Im September, wenn die Temperaturen wieder sinken und trotzdem häufig die Sonne scheint, sind wieder viele Wallfahrer unterwegs – zu Fuß und immer öfter auch mit dem Fahrrad. Eine Auswahl der Pilgergruppen finden Sie hier:
Ankommen beim Herrn
Während die 17 Radpilger des Pfarrverbands Kirchanschöring-Fridolfing aus dem Landkreis Traunstein am 5. September bei der Abfahrt um 7 Uhr morgens von einem gewittrigen Regenschauer überrascht wurden, hatte die Fußpilgergruppe mit 20 Teilnehmern mehr Glück: aber die fuhren ja auch den Hauptteil der Pilgerstrecke mit der Bahn bis Heiligenstatt und machten sich von dort aus zu Fuß, bzw. trockenen Fußes den Kreuzweg entlang sieben Kilometer auf nach Altötting. Wie der Kirchanschöringer Pilgerleiter Manfred Brandmayer als Organisator der Radlergruppe anmerkte: „Ankommen am Pilgerziel ist alles“ – und Höhepunkt war dann der gemeinsame Gottesdienst der Rad‑, Fuß- und Buspilger in der Bruder-Konrad-Kirche – ein Ankommen beim Herrn.
Text und Foto: Roswitha Dorfner
Zur Mutter der Kirche
„Wir beten zu Maria aus Dank, zu unserer Mutter, die zugleich die Mutter der Kirche ist und der ganzen Welt “, erklärte Alexander Frank, Organisator der fünften Radwallfahrt aus Großmehring/Lkr. Eichstätt seinen 26 „Mitstreitern“ am 5. September. Mit dabei als Routen-Anführer der 170-Kilometer-Wegstrecke war Benedikt Frank (19). Dessen Oma und Alexanders Mutter, Monika Frank, war die Wallfahrts-Gründerin. Bereits 14 Mal pilgerten die Großmehringer zu Fuß, fünf Mal per Rad. Der Rosenkranz am Pilgerkreuz erinnerte an die verstorbene Pilgerleiterin Monika Frank in deren Gedenken die Familie Frank die Altötting-Wallfahrt weiterführt. Kapuzinerpater Bruder Berthold Öhler betonte nach der Einbegleitung: „Unsere Welt braucht Güte und Liebe; mit Jesus als Wegbegleiter kommt man gut ans Ziel.“
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Mit offenen Herzen
Zum 21. Mal erreichte die Kolpingsfamilie Wolfratshausen aus dem Landkreis Bad Tölz, dieses Jahr mit zwölf Teilnehmern, nach viertägiger Fußwallfahrt und 120 zurückgelegten Kilometern ihr Pilgerziel. Bei der Ankunft am 6. September und dem Kreuzkuss – der Berührung des Altöttinger Vortragskreuzes mit dem Pilgerkreuz – begleitete Kapuzinerpater Berthold Oehler die Pilgergruppe über den „belebten“ Kapellplatz, auf dem der sehr beliebte Klostermarkt stattfand. Vor der Gnadenkapelle wurde kurz Statio gehalten. „Maria empfängt Euch mit offenem Herzen für all Eure mitgebrachten Anliegen“, versicherte P. Berthold. Die langjährige Wallfahrtsorganisatorin Karin Wandinger konnte dieses Jahr nicht dabei sein, und Vorbeter Ludwig Schwibbacher marschierte wegen Fußproblemen nicht mit, war aber zur Pilgerbegrüßung am Kapellplatz. Gottesdienst wurde im Anschluss mit Pfarrer Lorenz Poschenrieder unter Assistenz von Kolpingpräses
Diakon Christian Horak gefeiert.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Lebendiges Wasser
Den Aufenthalt in Altötting als eine Zeit für inneren Frieden und Stärkung zu sehen, das wünschte Paulinerpater Michael Lukoszek den 46 Teilnehmern an der 21. Radwallfahrt aus Oberpfraundorf-Beratzhausen, nachdem er diese am 6. September zur Gnadenkapelle einbegleitet und den Pilgersegen gespendet hatte. Mit dabei war erneut der dritte Bürgermeister und „amtierende Radlbürgermeister“ Ludwig Scheurer. Wallfahrtsleiterin Barbara Wittmann freute sich über den reibungslosen Ablauf: „Wir hatten eine spannende, zweitägige Wallfahrt“, betonte sie lächelnd und dankbar zugleich und erklärte: „Zum einen, da bei der Abfahrt der Regen aufhörte und wir ideales Pilgerwetter hatten; zum anderen: Wir fanden unterwegs immer jemanden zum Reden oder zum gemeinsamen Schweigen. Schee war’s!“ Das diesjährige Wallfahrtsmotto war „Lebendiges Wasser“. Es erinnerte an Jesus als Quelle des Lebens.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Menschen zu Maria führen
Es ist eine besondere Ehre, wenn der Bischof persönlich bei einer Buswallfahrt als „Vorbeter“ teilnimmt – so geschehen bei der Pilgerfahrt aus der Erzdiözese Bamberg mit Erzbischof Herwig Gössl, und unter der bewährten Organisation von Pius Schiele, Mitorganisator Horst Fischer sowie Pfarrer Christian Wohlfahrt aus Waischenfeld und Priester-Anwärter Felix Löwe. Mit Verweis auf das Altöttinger Pilgerkreuz betonte der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Paulinerpater Paul Binkowski, bei der Begrüßung der 100 Wallfahrtsteilnehmer nach der Ankunft am 12. September am Altöttinger Busparkplatz am Bahnhof: „Mit dem Zeichen des Kreuzes als Zeichen der Hoffnung sind wir Euch entgegengegangen, Gott geht alle Wege mit.“
