VERLAG PASSAUER BISTUMSBLATT    DOMPLATZ 7    94032 PASSAU    TELEFON: 0851.3931323 
    Ihr Standpunkt: Startseite | Zeitung | Einzelansicht
Die Reform hat begonnen
Die Reform hat begonnen
Die Reform hat begonnen

„Unser Bistum: Glaube lebt. Gemeinsam neu Kirche sein.“ Unter diesem Leitwort steht der pastoral-strukturelle Erneuerungsprozess im Bistum Passau. In einem ersten Schritt werden nun – schneller als zunächst geplant – 18 sogenannte Verwaltungsräume eingerichtet. Damit will man die Verwaltung professionalisieren und für immer komplexere Aufgabenstellungen rüsten. Gleichzeitig sollen so die Pfarrer wieder mehr Zeit für ihre Kernaufgabe bekommen: die Seelsorge.

Der 1.1.2021 ist ein Stichtag. Ab diesem Zeitpunkt läuft eine Übergangsregelung aus und es kommt zu einer deutlichen Verschärfung der Umsatzbesteuerung, die auch die Kirchengemeinden trifft. Damit verbunden ist ein erheblicher Mehraufwand in der Buchhaltung und Verwaltung. Ganz ähnlich schaut es mit der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung aus. Auch hier ein Wust an Neuerungen, die beachtet werden müssen, weil es sonst schnell teuer werden kann. Das sind zwei der Gründe, die dazu geführt haben, dass die Diözese bei der Einrichtung der Verwaltungsräume aufs Tempo drücken musste. Eigentlich waren zunächst drei Modellversuche geplant, um die Erfahrungen dann in die Fläche zu übertragen. „Mit der Umsatzsteuerproblematik im Rücken haben wir schnell gemerkt, dass wir nicht so lange warten können“, erklärt Generalvikar Dr. Klaus Metzl. Bis Sommer 2019 sollen deshalb alle 18 Verwaltungszentren (siehe Karte rechts) laufen, so das erklärte Ziel.
Nachdem die Grenzen der 18 Zentren abgesteckt sind, hat die Suche nach Personal begonnen. Fünf Arbeitsplätze sind im Normalfall pro Verwaltungsraum vorgesehen, wobei Kirche und Caritas wieder ein Stück näher zusammenrücken: Verwaltungsleitung, Buchhaltungsfachkraft, Sekretariat sowie von Seiten der Caritas die Regionalleitung Kindertagesstätten plus Assistenz. Sämtliche Aufgaben und Prozesse werden erfasst und beschrieben, um die künftigen Verwaltungsleiter in Traineeprogrammen gezielt schulen zu können. Bis 6. Juni sollen die Hauptaufgaben definiert sein. Heuer im September beginnt bereits die Schulung der ersten sechs Kandidaten, weitere folgen im Januar und April 2019. Mit der genauen Beschreibung der Arbeitsabläufe möchte man zudem die bestmögliche Verzahnung der Verwaltunszentren mit den Fachstellen des Bischöflichen Ordinariats erreichen. Auch die Bau- und Umbauarbeiten haben mancherorts bereits begonnen, wobei den Verantwortlichen auch klar ist, dass man nicht überall 2019 komplett fertig sein wird. Vor allem die benötigte IT-Anbindung bereite oft Probleme. So werden beispielsweise im Verwaltungszentrum Regen die benötigten Büros zunächst in Zwiesel eingerichtet.
Die gesamten Kosten für Bau und Personal trägt die Diözese. Lediglich im Bereich Kindertagesstätten ist eine Umlagefinanzierung über eine Verwaltungspauschale angedacht. Und was Generalvikar Dr. Klaus Metzl auch ganz wichtig ist, um Gerüchten vorzubeugen: „Es wird im Zuge der Reform keine Pfarrei aufgelöst und es gibt keinen Stellenabbau in den Pfarrämtern.“ Das Ziel ist vielmehr die Entlastung der Geistlichen von Verwaltungsaufgaben, damit die sich wieder stärker der Seelsorge, der Verkündigung des Evangeliums, der Feier der Sakramente widmen können. Damit reagiert die Diözese auch auf die Tatsache, dass immer weniger Priester mit immer größer werdenden Seelsorgeeinheiten klarkommen müssen. Dieser Trend wird sich künftig eher noch verstärken.
Doch nicht nur die Geistlichen, auch das Ehrenamt braucht dringend Unterstützung. Vor allem Kirchenpfleger, die sich in einer der 140 Stiftungskindertagesstätten engagieren, seien häufig überlastet. Dies werde sich mit der Umsatzbesteuerung noch verstärken. Hinzu kämen heikle Haftungsfragen, die mit ehrenamtlichem Engagement nicht mehr vereinbar seien. 
Allerdings müssen die jeweiligen Pfarrer und Kirchenverwaltungen selbst darüber entscheiden, ob sie an den Verwaltungszentren teilhaben wollen oder nicht. „Wir wollen keine  funktionierenden Abläufe zerschlagen“, betont der Generalvikar. Und er macht auch deutlich, dass die Verwaltungsreform eigentlich nur ein erster Schritt, quasi die Grundvoraussetzung im Erneuerungsprozess, ist. Mission und Auftrag hat Bischof Dr. Stefan Oster definiert: „Jesus erneuert uns – und die Welt.“ Das Ziel sei eine frohe, einladende und soldiarische Glaubensgemeinschaft, die aus der Eucharistie lebt. Die großen Herausforderungen seien: Gott um seiner selbst willen zu lieben, Jüngerschaft zu leben und den missionarischen Einsatz zu praktizieren. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich entlang der Verwaltungszentren in einem organischen Prozess nach und nach auch größere pastorale Räume bilden werden. „In diesen werden neue Formen der Pastoral, des sakramentalen, geistlichen und gemeinschaftlichen Lebens entwickelt“, heißt es in den Leitlinien. Und auch hier wird noch einmal verdeutlicht, dass die Lebensfähigkeit und Selbstständigkeit von Kirchorten gefördert werden soll. „Es gilt der Grundsatz: Eine lebendige Pfarrei bleibt erhalten und sucht nach Wegen der Kooperation in Liturgie, Diakonie und Verkündigung.“
Für den Personalreferenten des Bistums, Domkapitular Josef Ederer, ist ein Ziel der Verwaltungsreform auch, die Erwartungen der Gläubigen noch besser zu erfüllen. Als Beispiel nennt er die Begleitung der Angehörigen nach einem Todesfall. „Es geht darum, dass für ein ganzheitliches Christsein wieder mehr Zeit ist“, sagt Ederer.
Die Wirklichkeit ungeschönt wahrnehmen – auch das ist ein Punkt in den Leitlinien des Bistums. Die Einrichtung der Verwaltungszentren ist eine große Investition und eine erste Antwort auf diese ungeschönte Wahrnehmung. Ein Schritt auf dem Weg der Erneuerung.



Autor: Wolfgang Krinninger
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT   ARTKEL AUSDRUCKEN
VERLAG PASSAUER BISTUMSBLATT DOMPLATZ 7 94032 PASSAU TELEFON: 0851.3931323 E-Mail: info@passauer-bistumsblatt.de

KONTAKT IMPRESSUM DATENSCHUTZERKLÄRUNG ZEITUNG ABONNIEREN
 
BISTUM-PASSAU.de KATHOLISCH.de VATICAN.va BJA-PASSAU.de CARITASVERBAND-PASSAU.de
© 2011 Werbeagentur grünstich | Angerstraße 31 | 94034 Passau