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Ein Mensch an der Spitze
Ein Mensch an der Spitze
Ein Mensch an der Spitze
Kommentar. Der FC Bayern München ist eine Macht. Der frühzeitige Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der vergangenen Woche ist ein weiterer Beleg dafür. Tausende im Stadion und Millionen Menschen vor den Fernsehern sind elektrisiert, wenn die Mannschaft aufs Spielfeld läuft. Für die Fans wird das Stadion eineinhalb Stunden lang zur Kathedrale der Begeisterung. Mitfiebernd, applaudierend, schimpfend, jubelnd erheben sie sich für eine kleine Zeitspanne aus den Niederungen des Alltäglichen. Man vergisst die eigenen Sorgen und Nöte, verdrängt, dass auch am nächsten Morgen der Wecker läuten wird – wie immer. Wenn es gut läuft, hält die Euphorie noch eine Weile an, trägt über manche Zwänge zwischen Parkplatzsuche, Pfandflaschenrückgabe und Lohnsteuerjahresausgleich hinweg. Und beim FC Bayern läuft es häufig gut.  
Der anhaltende, enorme Erfolg hat viele Väter. Ein wesentlicher Faktor ist der Trainer. Gerade in dieser Saison wurde das beim Wechsel von Carlo Ancelotti zu Jupp Heynckes überdeutlich. Der 72-jährige Fußballrentner aus Mönchengladbach hat die Mannschaft binnen kurzer Zeit aus dem Tal der Tränen herausgeführt, jeden einzelnen Spieler enorm vorangebracht und mit dem Meistertitel nun die erste zählbare Frucht seiner Arbeit eingefahren.  
Kein Wunder, dass fast jeden Tag irgendwo die Frage auftaucht, wie es denn weitergehen soll, wenn Jupp Heynckes am Ende der Saison tatsächlich und endgültig in Rente gehen sollte. Das Profil für den Nachfolger: Er muss ein herausragender Fußballlehrer sein – eh klar. Es schadet nicht, wenn er deutsch spricht und die Sprache auch versteht. Aber eine weitere Qualität ist offensichtlich noch wichtiger: Er muss „menscheln“. Ein fußballbesessener Technokrat hat in München auf Dauer keine Chance, das weiß man spätestens seit Pep Guardiola. Aber jemanden zu finden, der in das geforderte Profil passt, ist trotz fürstlicher Gage in einer der schönsten Städte der Welt so schwer wie ein Sieg gegen Real Madrid. Und damit steht der FC Bayern vor dem selben Problem, das auch viele Unternehmen in Deutschland plagt. Topleute mit Bestnoten und großer fachlicher Qualifikation zu finden, das geht noch mit entsprechenden finanziellen Lockmitteln. Aber wie oft sind das dann auch tatsächlich teamfähige Vorbilder, die andere für eine Sache begeistern können? Die alles daran setzen, das Potential ihrer Mitarbeiter zu fördern und ihre eigene Arbeit selbstkritisch hinterfragen? Wenn man die laut Studien immer größer werdende Zahlen derer betrachtet, die innerlich in ihrer Firma schon gekündigt haben, kann es mit der menschlichen Führungsqualität häufig nicht so weit her sein. 
Bei Jupp Heynckes kommt freilich noch eines hinzu: Vom Leben gestählt, hat dieser Mann im Lauf der Jahre eine unglaubliche Gelassenheit und Selbstsicherheit entwickelt. So einer versetzt Berge und ist gleichzeitig Fels in der Brandung. Davon gibt‘s ganz wenige. Spontan fällt mir einer ein. Der sitzt in Rom, tritt auf dem Petersplatz immer im komplett weißen Langarm-Trikot auf und trägt ein Käppi in derselben Vereinsfarbe. Er ist allerdings auf seinem Posten völlig unabkömmlich, und seine abgewetzten Schuhe haben auch keine Stollen. Der FC Bayern muss wohl oder übel weiter schauen nach einem genialen, fußballverrückten und menschlichen Mann an der Spitze. 
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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