Mehr Verzicht? Nein, Danke!

Redaktion am 10.01.2023

Info Icon Foto: Alexa / Pixabay
Zeit für eine Veränderung? Dann auf zu neuen Wegen zum Wandel ...

Der Januar ist der Monat der guten Vorsätze. Lange halten diese jedoch meist nicht an. Umso sinnvoller ist es, jetzt über andere Wege zum Wandel nachzudenken, die uns wirklich guttun, meint Chefredakteur Wolfgang Krinninger im Editorial der aktuellen Ausgabe.

Ein paar Tage müs­sen Sie noch durch­hal­ten, dann haben Sie es geschafft: Am 17. Janu­ar ist der inter­na­tio­na­le Wirf-dei­ne-Jah­res­vor­sät­ze-über-Bord-Tag. Ob Sie mit dem Rau­chen auf­hö­ren woll­ten oder mit den Schle­cke­rei­en oder dem Alko­hol – mit die­sem kurio­sen Akti­ons­tag kön­nen Sie ohne schlech­tes Gewis­sen alle guten Vor­sät­ze über Bord wer­fen und wie­der in die gelieb­te Kom­fort­zo­ne des Vor­jah­res zurück­keh­ren. Erfun­den haben die­sen Tag wie­der mal die Ame­ri­ka­ner. Das war‘s dann aber auch schon fast, was man dar­über weiß. 

Natür­lich ist das nicht ganz ernst gemeint. Es scha­det nicht, das eige­ne Sein und Han­deln gele­gent­lich zu über­den­ken, sein Leben zu hin­ter­fra­gen und man­che Wei­chen neu zu stel­len. Schließ­lich warnt schon das Alte Tes­ta­ment: Wer auf ver­kehr­ten Wegen geht, der wird irgend­wann in eine Gru­be fal­len. Und nicht nur Her­mann Hes­se wuss­te um den Zau­ber eines Neuanfangs. 

Ob frei­lich der Jah­res­wech­sel 2023 der rich­ti­ge Zeit­punkt für all­zu aske­ti­sche Vor­sät­ze war, sei dahin­ge­stellt. Denn die ver­gan­ge­nen Mona­te sind wohl nur an ganz hart­ge­sot­te­nen Men­schen spur­los vor­über­ge­gan­gen. Fast drei Jah­re Coro­na, der Krieg in der Ukrai­ne, die Ener­gie­kri­se, die wirt­schaft­li­chen Unwäg­bar­kei­ten in vie­len Haus­hal­ten, die Kli­ma­kri­se – all das drückt aufs Gemüt und bringt Ver­zicht mit sich. Und dann noch der Win­ter, die Käl­te, die lan­gen Näch­te – da bib­bert der Mensch und die Gute-Lau­ne-Hor­mo­ne schlum­mern fest ein­ge­mum­melt tief im Inne­ren unse­res Kör­pers. Noch mehr Ver­zicht? Nein, Danke!

Aber ich frag mich, ob es nicht auch einen ande­ren Weg zum Wan­del gibt. Neh­men wir uns doch ein­fach Din­ge vor, die uns gut tun. Den­ken wir uns wohl­tu­en­de Genie­ßer-Vor­sät­ze aus. Buch­sta­bie­ren wir für uns ein Abc der Zuwen­dung. Vor­stel­len kann ich mir da Vie­les: Klei­nig­kei­ten wie das Nach­ho­len lang auf­ge­scho­be­ner Besu­che, ein Lächeln in der Schlan­ge vor der Super­markt-Kas­se oder ein Ein­kauf im Secon­hand-Laden. Viel­leicht darf‘s auch ein biss­chen mehr sein: Mehr Geld für gute, regio­na­le Lebens­mit­tel, mehr Zeit für ein Gebet oder eine ande­re Art des bewuss­ten Begin­nens und Been­dens des Tages, mehr Mut zum Ver­ge­ben. Wenn es uns dann noch gelingt, bei Feh­lern ande­rer Leu­te bei­de Augen zuzu­drü­cken, uns nicht an die eige­nen Pro­ble­me zu klam­mern und den Mon­tag­mor­gen mit der Stim­mung vom Frei­tag­abend anzu­fan­gen, wär schon viel gewonnen.

Wie, das ist zu viel des Guten? Kein Pro­blem: Sie haben noch mehr als 350 Tage Zeit, um für sich zu ent­schei­den, was Ihnen gut tut und Ihr Leben rei­cher macht. Bis zum 31. Dezem­ber. Dann ist der inter­na­tio­na­le Ent­schei­de-Dich-end­lich-Tag (engl. Make Up Your Mind Day). Dann gibt‘s kein Zurück mehr… bis zum 17. Januar.

Wolfgang
Krinninger

Chefredakteur

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