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Ballast abwerfen
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Kommentar. Ich erinnere mich noch gut an diesen Elternabend. Es ging um den Schüleraustausch mit Frankreich in der Klasse meines Sohnes. Die Fahrt unserer Kinder mit dem Zug ins Elsass stand bevor. Die Lehrerin appellierte an uns Eltern: „Lassen Sie Ihre Kinder für die paar Tage nicht so viel Zeug mitnehmen! Es sind immer wieder welche dabei, die schaffen es beim Umsteigen auf dem Bahnhof nicht einmal, den eigenen riesigen, schweren Koffer in den Zug zu bekommen!“
Über diese Vorstellung kann man sich vielleicht jetzt kaputt lachen. Oder verwundert den Kopf schütteln. Aber ehrlich: Schleppen wir uns nicht (fast) alle mit viel zuviel überflüssigem Ballast durchs Leben? Und damit meine ich jetzt nicht nur überquellende Schubladen und das Gerümpel auf dem Dachboden – dieses „Kabinett aus Sinnlosigkeiten“, diese „Altlast in Tupperwaren“, von denen die Gruppe „Silbermond“ singt: „Und eines Tages fällt dir auf, dass du 99 Prozent davon nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg. Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck.“
Viel schlimmer noch ist das Gerümpel, das sich im Kopf und in der Seele ansammelt. Vorurteile, Verletzungen, Verhaltensweisen und Denkmuster, die entsorgt gehören.
Eine schreckliche Angewohnheit ist dieser Klatsch und Tratsch über Dritte, woraus im Berufsleben leicht Mobbing wird. 
Und noch etwas kann schnell das ganze Klima vergiften: Es gibt diese Zeitgenossen, die sich selber größer, wichtiger, mächtiger fühlen, wenn sie andere Menschen kleinmachen können. Wie armselig! Aber nachdem man meist eher den Splitter in den Augen des anderen entdeckt als den Balken im eigenen, kann man sich ja durchaus einmal fragen: Wie gehe ich eigentlich mit anderen um? Behandele ich auch die auf Augenhöhe, denen ich mich vielleicht überlegen fühle – Kinder oder alte Menschen zum Beispiel?
Furchtbar für die Umgebung können auch chronisch jammernde, nörgelnde oder grundsätzlich frustrierte Mitmenschen sein. Dieses ständige Jammern geht scheinbar auch Papst Franziskus auf die Nerven. Er hat einmal an der Tür zu seinen Privatgemächern im Gästehaus Santa Marta ein Schild anbringen lassen mit der Aufschrift „Vietato lamentarsi!“ Auf Deutsch: „Jammern verboten!“ Das Schild fordere die Besucher zu Tatkraft und Optimismus auf, verlautete dazu aus dem Vatikan. Betrübte Gläubige sollen ermuntert werden, ihre Melancholie abzuschütteln und weniger zu murren. Stattdessen rät das Schild, sich auf sein Potenzial und nicht auf seine Grenzen zu konzentrieren: „Hör auf zu jammern und handele, um dein Leben besser zu machen.“ Ich würde es so sagen: Papst Franziskus hat also auch keine Lust, sich ständig mit Jammerlappen zu umgeben.
Es gibt noch viele andere lästige Angewohnheiten. Wie schön wäre es, wenn jeder eine davon über Bord werfen würde. Nicht nur in der Fastenzeit, in der sich viele vornehmen, auf etwas „Überflüssiges“, „Störendes“ zu verzichten. Aber das wird schwierig werden. Weil man ja den Balken in den eigenen Augen am schwersten erkennt. 
 


Autor: Uschi Friedenberger
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