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Rebellisch, wild und christlich
Rebellisch, wild und christlich
Rebellisch, wild und christlich
Kommentar. "Lebe wild und gefährlich, Arthur.“ In meiner Jugend zierte dieser Satz T-Shirts, Postkarten und Poster. Ein Mutmacher. Eine Aufforderung, die Aufregung der Bequemlichkeit, das Adrenalin der Schlaftablette vorzuziehen. Erst sehr viel später erfuhr ich, wo der Satz herkam: Er war die Antwort des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler auf die Frage seines französischen Freund und Kollegen Arthur Rimbaud auf dessen Frage „Was soll ich tun?“. Das war im 19. Jahrhundert – und tatsächlich starb der wilde Rimbaud recht jung. Er hatte mit seiner Frage wohl nur eine Bestätigung für sein Lebensprinzip bekommen wollen. 
Beliebt als Postkartenmotiv war auch George Bernard Shaws „Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.“ Schaut man sich heute in der Welt um, kann man nicht umhin, dem irischen Dramatiker, der 1925 den Nobelpreis für Literatur erhielt, zeitlose Weitsicht zu attestieren. 
Wäre er nicht zeitgeistfeindlich katholisch, hätte heute Papst Franziskus das Zeug zum Poster- und Postkartenstar für die Jugend. „Jugendliche beißen nicht, man kann sich ihnen nähern“, sagte er unlängst bei einer Marienandacht in den Abruzzen. Der 81-Jährige ermuntert junge Menschen immer wieder, laut zu sein, rebellisch zu sein, Wirbel zu machen. „Seid keine Spießer! Baut eine bessere Welt!“ Das rief er Hunderttausenden beim Weltjugendtag 2013 am Strand der Copacabana zu. Über ihren Enthusiasmus hinaus besäßen junge Menschen den Schlüssel zur Zukunft. 
Bei aller Wildheit, eines ist für Papst Franziskus gesetzt: „Es kann nur einen geben!“ Der Untertitel des Fantasy-Klassikers „Highlander“ aus dem Jahr 1986 könnte auch vom katholischen Kirchenoberhaupt stammen: Der Glaube an Jesus Christus ist für den Papst das Fundament von allem. Er sei die Grundbedingung, um an einer gerechteren und besseren Welt mitzubauen. Er sei das Gegenmittel gegen den Rausch der schnellen Verlockungen von Macht und Reichtum. Er nähre den Menschen, während die Verlockungen des Konsums ihn nur „abfüllten“ und träge machten. 
Freilich ist Franziskus auch klar, dass es für die Jugend in den westlichen Gesellschaften selten so schwer war wie jetzt, offen zu einer Kirche oder unangenehmen Meinungen, die aus einer Religion heraus begründet werden, zu stehen. Gerade deshalb ist ein offener, ehrlicher Dialog der Generationen, der hoffentlich bei der Weltjugendsynode im Oktober entsteht, so wichtig. 
Christ sein ist oft auch anstrengend und unbequem. Es ist eine ständige Aufforderung, weiter und größer zu denken und zu handeln. Der heilige Augustinus hat es geschafft, die „Wurzel, aus der nur Gutes hervorgehen kann“ in wenige Worte zusammenzufassen. Für ihn kann die gesamte Botschaft der Bibel auf die zwei Gebote der Gottesliebe und der Nächstenliebe komprimiert werden: „Liebe, und tue, was du willst.“ 1600 Jahre alt und noch immer postkartentauglich.
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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