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Jedes Kind hat die gleiche Würde
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Ökumenischer Gottesdienst zur „Woche für das Leben“ – Eltern den Rücken stärken

Passau. Die Welt werde eine andere, wenn Eltern nicht unter Druck gesetzt werden, wenn sie ein Kind mit Behinderung erwarten. Die Gesellschaft werde menschlicher, wenn sie Kinder mit Behinderung um ihrer selbst willen annimmt und den Eltern ohne große Bürokratie helfend zur Seite steht. Dies betonte Domdekan Dr. Hans Bauernfeind in seiner Predigt beim ökumenischen Gottesdienst zur „Woche für das Leben“ in der evangelischen Stadtpfarrkirche St. Matthäus in Passau. „Kinderwunsch – Wunschkind – Unser Kind“ lautete heuer das Motto der gemeinsamen Initiative der evangelischen und katholischen Kirche. 
Werdende Eltern sind zu Beginn einer Schwangerschaft immer guter Hoffnung. Doch bald nach der ersten Freude drängen sich Fragen auf: Fehlt dem Kind nichts? Entwickelt es sich gut? Passt alles? Angebotene Tests zu bestimmten Krankheiten oder Behinderungen vervielfachen die bangen Fragen. Dr. Hans Bauernfeind skizzierte in seiner Predigt, wie noch im frühen Entwicklungsstadium eines Kindes die gute Hoffnung gestärkt und die besorgte Angst um das Kind beruhigt werden kann. Pränatale Diagnostik laute das Zauberwort. „Gut, dass medizinischer Fortschritt helfen kann“, so der Seelsorgeamtsleiter. 
Der Domdekan wies freilich auch auf die Schattenseite dieser Entwicklung hin. „Was geschieht, wenn der untersuchende Arzt beunruhigende Nachrichten hat? Wie sehr trifft es Eltern, wenn das im Mutterleib wachsende Kind eine Fehlbildung hat, wenn gesundheitliche Probleme angezeigt werden? Manchmal kann es Hilfe geben, manchmal kann nichts unternommen werden.“
Bei diesen Fragen halte die „Woche für das Leben“ inne. Mit ökumenischer Leidenschaft und Seelsorge schauten die christlichen Kirchen auf die Not der Eltern, die mit einer beunruhigenden Diagnose konfrontiert sind. „Vor diesen Eltern türmen sich plötzlich Szenarien auf, die sie aufs äußerste fordern – möglicherweise überfordern. Wir dürfen sie nicht allein lassen“, appellierte der Domdekan. Er machte deutlich, wie wichtig es ist, Eltern, die die Diagnose erhalten, das Kind werde behindert sein, mit Argumenten zu stärken. Denn diese Eltern seien einem enormen Druck der Gesellschaft ausgesetzt. Sie müssten häufig die Geburt des Kindes mit Behinderung aggressiven Meinungsmachern gegenüber rechtfertigen. 
Aus der Schöpfungsgeschichte leitete Bauernfeind die Unantastbarkeit der Würde des Menschen ab. In ihr spiegle sich die Freude, die Zuwendung und Hochachtung Gottes vor seinem Geschöpf. „Jeder Mensch braucht Liebe und Zuwendung. Jeder soll sich geborgen und aufgehoben wissen. So pocht Jesus auf die Unversehrtheit der Kinder“, sagte er. Mit seinem Tod am Kreuz verurteile Jesus die Unmenschlichkeit und Gottlosigkeit aller Gewalt gegen Schwache und Hilflose. Gott habe jedem Menschen, egal woher er komme und wie er gestaltet sei, seinen Geist eingehaucht – und mit ihm sein zugesprochenes Recht auf Leben, auf Liebe und Hochachtung. „Jeder Mensch ist zur Ehre Gottes geschaffen. Ein Kind, für das eine medizinisch nicht korrigierbare Behinderung diagnostiziert ist, ist zur Ehre Gottes geschaffen, ist seine Ehre. Er liebt dieses Kind, diesen Menschen unendlich“, verdeutlichte Bauernfeind. Gott stärke die Eltern, gerade auch zu ihrem behinderten Kind zu stehen und es zu lieben, wie er es tut. „Die Würde und Liebenswürdigkeit ihres Kindes ist selbstverständlich, weil Gott beides gegeben hat.“
Es sei „Gottes Auftrag an uns alle“, diese Frohe Botschaft laut in die Gesellschaft hineinzusprechen und  gemeinsam-ökumenisch die Eltern in ihrer Not zu unterstützen, sie für das Leben zu beraten und ihnen zu helfen, wandte sich der Domdekan an die Gottesdienstbesucher. Es sei Gottes Auftrag, Eltern stark werden zu lassen, sich für das Kind mit Behinderung zu entscheiden und Kinder mit Behinderung und Schwache in ihrer Würde hoch zu achten. „Sein Auftrag ist es, alle spüren zu lassen, wie sehr Gott die Menschen liebt. Sein Heiliger Geist überwindet den zerstörerischen und menschenverachtenden Ungeist“, so Bauernfeind am Ende seiner Predigt.
Bereits zu Beginn hatte der evangelisch-lutherische Dekan Dr. Wolfgang Bub die Tragweite des Themas verdeutlicht. „Es geht um Wertigkeiten, die unser Leben bestimmen“, so Bub. Jedem Menschen, jedem Kind komme die gleiche Würde zu. Hier sei man als Christ gefordert. Diakonie und Caritas würden sich dafür einsetzen, dass diese Botschaft gelebt werde. 
Vertrauen schenken, Zuversicht vermitteln, Menschen mit Behinderung zeigen, dass sie dazugehören, diese Botschaft zog sich durch den gesamten Gottesdienst, der von Gerhard Eckmüller (Sakramentenpastoral), Caritasdirektor Michael Endres, Bettina Sturm (Caritas) und Sabine Aschenbrenner (Diakonie) mitgestaltet wurde. Mit kleinen Geschichten aus seinen Büchern vermittelte im Anschluss im Gemeindesaal Bistumsblatt-Chefredakteur Wolfgang Krinninger einen Einblick in das Abenteuer Familienleben. 
 
Foto: Krinninger


Autor: kri
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