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Kälte im Frühling
Kälte im Frühling
Kälte im Frühling
Kommentar. Gut, dass ich meinen Glauben habe!“ Wie sie denn das meine, habe ich die Frau gefragt, die das auf dem Altöttinger Kapellplatz in die Runde sagte. Sie bemerke, so ihre Antwort, dass in einem Teil unserer Gesellschaft die Barmherzigkeit auf der Strecke bleibe, der Umgang untereinander zu wünschen übrig lasse.
Der Halt, den diese Frau im Glauben findet, erinnert an den Wahlspruch der Kartäuser: Stat crux dum volvitur orbis (Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht). Dieser Gedanke hat übrigens auch Simon Konrad Landersdorfer als Bischof von Passau (1936–1968) begleitet.
Die Worte der Altötting-Besucherin sind mir einige Zeit nachgegangen. Allein in den letzten Tagen haben wir alle mitbekommen, wie viel Kälte es hierzulande unter den Leuten gibt. Da wird ein Jugendlicher in Passau totgeschlagen – und eine Menge gafft tatenlos zu. Oder: Mitten im Deutschland des 21. Jahrhunderts bekommen zwei „Sänger“ einen Musikpreis, die in ihrem „Lied“ Millionen Menschen verhöhnen, die in Konzentrationslagern von Nazis ermordet wurden. Oder die vielen Glotzer, die mit ihren Handys Verkehrsopfer filmen, deswegen Rettungspersonal, Feuerwehr und Polizei behindern, beschimpfen und sogar angreifen. Das ist eine neue Stufe der Verrohung, die Pest der Jetztzeit. Fast scheint es, als ob hier die Werteskala neu vermessen wird – ohne jegliches Maß für Mitmenschlichkeit.
Wenig besser ist es in sogenannten „sozialen“ Medien. Manche Nutzer – vorzugsweise anonym – sehen diese als rechtsfreien Raum. Sie führen sich auf wie wildgewordene Silvesterknaller. Wer mag, ist hier sein eigenes Massenmedium, kann auf die im Grundgesetz verankerte Würde des Menschen pfeifen, die unantastbar sein soll. Auch unter vielen Leserbriefschreibern ist diese Unsitte verbreitet. Damit das niemand missversteht: Selbstverständlich hat jeder das Recht, eine andere Meinung zu vertreten und diese auch öffentlich zu machen. Aber geht das nur, wenn über den Betroffenen wüste Beleidigungen und gehässige Beschimpfungen kübelweise ausgeleert werden?
Man muss kein moralischer Supermensch sein. Das schreibt Papst Franziskus in seinem jüngsten Dokument „Gaudete et Exultate“. Auf deutsch „Freut euch und jubelt“. „Heilig zu sein bedeutet nicht, in einer vermeintlichen Ekstase die Augen zu verdrehen“, schreibt das Oberhaupt der katholischen Kirchen. Heilig zu sein bedeute im Alltag Liebe zu schenken, sich zu freuen. Und das könne jeder mit Gottes Hilfe.
Franziskus will die Christen ermuntern, dass man kein hoch anständiger Überflieger sein muss mit göttlichen Eingebungen, um ein Alltagsheiliger zu sein. Jeder kann etwas dafür tun. Da muss man nicht in besonderer Weise qualifiziert sein. Es reicht, wenn man das Herz am rechten Fleck hat.
 


Autor: Werner Friedenberger
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