Seit dem Jahr 1946 kommt die Passauer Jugendfußwallfahrt nach Altötting. Das Jubiläum der Generationen übergreifenden Großveranstaltung am 18. April feierten rund 6000 Teilnehmer. Am Ende steht für die Organisatoren vor allem eines fest: Die Wallfahrt lebt – und sie verbindet.
Bischof Stefan Oster SDB, der selber ein rund 20 Kilometer langes Teilstück von Stammham nach Altötting mitgegangen war, wollte es eingangs des Gottesdienstes in der Basilika ganz genau wissen: Wie viele waren schon 1‑, 5‑, 10‑, 20‑, 30- oder 40-mal dabei? Die vielen Hände wurden langsam weniger – einer meldete sich bei der Frage nach der 50. Teilnahme. „So eine große schöne Tradition“, resümierte der Bischof und bedankte sich bei „allen, die das möglich machen“ – bei ehrenamtlichen Helfern, Rettungsdienst und Polizei, und vor allem bei den vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die auf den Routen von Passau, Osterhofen und Schönau nach Altötting gegangen waren – zusammen mit den Familienangehörigen, Freunden und Bekannten, die die Wallfahrer am Kapellplatz in Altötting begrüßten, waren es auch heuer rund 6000, etwas mehr als im vergangenen Jahr. Gerade diese Kontinuität mache die Wallfahrt zu einem lebendigen Zeugnis gelebten Glaubens, betonte der Bischof.
Impressionen von der Passauer Jugendfußwallfahrt
„Ankommen. Aufbrechen. Gott ist der Herr auch unserer Zeit“, war im Jubiläumsjahr das Motto, das an den Beginn der Wallfahrt vor 80 Jahren anknüpfte. Sowohl Jugendpfarrer Hubertus Kerscher als auch Bischof Stefan Oster erinnerten an die Anfänge der Wallfahrt in einer Zeit, die noch von den Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft geprägt war. Damals stand der bewusste Bruch mit der Vergangenheit im Mittelpunkt: ein klares Bekenntnis zum Glauben und der Wille zum Neuanfang. „Wir sind bereit und rufen es weit: Gott ist der Herr auch unserer Zeit“ – dieser Satz prägte schon damals den Aufbruch und wurde auch dieses Jahr wieder als Leitgedanke hervorgehoben. Jugendpfarrer Kerscher erklärte: „Die Zukunft wächst in dieser Welt nicht durch Leute, die mit Waffen in der Hand in Kriegszügen marschieren, sondern durch jene, die mit Blasen an den Füßen in Wallfahrtszügen gehen und die Frieden stiften und barmherzig sind.“
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Katharina Werner, Geschäftsführerin des Bischöflichen Jugendamtes und Mitorganisatorin der Wallfahrt, zog ein sehr positives Fazit: alle Teilnehmenden seien – abgesehen von kleineren Beschwerden – gut angekommen. Die Stimmung war „super“. Das sonnige und am Nachmittag teils sommerliche Wetter trug mit zur guten Atmosphäre bei, verlangte den Pilgernden körperlich aber auch einiges ab. Die Helferteams reagierten wie gewohnt routiniert – mit Wasser, Sonnencreme und medizinischer Versorgung entlang der Strecke. Organisatorisch wurde dieses Jahr nachgeschärft: Ein eigens strukturiertes und mit großem Kreuz gut sichtbares Betreuungsteam am Ende des Zuges kümmerte sich gezielt um erschöpfte Teilnehmer.
Eine sinnvolle Einrichtung, die für die meisten Pilger aber gar nicht nötig war, weil sie sich unterwegs gegenseitig aufbauten und mitzogen. Das Reden und Ratschen gehört ebenso zum Wallfahren wie das Beten und Meditieren und das Schweigen und Träumen. Und auch das Singen: „Aua, duad des weh, wenn ma so weit geht“, war eines der meist nachgefragten Lieder beim Gitarristen und Sänger, der auf der Passauer Route ging und ein paar Meter vor dem Ende des Zuges für musikalische Unterhaltung sorgte. Neben dem umgedichteten Song von Creedence Clearwater Revival („Ah, don‘t go round tonight …“ – „Bad moon rising“) spielte er Hits vom guten alten Elvis über Sportfreunde Stiller bis hin zu Lieder, die auch aus dem Gotteslob bekannt sind.
„Einmal und immer wieder, oder einmal und nie wieder“, ist ein geflügeltes Wort unter den Teilnehmern, die schon häufiger dabei waren. Wer „nie wieder“ sagt, der hat vor allem die Strapazen im Kopf; wer „immer wieder“ sagt, der hat etwas erlebt, das eben diese Strapazen vergessen lässt. Ein „Wallfahrts-Feeling“ nennt es Katharina Werner. Ein Miteinander, das trägt. „Es war auch dieses Jahr eine sehr schöne Wallfahrt“, resümierte sie. Unterwegs auf der Route Passau habe sie „sehr viele, zwar schmerzverzerrte, aber lächelnde Gesichter“ gesehen, erzählte sie auf Nachfrage.
Auf die Frage, was sie der Jugendfußwallfahrt für die nächsten 80 Jahre wünscht, antwortete sie, dass Menschen jeden Alters auf dieser Veranstaltung ihren eigenen Glauben weiterhin auf so unterschiedliche Weise leben können.
Ähnlich sieht dies Veronika Pongratz, ebenfalls Mitglied im Leitungsteam und Referentin für Projekte und Organisation beim Bischöflichen Jugendamt Passau. Auch für sie ist die Jugendfußwallfahrt jedes Jahr ein einzigartiges Gemeinschaftserlebnis: „Ich glaube, was die Wallfahrt ausmacht, ist, dass wir unglaublich viele unterschiedliche Menschen in der Organisation haben. Man lernt auch wahnsinnig viele verschiedene Leute kennen – Wallfahrerinnen und Wallfahrer sowie Helfende kommen einfach zusammen. Das ist für mich tatsächlich das Besondere.“
Veranstaltet und federführend organisiert wird die Jugendfußwallfahrt vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) des Bistums Passau und dem Bischöflichen Jugendamt (BJA) Passau in Zusammenarbeit mit den Kirchlichen Jugendbüros und den Jugendverbänden des BDKJ.
Im Zentrum des – von der Gruppe „Abraham“ musikalisch gestalteten – Gottesdienstes in der Basilika am Samstagabend stand das Evangelium von der Erscheinung Jesu am See von Tiberias (Joh 21,1−14). In seiner Predigt lenkte Bischof Oster den Blick auf die Deutungskraft der Erinnerung: Der Evangelist Johannes schreibe Jahrzehnte nach den Ereignissen und erkenne im Rückblick tiefer, wer Christus ist. Diese Perspektive verknüpfte der Bischof mit der Erfahrung der Wallfahrt: Auch der Glaube erschließe sich oft erst im Nachhinein – und vor allem durch das Herz. „Die Liebe sieht mehr“, betonte der Bischof. Vor allem aus diesem Grundgedanken heraus ergebe sich das Verständnis von Kirche als Gemeinschaft auf dem Weg, als pilgerndes Volk Gottes durch die Zeit. Die Ankunft und der auch heuer wieder begeisternde Empfang der Wallfahrer in Altötting sind laut Bischof Oster „nur ein Lichtlein“ im Vergleich zum „Euphoriefeuer des Heiligen Geistes, wenn wir nach Hause“ in den Himmel kommen.
Stefanie
Hintermayr
TV- / Online-Redakteurin



