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Anfänger mit Begleitung
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Kommentar. Der meint das so. Kein Spielraum für Interpretationen. Keine Chance für Ausreden. „Wenn ich Dich einmal beim Rasen erwische, nehme ich einen Schlegel und haue das Trumm kurz und klein!“ Das „Trumm“ war die Erfüllung eines langgehegten Traums: ein Leichtkraftrad, das ich mir Dank finanzieller Unterstützung meines Opas kaufen konnte. Der Einstieg in die Mobilität, der Beginn der großen Freiheit auf Rädern, nachdem ich den Führerschein geschafft hatte. 
Die Drohung meines Vaters, diesen Traum gnadenlos zu verschrotten, wirkte nachhaltig. Von wenigen Ausnahmen abgesehen war ich auf öffentlichen Straßen umsichtig unterwegs; darauf bedacht, anderen Verkehrsteilnehmern, meinem geliebten Zweirad und mir selbst keinen Schaden zuzufügen. 
Ich habe Papas mahnende Worte bis heute im Ohr. Und doch sind inzwischen so viele Jahre vergangen, dass ich nun selber das erste Mal in diese Rolle schlüpfen muss: Unsere älteste Tochter Antonia hat mit dem Autoführerschein begonnen. Und wenn sie die Fahrerlaubnis dann in Händen hält, wird es meiner Frau und mir ergehen wie den meisten Eltern: Wir werden uns bei jeder noch so kleinen Verspätung sorgen. Wir werden gespannt lauschen, ob wir das vertraute Motorengeräusch in der Hofeinfahrt hören, das Geräusch des Schlüssels in der Haustür. Wir werden uns schlaflos im Bett von einer Seite auf die andere wälzen und manch Stoßgebet gen Himmel schicken. 
Aber wir haben im Vergleich zu unserer Elterngeneration einen großen Vorteil: Wir können uns langsam an die Mobilität unserer Kinder herantasten und selber ein wenig dazu beitragen, dass unsere Sprösslinge passable Fahrer werden. Das Rezept heißt Begleitetes Fahren ab dem 17. Lebensjahr und sobald die Führerscheinprüfung bestanden ist. 
Ich hoffe und glaube, dass ich nicht zu denen gehöre, die diese Aufgabe total verkrampft angehen, ständig ins Lenkrad greifen oder mit dem Bremsfuß das Bodenblech durchtreten möchten. Auch was Verkehrsregeln angeht, werde eher ich der Schüler und meine Tochter der Lehrer sein. Denn seien wir mal ehrlich: Mit den Jahren und Hunderttausenden Kilometern hat sich mancher Schlendrian eingeschlichen. Erfahrung und Bequemlichkeit haben viel Erlerntes verdrängt oder überwuchert.  
Eigentlich möchte ich als Beifahrer nur auf eines hinwirken: eine gefühlvolle, harmonische, rücksichtsvolle und vorausschauende Fahrweise. Rennlegende Walter Röhrl, das Genie auf Rädern aus Sankt Englmar, hat es so ausgedrückt: „In der Ruhe liegt die Kraft, das gilt beim Autofahren, wie im echten Leben.“ Und aus der Bibel könnte man hinzufügen: Halte Maß in allen Dingen! Wer das beherzigt, dürfte schon ganz gut unterwegs sein. Und der schwere Eisenschlegel bleibt im Schuppen. 
 


Autor: Wolfgang Krinninger
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