gebucht, dann ab in die Dusche, Abendessen, Abfahrt. Irgendwann fallen alle todmüde ins Bett, doch der Wecker ist schon gestellt, denn morgen ist ja auch wieder ein Tag, der genossen werden will. 
Vom Balkon unseres kleinen Ferienzimmers aus sehe ich ihnen gern zu, den Unternehmungssüchtigen und Feierwütigen, immer auf der Suche nach einem neuen Event, einem besonderen Erlebnis, dem Kick... Wie sie sich plagen, um die Tage noch mehr zu füllen, um noch mehr Glück zu erleben, Momente, von denen sie dann das ganze Jahr lang zehren können... Doch mit dem Glück ist es so eine Sache: Denn Zufriedenheit lässt sich nicht organisieren, Liebe kennt keinen durchgetakteten Terminplan und Seelenfrieden kann man nicht am Schalter irgendeines Wellness-Ressorts buchen. 
Ich glaube, es ist nicht einmal primär die Vielzahl der geplanten Aktivitäten, die genau das verhindert, wonach die Menschen sich so sehr sehnen: die Entspannung, die Nähe, das Glück. Es sind vielleicht vielmehr die hohen Erwartungen, die mit der Zeit im Urlaubsparadies verknüpft sind. Alles muss perfekt, romantisch, schön sein. Dabei vergessen wir: Es sind meist die unvollkommenen Augenblicke, die noch ewig in Erinnerung bleiben, die einem ein Kribbeln im Bauch bescheren und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Immer wieder denke ich an die Umwege, die mir plötzlich ganz neue Perspektiven eröffnet haben, an die Regentage im Zelt, von denen wir alle so enttäuscht waren, und die uns, im Nachhinein betrachtet, doch so viel näher zusammengebracht haben, an all die Abenteuer und Begegnungen, die im Plan nicht vorgesehen waren. „Reisen ist Sehnsucht“ habe ich einmal gelesen, und Sehnsucht braucht eben auch Raum für das Unerwartete. 
Wenn ich so überlege, scheint es mir fast, als wäre es bei manch einem mit der Gottesbeziehung ähnlich wie mit dem Urlaub. Viele versuchen, spirituelle Erfahrungen zu planen, Gottesbegegnungen zu organisieren; und sind enttäuscht, wenn es nicht klappt. Dann geben sie verbittert auf. Ich kann das verstehen, denn warten, sich öffnen, und Dinge auch einfach einmal geschehen zu lassen braucht Mut, auch weil es keine Garantie gibt, dass es am Ende klappt;  das heißt aber nicht, dass man aufhören sollte, es zu versuchen!
 


Autor: Barbara Osdarty
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