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Glück und Glas, wie leicht...
Glück und Glas, wie leicht...
Glück und Glas, wie leicht...
Kommentar. Der Geistliche Rat, bei dem ich ministriert habe, liegt schon lange unter der Erde. Aber die Geschichten, die ich als Bub mit ihm erlebt habe, sind noch immer lebendig. So hatte er die Angewohnheit, bestimmte Themen, die er im Beichtstuhl zu hören bekam, in einer seiner Predigten aufzugreifen. Natürlich war ihm das Beichtgeheimnis heilig, Namen wurden keine genannt. Aber beim Blick ins Kirchenvolk konnte man an fragenden Gesichtern ablesen, dass sich so mancher das Hirn zermarterte, wen der Hochwürdige Herr wohl diesmal gemeint haben könne.
Einmal erzählte er von einer Frau, die ihm im Beichtstuhl von ihrer glücklichen Ehe berichtete. „Mei, Herr Geistlicher Rat, dös muaß i Ehna sagn, 40 Jahr bin i mit dem Meinigen scho verheiratet und no koa schiefes Wort hot‘s zwischen uns zwoa geb‘n.“ So zitierte der Pfarrer die Beichtende in seiner Predigt. Und nach einer Kunstpause meinte der Geistliche Rat in der Kirche, in der mittlerweile kein einziges Räuspern mehr zu hören war, mit der Überzeugungskraft eines bayerisch-barocken Landpfarrers: „Mei, muaß des a dreckfade Sach‘ sei!“
Die Reaktionen in den Bankreihen kann man sich vorstellen. Gewiss hätte da der eine oder andere Ehepartner etwas zu sagen gehabt, etwa dergestalt: Wenn es ums Heiraten geht, langen manche in den Glückstopf, andere wiederum in den Nachttopf. Oder: Glück und Glas, wie leicht bricht das...! Wie sonst könnte man sich auf einer alten Votivtafel die flehentliche Bitte an den heiligen Antonius von Padua, der auch für Eheleute „zuständig“ ist, erklären: „O heiliger Antonius von Padua, schick mir an Mann der net raucht und net sauft – und vor allem net zu andere Weiber lauft!“
Nun, am Sonntag, 24. Juni, treffen sich wieder Ehejubilare aus dem ganzen Bistum Passau im Stephansdom. Sie haben ein Leben lang zueinander gehalten. Das verdient Respekt und zugleich den Dank an Gott. Dazu passt, was der Pfarrer von Feichten an der Alz, Michael Witti, unlängst im Pfarrbrief über Ehejubilare schrieb: „Sicherlich gab es in dieser Zeit auch Phasen des Alltags, Tage, an denen man einfach aus der Gewohnheit heraus miteinander gelebt hat, gewissermaßen routiniert und ritualisiert den gemeinsamen Weg gegangen ist. Wenn es aber nur dabei bleibt, wenn man dem Gegenüber nicht mehr sagt, welche Gefühle einen umtreiben, was einen im innersten bewegt, was man aneinander schätzt und füreinander empfindet, dann ist das oft der Tod der Liebe, das Ende des Miteinanders.“ Und: Eine Beziehung „will gepflegt werden. Das braucht immer wieder das klopfende Herz, die leuchtenden Augen, Worte voller Gefühl.“
Gerne wird bei Hochzeiten aus dem Buch Kohelet zitiert („Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit“). Das Faszinierende und zugleich Verstörende an dem Gedicht des Kohelet ist, dass es in aller Deutlichkeit die Dinge im Gegensatz benennt: „Eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen...“ Kohelet ist kein Träumer. Er ist ein Realist Gottes. Er weiß, dass die Dinge zwei Seiten haben und wir nur weiter kommen, wenn wir beide Seiten ernst nehmen. So wie unsere Ehejubilare.
 


Autor: Werner Friedenberger
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