Wallfahrt

80 Jahre alt – und quicklebendig

Michael Glaß am 21.04.2026

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Begeistert nach der Ankunft in der Basilika in Altötting. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Passauer Jugendfußwallfahrt 2026.

Seit dem Jahr 1946 kommt die Passauer Jugendfußwallfahrt nach Altötting. Das Jubiläum der Generationen übergreifenden Großveranstaltung am 18. April feierten rund 6000 Teilnehmer. Am Ende steht für die Organisatoren vor allem eines fest: Die Wallfahrt lebt – und sie verbindet.

Bischof Ste­fan Oster SDB, der sel­ber ein rund 20 Kilo­me­ter lan­ges Teil­stück von Stamm­ham nach Alt­öt­ting mit­ge­gan­gen war, woll­te es ein­gangs des Got­tes­diens­tes in der Basi­li­ka ganz genau wis­sen: Wie vie­le waren schon 1‑, 5‑, 10‑, 20‑, 30- oder 40-mal dabei? Die vie­len Hän­de wur­den lang­sam weni­ger – einer mel­de­te sich bei der Fra­ge nach der 50. Teil­nah­me. So eine gro­ße schö­ne Tra­di­ti­on“, resü­mier­te der Bischof und bedank­te sich bei allen, die das mög­lich machen“ – bei ehren­amt­li­chen Hel­fern, Ret­tungs­dienst und Poli­zei, und vor allem bei den vie­len Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern, die auf den Rou­ten von Pas­sau, Oster­ho­fen und Schön­au nach Alt­öt­ting gegan­gen waren – zusam­men mit den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, Freun­den und Bekann­ten, die die Wall­fah­rer am Kapell­platz in Alt­öt­ting begrüß­ten, waren es auch heu­er rund 6000, etwas mehr als im ver­gan­ge­nen Jahr. Gera­de die­se Kon­ti­nui­tät mache die Wall­fahrt zu einem leben­di­gen Zeug­nis geleb­ten Glau­bens, beton­te der Bischof.

Impressionen von der Passauer Jugendfußwallfahrt

Ankom­men. Auf­bre­chen. Gott ist der Herr auch unse­rer Zeit“, war im Jubi­lä­ums­jahr das Mot­to, das an den Beginn der Wall­fahrt vor 80 Jah­ren anknüpf­te. Sowohl Jugend­pfar­rer Huber­tus Ker­scher als auch Bischof Ste­fan Oster erin­ner­ten an die Anfän­ge der Wall­fahrt in einer Zeit, die noch von den Schre­cken der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft geprägt war. Damals stand der bewuss­te Bruch mit der Ver­gan­gen­heit im Mit­tel­punkt: ein kla­res Bekennt­nis zum Glau­ben und der Wil­le zum Neu­an­fang. Wir sind bereit und rufen es weit: Gott ist der Herr auch unse­rer Zeit“ – die­ser Satz präg­te schon damals den Auf­bruch und wur­de auch die­ses Jahr wie­der als Leit­ge­dan­ke her­vor­ge­ho­ben. Jugend­pfar­rer Ker­scher erklär­te: Die Zukunft wächst in die­ser Welt nicht durch Leu­te, die mit Waf­fen in der Hand in Kriegs­zü­gen mar­schie­ren, son­dern durch jene, die mit Bla­sen an den Füßen in Wall­fahrts­zü­gen gehen und die Frie­den stif­ten und barm­her­zig sind.“

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Katha­ri­na Wer­ner, Geschäfts­füh­re­rin des Bischöf­li­chen Jugend­am­tes und Mit­or­ga­ni­sa­to­rin der Wall­fahrt, zog ein sehr posi­ti­ves Fazit: alle Teil­neh­men­den sei­en – abge­se­hen von klei­ne­ren Beschwer­den – gut ange­kom­men. Die Stim­mung war super“. Das son­ni­ge und am Nach­mit­tag teils som­mer­li­che Wet­ter trug mit zur guten Atmo­sphä­re bei, ver­lang­te den Pil­gern­den kör­per­lich aber auch eini­ges ab. Die Hel­fer­teams reagier­ten wie gewohnt rou­ti­niert – mit Was­ser, Son­nen­creme und medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung ent­lang der Stre­cke. Orga­ni­sa­to­risch wur­de die­ses Jahr nach­ge­schärft: Ein eigens struk­tu­rier­tes und mit gro­ßem Kreuz gut sicht­ba­res Betreu­ungs­team am Ende des Zuges küm­mer­te sich gezielt um erschöpf­te Teilnehmer.

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Eine Teilnehmerin der Passauer Jugendfußwallfahrt 2026 in Altötting.

