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Selbstliebe als Gesundheits-Faktor
Selbstliebe als Gesundheits-Faktor
Selbstliebe als Gesundheits-Faktor

Es ist gar nicht so schwer, etwas für die Psyche zu tun, aber man muss es wollen

Passau. Die Zahlen sind alarmierend: Regelmäßig werden in den Medien neue Studien zur psychischen Gesundheit veröffentlicht, allein in Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an Depressionen oder Burn-out. Tendenz: steigend. Natürlich wirken stets viele Faktoren ineinander, bevor das psychische Gleichgewicht derart aus der Balance gerät, doch die meisten Wissenschaftler stimmen mittlerweile 
darin überein, dass chronischer Stress einen entscheidenden Anteil an der Entstehung psychischer Erkrankungen hat. Doch Stress, das erlebt praktisch jeder, ist aus der heutigen Arbeitswelt nicht wegzudenken. Und es sind, so tragisch es ist, vor allem die, die mit ganzem Herzen bei der Sache sind, jene, die für ihren Beruf „brennen“, die besonders gefährdet sind. Weil sie so viel geben, kann es passieren, dass irgendwann alles zu viel wird. Was also tun?
„Jeder kann selbst viel dazu beitragen, dass er Stress, Druck und Ärger psychisch einigermaßen heil übersteht“, ist die Neurologin, Therapeutin und Bestseller-Autorin Dr. Claudia Croos-Müller, die die „Diözesane Arbeitsgemeinschaft Beratung“ als Referentin für den diesjährigen Beratertag gewinnen konnte, überzeugt. Denn Krisen erlebt jeder – doch nicht jeder geht in gleicher Weise damit um. 
„Resilienz und Selbstfürsorge“ – mit diesen beiden eng zusammenhängenden Themen beschäftigten sich über 100 Beraterinnen und Berater, die aus dem ganzen Bistum ins Exerzitien- und Bildungshaus Spectrum Kirche anreisten. Im Alltag unterstützen sie auf unterschiedlichste Weise Menschen, deren Leben aus den Fugen geraten ist: bei einer Sozialberatungsstelle, bei der Telefonseelsorge oder bei der Notfallseelsorge zum Beispiel. Der Beratertag bot ihnen einerseits – und dazu ist er primär gedacht – die Gelegenheit, selbst wieder aufzutanken und Techniken zu erlernen, die ihnen helfen sollen, von ihrer psychisch enorm fordernden Tätigkeit auszuruhen, mal abzuschalten. Gleichzeitig bekamen sie aber auch viele Tipps und lernten jede Menge alltagstaugliche Selbstfürsorge-Übungen, die sie später wieder an die weitergeben können, die bei ihnen Hilfe suchen. 
Vieles von dem, was die Teilnehmer hörten, war für sie nicht grundsätzlich neu. Sie alle wissen aus ihrem Berufsalltag, dass nur der gut für andere sorgen kann, der auch für sich selbst sorgt. Doch der besondere Blick der Referentin ermöglichte auch denen, die sich schon seit langer Zeit mit Resilienz, also der Fähigkeit, Krisen besser zu bewältigen, befassen, neue Erkenntnisse. Denn sie kombinierte auf höchst innovative Weise moderne neurologische Erkenntnisse mit Techniken der Körpertherapie. „Bei uns“, davon ist die Medizinerin überzeugt, „werden Körper und Psyche noch viel zu sehr als getrennte Einheiten betrachtet; viele Ärzte hängen immer noch an dieser Sichtweise. Doch man kann das eine nicht heilen, ohne nicht auch das andere in den Prozess einzubeziehen, das habe ich mit den Jahren erkannt.“ 
Dabei stand sie körpertherapeutischen Ansätzen zunächst durchaus skeptisch gegenüber. „Aber dann habe ich gesehen, welche Ergebnisse man damit erzielen kann. Das hat mich, ich gestehe es, fast ein wenig eifersüchtig gemacht. Ich wollte verstehen, was da passiert. Und so bin ich immer mehr dahinter gekommen, dass es sich dabei nicht um irgendwelchen spiritistischen Humbug handelt, sondern um Phänomene, die sich auch und gerade aus dem neurologischen Wissen heraus, das ich mir über viele Jahre erworben und auf das ich bis dahin so fest gebaut habe, erklären lassen.“ 
Eindrucksvoll bewies sie es an einem Beispiel. Sie ließ die Teilnehmer ein Pendel in die Hand nehmen und forderte sie auf, es nur mit der Kraft ihrer Gedanken in Schwingung zu versetzen. „Und glauben Sie wenigstens für einen Moment daran, dass es klappen wird!“ – mit dieser Arbeitsanweisung ging es los. Im ganzen Raum skeptische Blicke. Die meisten probierten es dennoch. Und plötzlich fingen die ersten Pendel zu kreisen an. Ungläubiges Staunen – viele fühlten sich hin- und hergerissen zwischen Faszination und Ablehnung. „Nun fragen Sie sich, wie das gehen kann“, griff die Referentin die Stimmung auf. „Doch Magie? Doch irgendwelcher übersinnliche Quatsch? – Nein. Das, was sie da erleben, lässt sich ganz eindeutig neurologisch erklären. Sobald Sie sich intensiv auf eine Sache konzentrieren, wird ihr Gehirn aktiv. Ohne dass sie bewusst die Entscheidung dazu treffen, sendet es feinste Impulse bis in ihre Fingerspitzen, wo es zu minimalen Muskelkontraktionen kommt. Sie spüren das gar nicht, man kann es auch nicht sehen. Aber man kann es messen – es ist eindeutig belegbar.“ Natürlich könne man auf diese Weise nicht alles erreichen, was man sich vornimmt, „aber man kann sein Leben ganz wesentlich positiv beeinflussen.“
So hat unser Denken Auswirkung auf das, was wir erleben; ebenso unsere Körperhaltung. „Wie ich mich hinsetze, wie ich gehe, wie ich atme – all das hat Auswirkung darauf, wie ich mein Leben wahrnehme“, zeigte die Referentin auf. Wer solche Mittel bewusst einsetze, könne effektiv Stress abbauen und so wertvolle Präventionsarbeit leisten. Doch auch, wenn man bereits in eine Krise geraten ist, könnten solche Übungen helfen, sie besser zu meistern. 
Wie wichtig es ist, rechtzeitig mit dem „Training“ anzufangen und nicht erst dann an Selbstfürsorge zu denken, wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist, machte Helmut Höfl, Leiter der Ehe-, Familien und Lebensberatung im Bistum Passau, deutlich: „Wir, die Berater im Bistum Passau, tun gut daran, die Risiken unseres Berufs anzuschauen und Mittel und Wege zu teilen, die uns stark machen. Heute war ein besonderer Tag, an dem wir einen liebevollen Umgang mit unserer Verletzlichkeit üben und Widerstandskraft aufbauen konnten, mit Hilfe einer Referentin, deren Angebot verblüffend kreativ, überzeugend und nachhaltig ist, wie ich meine.“
 
Foto: Barbara Osdarty


Autor: Barbara Osdarty
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