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Gold aus Passau: Wer bietet mit?
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Auktionshaus versteigert Medaille des Passauer Fürstbischofs Johann Philipp von Lamberg

Passau/Berlin. Das waren noch Zeiten, als der Passauer Bischof sein eigenes Geld prägen durfte. Jetzt wird in einem der führenden Auktionshäuser Europas etwas versteigert, „das weltweit wohl als das einzige Exemplar im Handel“ gilt: eine Goldmedaille zu 15 Dukaten aus dem Jahr 1691. In Auftrag gab das in der Tat prunkvolle Goldstück der Passauer Fürstbischof und Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg (Regierungszeit: 1689–1712). 
Wer bei der Auktion in Berlin mitbieten will, die am 1. Februar über die Bühne geht, muss sich das leisten können: Der Startpreis für die Medaille „von größter Seltenheit“ liegt bei 32.000 Euro. Geboten wird in 1000er-Schritten. Der Schätzpreis hingegen wird auf 40.000 Euro beziffert. Wie Inja MacClure vom Auktionshaus Künker mit Stammsitz in Osnabrück gegenüber dem Passauer Bistumsblatt erklärt, kommen zur Versteigerungssumme der Losnummer 1153, egal wie hoch diese auch sein mag, zusätzlich Gebühren von 23 Prozent.
Gerne wird bei alten Münzen gefragt, was man sich – in diesem Fall vor über 325 Jahren – dafür hätte kaufen können. Aber: Eine Medaille ist keine Münze und daher auch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Die Bezeichnung „Goldmedaille zu 15 Dukaten“ kommt daher, weil das edle Stück eben das 15-fache Gewicht eines Golddukaten auf die Waage bringt. Dennoch war – nicht nur des Goldes wegen – ihr Wert bereits in der Barockzeit enorm. Bei einem Durchmesser von 48 Millimetern hat die Medaille ein Gewicht von exakt 51,74 Gramm. Und bei dem aktuellen Goldpreis heißt das summa summarum: 1842 Euro. Heute kommt hinzu der Faktor „von größter Seltenheit“. Im Diözesanmuseum von Passau fehlt dieses erlesene Stück. 
Um erahnen zu können, was da in Berlin unter den Auktionshammer kommt, lohnt ein Blick in den (1997 erschienenen) Katalog „Die Münzgeschichte des Hochstifts Passau“ von Hans-Jörg Kellner. Der Autor hat genau dieses Exemplar unter die Lupe genommen und es nicht „Goldmedaille“, sondern „Gnadenmedaille“ genannt.
In der Beschreibung des Numismatikers liest sich das so: „Die Gnadenmedaille ist ein Vorläufer des Verdienstordens; sie sollte neben der Ehre vor allem materiellen Gewinn bringen. Deswegen wurde sie vorwiegend in Gold, zum Teil in hohen Dukatengewichten ausgebracht. Sie wurde bei festlichen Anlässen und besonderen Verdiensten vergeben.“
Als Medailleur verewigte sich 1691 der Künstler Philipp Heinrich Myller – er hat im Auftrag des Fürstbischofs das Prachtstück geschnitten. Auf der Vorderseite befindet sich das Bildnis des verleihenden Landesfürsten (Johann Philipp von Lamberg mit großer Perücke und reich verziertem Ornat) und auf der Rückseite dessen Wahlspruch und Sinnbild. 
Am 24. Mai 1689 wählte den aus österreichischem Adelsgeschlecht stammenden Grafen (einen Tag vor seinem 38. Geburtstag) das Domkapitel von Passau zum neuen Bischof, die Weihe folgte am 14. Mai 1690. Johann Philipp von Lamberg blieb auch als Fürstbischof von Passau vorwiegend Politiker und Diplomat – er war Stellvertreter des Kaisers auf dem Regensburger Reichstag. 
Die Gnadenmedaille erzählt viel. Johann Philipp nahm sich, als er Bischof von Passau wurde, das Bild der Güte in sein Wappen, nämlich einen Löwen mit zerrissenen Ketten, der sich von einem Buben an einem Seidenfaden herumführen lässt. Sein Wahlspruch dazu war: „Peragit tranquilla potestas quod violenta nequid.“ Warum Schüler im Fach Latein manchmal die Stirn runzeln, wird an diesem Beispiel deutlich: Gleich drei wissenschaftliche Übersetzungen des fürstbischöflichen Wahlspruches gibt es in Büchern. 
 
Variante 1: „Ruhige Kraft vollbringt, was rohe Gewalt nicht zustande bringt.“
Variante 2: „Es vollbringt die ruhige Beeinflussung, was die heftige nicht vermag.“
Variante 3: „Mehr wirket in Ruhe, als im Sturme die Kraft.“
 
Der Fürstbischof durfte als Kardinal im Jahr 1700 am Konklave teilnehmen, bei dem Clemens XI. zum Papst gewählt wurde. An seine Zimmertür schrieb Lamberg mit weißer Kreide: „Ein deutscher Pfarrer.“ Ob solcher Bescheidenheit fand sich bald darauf von einem unbekannten Purpurträger folgender Zusatz: „Wärst Du kein deutscher Pfarrer, so würdest Du morgen römischer Papst.“ Gestorben ist der Fürstbischof 61-jährig, begraben liegt er in Passau.
Dass Johann Philipp von Lamberg mit seiner Gnadenmedaille etwas ausgesprochen Wertvolles für die Ewigkeit verschenkt hat, könnte sich ein weiteres Mal bewahrheiten. Wenn das Geschenk aus der fürstbischöflichen Schatulle am 1. Februar in Berlin einen neuen Eigentümer findet, wird sich nicht nur der freuen, sondern auch der Einlieferer und das Auktionshaus. Die Medaille wird also nach über 325 Jahren erneut Menschen viel Freude machen – was für ein Goldstück!
 
www.kuenker.de
 
 


Autor: Werner Friedenberger
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