Eine sinn­vol­le Ein­rich­tung, die für die meis­ten Pil­ger aber gar nicht nötig war, weil sie sich unter­wegs gegen­sei­tig auf­bau­ten und mit­zo­gen. Das Reden und Rat­schen gehört eben­so zum Wall­fah­ren wie das Beten und Medi­tie­ren und das Schwei­gen und Träu­men. Und auch das Sin­gen: Aua, duad des weh, wenn ma so weit geht“, war eines der meist nach­ge­frag­ten Lie­der beim Gitar­ris­ten und Sän­ger, der auf der Pas­sau­er Rou­te ging und ein paar Meter vor dem Ende des Zuges für musi­ka­li­sche Unter­hal­tung sorg­te. Neben dem umge­dich­te­ten Song von Cree­dence Cle­ar­wa­ter Revi­val („Ah, don‘t go round tonight …“ – Bad moon rising“) spiel­te er Hits vom guten alten Elvis über Sport­freun­de Stil­ler bis hin zu Lie­der, die auch aus dem Got­tes­lob bekannt sind.

Ein­mal und immer wie­der, oder ein­mal und nie wie­der“, ist ein geflü­gel­tes Wort unter den Teil­neh­mern, die schon häu­fi­ger dabei waren. Wer nie wie­der“ sagt, der hat vor allem die Stra­pa­zen im Kopf; wer immer wie­der“ sagt, der hat etwas erlebt, das eben die­se Stra­pa­zen ver­ges­sen lässt. Ein Wall­fahrts-Fee­ling“ nennt es Katha­ri­na Wer­ner. Ein Mit­ein­an­der, das trägt. Es war auch die­ses Jahr eine sehr schö­ne Wall­fahrt“, resü­mier­te sie. Unter­wegs auf der Rou­te Pas­sau habe sie sehr vie­le, zwar schmerz­ver­zerr­te, aber lächeln­de Gesich­ter“ gese­hen, erzähl­te sie auf Nachfrage.

Auf die Fra­ge, was sie der Jugend­fuß­wall­fahrt für die nächs­ten 80 Jah­re wünscht, ant­wor­te­te sie, dass Men­schen jeden Alters auf die­ser Ver­an­stal­tung ihren eige­nen Glau­ben wei­ter­hin auf so unter­schied­li­che Wei­se leben können.

Ähn­lich sieht dies Vero­ni­ka Pon­gratz, eben­falls Mit­glied im Lei­tungs­team und Refe­ren­tin für Pro­jek­te und Orga­ni­sa­ti­on beim Bischöf­li­chen Jugend­amt Pas­sau. Auch für sie ist die Jugend­fuß­wall­fahrt jedes Jahr ein ein­zig­ar­ti­ges Gemein­schafts­er­leb­nis: Ich glau­be, was die Wall­fahrt aus­macht, ist, dass wir unglaub­lich vie­le unter­schied­li­che Men­schen in der Orga­ni­sa­ti­on haben. Man lernt auch wahn­sin­nig vie­le ver­schie­de­ne Leu­te ken­nen – Wall­fah­re­rin­nen und Wall­fah­rer sowie Hel­fen­de kom­men ein­fach zusam­men. Das ist für mich tat­säch­lich das Besondere.“

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner
Eine junge Familie bei der Passauer Jugendfußwallfahrt 2026 in Altötting.

Ver­an­stal­tet und feder­füh­rend orga­ni­siert wird die Jugend­fuß­wall­fahrt vom Bund der Deut­schen Katho­li­schen Jugend (BDKJ) des Bis­tums Pas­sau und dem Bischöf­li­chen Jugend­amt (BJA) Pas­sau in Zusam­men­ar­beit mit den Kirch­li­chen Jugend­bü­ros und den Jugend­ver­bän­den des BDKJ.

Im Zen­trum des – von der Grup­pe Abra­ham“ musi­ka­lisch gestal­te­ten – Got­tes­diens­tes in der Basi­li­ka am Sams­tag­abend stand das Evan­ge­li­um von der Erschei­nung Jesu am See von Tibe­ri­as (Joh 21,114). In sei­ner Pre­digt lenk­te Bischof Oster den Blick auf die Deu­tungs­kraft der Erin­ne­rung: Der Evan­ge­list Johan­nes schrei­be Jahr­zehn­te nach den Ereig­nis­sen und erken­ne im Rück­blick tie­fer, wer Chris­tus ist. Die­se Per­spek­ti­ve ver­knüpf­te der Bischof mit der Erfah­rung der Wall­fahrt: Auch der Glau­be erschlie­ße sich oft erst im Nach­hin­ein – und vor allem durch das Herz. Die Lie­be sieht mehr“, beton­te der Bischof. Vor allem aus die­sem Grund­ge­dan­ken her­aus erge­be sich das Ver­ständ­nis von Kir­che als Gemein­schaft auf dem Weg, als pil­gern­des Volk Got­tes durch die Zeit. Die Ankunft und der auch heu­er wie­der begeis­tern­de Emp­fang der Wall­fah­rer in Alt­öt­ting sind laut Bischof Oster nur ein Licht­lein“ im Ver­gleich zum Eupho­rie­feu­er des Hei­li­gen Geis­tes, wenn wir nach Hau­se“ in den Him­mel kommen.

Michael
Glaß

Redakteur

Stefanie
Hintermayr

TV- / Online-Redakteurin

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