Nach dem Einzug zur Gnadenkapelle und dem gemeinsam gesungenen Lied „Segne du Maria“ wurde dem langjährigen Pilger- und Reiseleiter Pius Schiele nachträglich zum 80. Geburtstag gratuliert. Nächstes Jahr ist dann Mitorganisator Horst Fischer zum Gratulieren dran, wie langjährige Teilnehmer verrieten. Seit 75 Jahren organisiert das Reisebüro Schiele Pilgerfahrten zum Gnadenort mit dem Anliegen „die Menschen zur Muttergottes zu führen“. Für diese Treue sei ein herzliches Vergelt’s Gott gesagt, wie P. Paul betonte. Er wünschte den Pilgern viele schöne Stunden am Gnadenort der Gottesmutter, „damit Sie mit Freude und Frieden im Herzen nach Bamberg zurückkehren“.
Erzbischof Herwig Gössl, der dem abendlichen Gottesdienst in der St. Anna-Basilika mit anschließender Lichterprozession vorstand, versicherte in seiner Predigt: „Eineinhalb Stunden Rosenkranz-Gebet sind für die Seele wirkungsvoller als stundenlang Social Media zu konsumieren.“
Die Blaskapelle Amlingstadt, langjährige Begleiter der Bamberger Pilgerfahrt, sorgten für die musikalische Umrahmung bei den Gottesdiensten und der Lichterprozession, wobei natürlich gerade zum Abschluss der abendlichen Lichterprozession das fränkische Marienlied „O himmlische Frau Königin“ nicht fehlen durfte.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Mit Kreuz und Pilgermadonna
Am 13. September hat der stellvertretende Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Bruder Marinus Parzinger die „Rupertiwinkler Fußwallfahrer“ über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilika begleitet. Trotz des warmen Pilgerwetters hatten die etwa 100 Teilnehmer 60 Kilometer in zwei Tagen geschafft. Dabei trugen sie traditionell ein schweres Pilgerkreuz und eine Figur der Fatima-Madonna mit. Wallfahrtsleiter Alois Thannbichler äußerte sich dankbar über den guten Wallfahrtsablauf und freute sich auch über das „Geschwister-Treffen“, denn Heilig-Kreuz-Schwester Clarissa Thannbichler hieß ihren Bruder mit seiner Familie herzlich am Gnadenort willkommen, reihte sich die letzten Meter in die Pilgergemeinschaft aus Teisendorf und Umgebung ein und nahm am Gottesdienst in der St. Anna-Basilika teil. Bruder Marinus predigte über das Sonntagsevangelium (Mt 18,21) und sprach über die Schwierigkeit der Vergebung, wenn einem Unrecht widerfahren ist. Doch gemessen an Gottes unendlicher Güte und an seinem Wohlwollen für uns, „weitet sich unser Herz in Dankbarkeit, dass auch für den Bruder oder die Schwester, die uns verletzt hat, Platz ist“ (Buch Jesus Sirach, Sir 28,7): Wohl denen, die sich versöhnen, der Liebe Jesu willen, betonte er. Im Gedenken an den Heiligen Franziskus, dessen Transitus (Hinübergehen) sich dieses Jahr zum 800. Mal jährt, sind dessen letzten Worte an seine Ordensbrüder ein Loslassen in Dankbarkeit und zugleich wegweisend für uns alle, wie Bruder Marinus feststellte: „Ich habe das Meine getan! Das Eure wird euch Gott weisen.“
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Saisonabschluss
Besser kann es nicht geplant sein: Die Fahrrad-Freunde um Dompropst i.R. Hans Striedl (82) sind am 18. September zum Saisonabschluss nach Altötting geradelt. Sie starteten in Passau so gegen 8.30 Uhr, Ankunft war um 17 Uhr. Seit Striedls Kaplanszeit in Hauzenberg in der 1970er-Jahren ist die Männergruppe befreundet und seit 2003 radeln sie gemeinsam. Für Dompropst i.R. war es eine Selbstverständlichkeit, dass er nach dem Besuch der Gnadenkapelle auch die Anbetungskapelle aufsuchte, um bei einem Gebet an der letzten Ruhestätte von Bischof Wilhelm Schraml zu verweilen. Schließlich machten sich die Radpilger mit ihren E‑Bikes – einer wählte die sportliche Variante ohne Hilfsmotor – auf zum Übernachtungsquartier im Franziskushaus. Nach dem Abendessen war aber noch nicht Schlafenszeit, sondern die Fahrrad-Freunde ließen sich vom „Fest der Sinne“ am Kapellplatz mit musikalischen Veranstaltungen in den Kirchen und im Kultur-Forum beeindrucken.
