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Der Pop-Kaplan spricht Klartext
Der Pop-Kaplan spricht Klartext
Der Pop-Kaplan spricht Klartext

Christian Olding will sein unbändiges Gottvertrauen zeitgemäß vermitteln

Altötting/Burghausen. Christian Olding ist 35 Jahre alt, ein junger schlaksiger Mann mit markanten Gesichtszügen, kahlrasiertem Schädel, schwarzer Brille. Ein bekennender Cineast. Und Priester. Ein Mann, der etwas zu sagen hat und auch weiß, wie man es anstellt, dass es bei den Leuten ankommt. Manche nennen ihn „Pop-Kaplan“, weil er schon in Emmerich, seiner ersten Stelle, Gottesdienste der etwas anderen Art gefeiert hat: mit bunten Scheinwerfern statt Neonröhren und Nebelmaschinen statt Weihrauch, mit hochprofessionell geschnittenen Youtube-Videos – und in vollbesetzten Kirchen. „Klartext, bitte!: Glauben ohne Geschwätz“, heißt das Buch, in dem er seine Geschichte erzählt. Im Bistum Passau stellte er es bei einem Begegnungsabend in Altötting – veranstaltet vom Jugendbüro, dem Dekanatsrat und der KEB Rottal-Inn-Salzach – und bei einer Lesung in Burghausen vor.  
Freundlich lächelnd begrüßt Olding die jungen und älteren Zuhörer, die zu seinem Vortrag ins Jugendbüro Altötting kamen. Die Dramaturgie des Abends ist einfach: ein kurzes Intro, der Sprung zur eigenen Lebensgeschichte und schließlich der Höhepunkt: wie es dazu kam, dass er als einfacher Dorfjunge den Beruf des Priesters ergriff. Stoff genug für einen Kinofilm. Doch das God-Movie endet vorerst nicht mit einem Happy End. 
Anders als in den Blockbustern im Kino erzählt Olding, wie es nach dem Abspann weitergeht und welche Visionen er für die Kirche hat. Es geht dabei auch um eine verstaubte Sprache, Floskeln und Phrasen, welche die meisten Gläubigen nicht mehr verstehen, es geht dabei auch um ein Umdenken bei Strukturen und Moral. Was gesetzt ist, ist der Glaube. Im Umgang damit seien Mut und Aufgeschlossenheit gefordert.
Aufgewachsen ist Christian Olding in einem kleinen niedersächsischen Dorf, einer katholischen Enklave in Norddeutschland, in dem der Sonntagsbesuch obligatorisch und das Kinderprogramm im Fernsehen keine Alternative war. Die Beichte vor Hochfesten war Pflicht, auch wenn er als Kind nicht immer wusste, was er zu beichten hätte. „Kirche war für mich immer eine bedeutungslose Veranstaltung, weil man mir nie erzählt hat, worum es geht“. 
Geändert hat sich seine Einstellung zu Kirche und Glauben mit der Selbsttötung des Vaters. Da war der Sohn 13 Jahre alt. Zuflucht und Trost suchte er im Gotteshaus. „Das übergroße monströse Kreuz hat mich gepackt, es hat mich angesprochen, weil ich da diesen Mann gesehen habe, dem es auch so dreckig ging wie mir.“ Die Kirche sei hier erstmals relevant geworden, weil er sich in seinen Gefühlen nicht mehr allein fühlte und ihnen ihren Lauf lassen konnte. Es folgten Zeiten schwerer Krankheit, Leistungsdruck in der Schule und Besuche beim Psychotherapeuten. Olding berichtet aber auch von ersten Erfahrungen als Priester. Trotz der teils harschen Worte fällt auf, dass er uneingeschränktes Vertrauen zu einem Gott hat, der ohne Vorbehalte liebt. Dies nimmt er zum Anlass, allen Menschen davon zu berichten – auf eine moderne, unkonventionelle Weise. 
Kommt der Geistliche auf die Institution Kirche zu sprechen, kommt der Kinomensch wieder durch. Er  vergleicht die Kirche mit dem Filmklassiker „Dinner for one“. Miss Sophie stelle die Kirchenbesucher dar, leicht veraltet. Ein Blick in einen üblichen Sonntagsgottesdienst biete genau dieses Bild: Senioren, welche die Plätze von hinten auffüllen und die besten Plätze vorne freilassen. Seit den 60er Jahren seien die Zahlen rückläufig und ein adäquates Handeln sei im katholischen Positivismus versäumt worden, kritisiert er. Butler James stelle den Priester dar, der seine Kraft für die 6 bis 9 Prozent der Kirchenbesucher investiere und den weiteren Gläubigen nicht gerecht werde. „In der freien Marktwirtschaft wäre das eine betrübliche Arbeitseinstellung“, so seine Aussage. „Für Blumenschmuck wird mehr ausgegeben als für Jugendarbeit“, so seine Beobachtungen. „Hier stellt sich die Frage, ob die Investition in tote oder lebendige Steine wichtiger ist.“
Auch die Predigten hätten häufig nichts mehr mit der aktuellen Lebensrealität zu tun. Die Autoindustrie habe es geschafft, ihren Markeninhalt durch die Zeit zu tragen. Die Kirche dagegen sei ein guter Film mit grottenschlechtem Marketing, so seine provokante These. Pfingstgemeinden haben einen starken Zulauf. „Ich frage mich, wie geht das auf katholisch?“  
Vielen mag es zu weit gehen, wenn er von „Pop-Gottesdiensten“ spricht, von Illuminationen, Lichteffekten, einer Leinwand hinter dem Altar, Aktionskunst oder Filmsequenzen. Doch genau damit ließen sich die Menschen und besonders die Jugend ansprechen. Auch die Musik sei elementar in seinen Gottesdiensten. Egal, ob auf Englisch oder Deutsch, es zähle die Botschaft, die transportiert werde: „Der Weg zu Gott lohnt sich!“ Dabei werde aber auch im unkonventionellen Gottesdienst keines seiner Elemente geopfert. Mit dramaturgischen Mitteln führe er auf das Hauptelement, die Eucharistie, hin. 
Auch Religionsunterricht müsse nicht immer starr nach Schema F stattfinden, auch wenn nicht mehr viel an Basiswissen vorhanden sei. Es gehe für ihn darum, einen Bezug zum Lebensalltag und eine persönliche Haltung beispielsweise gegenüber dem Tod herzustellen. Dafür bedient er sich auch der Geschichten aus der Bibel. Konservativ gibt er sich in der Darstellung anderer Religionen, diese behandle er in seinem Religionsunterricht nicht, wofür er viel Applaus erntete. 
Christian Olding sucht Wege, die Richtlinien, die Jesus uns gegeben hat, auf moderne Art zu vermitteln. Jeder solle sich Gedanken machen, was das eigene Leben bedeute und wie man es nach Jesu Vorbild gestalten könne. Er spricht als katholischer Priester auf seine Weise in Printmedien, Facebook und Youtube von großem Gottvertrauen und der Liebe Gottes und er kommt an – uneingeschränkt.
 
Foto: Tine Limmer


Autor: Tine Limmer
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