Text und Foto: Roswitha Dorfner
Bürgermeister trägt Kreuz
Alle zwei Jahre kommt eine Buspilgergruppe aus dem Seelsorgebereich Kulmbach mit der Pfarrei Wartenfels-Presseck nach Altötting. Nach 2024 machten sich die Wallfahrer aus Oberfranken unter der geistlichen Leitung von Pfarrer Holger Fiedler am 19. September in langjähriger Tradition auf den Weg, insbesondere, um an der abendlichen Lichterprozession teilzunehmen. Nach Ankunft am Gnadenort wurden sie von Paulinerpater Michael Lukoszek beim Treffpunkt Hotel Plankl in Empfang genommen, unter musikalischer Verstärkung eines Bläserensembles zum Kapellplatz einbegleitet und vor der Gnadenkapelle mit herzlichen Segenswünschen begrüßt. Der Zweite Bürgermeister und zugleich Kirchenpfleger von Presseck, Raimund Graß, trug der Pilgergruppe das mitgebrachte Vortragskreuz voraus und freute sich über sein persönliches Pilgerjubiläum: vor 50 Jahren war er zum ersten Mal Teilnehmer dieser Wallfahrt zur Gnadenmutter nach Altötting, wie er erzählte.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Näher zum Herrgott und Maria
Wenn die Fußwallfahrer aus Mondsee/Oberösterreich in Altötting eintreffen, dann traditionell in Verbindung mit „schneidiger Marschmusik“ der Bürgerstadtkapelle. Am 19. September fand der Einzug über den Kapellplatz – Paulinerpater David Kolodziejczyk übernahm die Einbegleitung und Begrüßung – in ungewohnter Stille, ohne musikalische Umrahmung statt. „Die Bürgerstadtkapelle musste einen anderen Termin wahrnehmen“, wie Pilgerleiter Thomas Steinbichler bedauerte. Ersatzweise war die Musikkapelle Tiefgraben aus Mondsee zur Gottesdienstgestaltung in der Basilika eingesprungen. Letztendlich kommt es bei einer Fußwallfahrt auf andere Dinge an, die wichtig sind, wie ein Teilnehmer erzählte: „Vor drei Jahren hat ein guter Freund zu mir gesagt, ich soll mitgehen nach Altötting. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, denn dies hat mich näher gebracht zum Herrgott und zu Maria. Es ist eine schöne Pilgergemeinschaft, alle sind bei dem zweieinhalbtägigen Fußmarsch mit gleichem Ziel, Geist und Gesinnung unterwegs.“ Eine andere Teilnehmerin, zum ersten Mal dabei, hat sich irrsinnig gefreut aufs „Unterwegssein mit Jesus und lieben Freunden“; außerdem freute sie sich „über das öffentliches Glaubenszeugnis, den Glockengruß an den verschiedenen Stationen unterwegs, ein Freisein von schweren Lasten auf dem Pilgerweg des Vertrauens, und dass alles gut wird“. Prälat Johann Holzinger, der mit seinen Mondseern den Gottesdienst feierte, lenkte den Blick auf verschiedene Wallfahrtswege, nicht nur in unserem Land, sondern in ganz Europa. Hier träfen Menschen zusammen, die oft weite Entfernungen zurücklegten, mit schmerzenden Füßen, die an ihre Grenzen gehen, um „zu sich selber zu kommen“. „Wo kommen wir da an?“, hinterfragte er. Als Pilger auf unserem irdischen Lebensweg, erklärte Prälat Holzinger, hätten wir alle ein Ziel. Die entscheidende Antwort auf die Frage nach dem Ankommen überliefere Jesus, der sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, außer durch mich!“ (Joh 14,6)
Text und Fotos: Roswitha Dorfner

