Festgottesdienst beim Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC) am 20. September mit rund 1000 Teilnehmern und Kapuzinerprovinzial Bruder Helmut Rakowski
Über ein „prachtvolles Bild“ freute sich Bruder Helmut, als er vom Altarraum den Blick schweifen ließ. Gut gefüllt war die Basilika St. Anna einmal mehr in diesem Jahr. An besonderen Festtagen, bei großen Wallfahrtszügen und bei den beiden Hauptfesten der MC zahlt es sich aus, dass dieses Gotteshaus Platz für so viele Besucher bietet. Thema war die im Jahr 1913 zur „Päpstlichen Basilika“ erhobene Kirche am diesjährigen Herbsthauptfest deshalb, weil es in den Jahren 1910-12 die Kapuziner waren, die sie mit Hilfe vieler Spender errichten ließen und sich seitdem um den Betrieb und die Erhaltung des Bauwerks kümmerten. Weil der Orden jedoch aufgrund seiner rechtlichen Stellung das Eigentumsrecht nicht übernehmen durfte, sprang 1930 die MC ein und schloss mit den Kapuzinern einen Vertrag über eine Erbpacht. Dieser Vertrag läuft 1929 aus. Das Eigentumsrecht wird dann wieder an die MC übergehen.
Die Zukunft der Basilika ist also offen, die Beteiligten zeigten sich an diesem Tag jedoch allesamt zuversichtlich. Ziel ist die Gründung einer Stiftung, aus deren Erträgen die St. Anna Basilika in Zukunft getragen werden soll. Dazu informierte MC-Präfekt Stefan Burghart beim Treffen der MC-Obmänner im Kongregationssaal: „Alle Verträge sind vorbereitet.“ Aktuell würden noch Details mit dem Finanzamt geklärt. Sobald amtlicherseits grünes Licht gegeben worden sei, könne die Stiftung offiziell gegründet werden und der Aufbau des Grundstockvermögens beginnen. Ausdrücklich dankte Burghart nicht nur den Kapuzinern für die gute Zusammenarbeit bei diesem Thema in den vergangenen zweieinhalb Jahren, sondern vor allem auch dem Bistum Passau für die bisherige Unterstützung u.a. in rechtlichen Fragen.
Dass in Sachen Basilika nicht nur „Zahlen“ über ein gutes Gelingen entschieden, sondern auch das Gebet, daran erinnerte ein MC-Obmann mit Blick auf den heiligen Bruder Konrad, der bereits Anfang des 20. Jahrhunderts beim Bau der Basilika erfolgreich um Fürbitte angerufen worden sei. Ein Gedanke, den Bruder Helmut gerne aufgriff. Ausdrücklich dankte er der MC für ihre „Gemeinschaft im Gebet und im Glauben“. Er erinnerte daran, dass es beim Beten nicht darum ginge, die Verantwortung einfach an Gott weiterzugeben, im Gegenteil: „Das Gebet ist ein Akt der Erneuerung. Wichtig ist, dass wir danach rausgehen und wissen: Gott gibt uns Kraft, er hat uns beschenkt.“
Impressionen vom MC-Herbsthauptfest mit Gottesdienst, Prozession und Obmännertreffen
Damit wiederholte Bruder Helmut einen Grundgedanken, den er bereits in seiner Predigt zu einem sehr herausfordernden Evangelium über „Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“ (Mt 20,1−16) anklingen hat lassen. Eigentlich widerspreche dessen Aussage unserem Gerechtigkeitssinn, stellte er fest. Es erscheine alles andere als fair, wenn der Arbeiter, der erst am Abend kommt, genauso viel Lohn erhält, wie derjenige, der sich schon seit dem frühen Morgen abrackert. Aber: „Gottes Reich unterliegt nicht den Gesetzen der Marktwirtschaft“, betonte Bruder Helmut. Es gehe beim Eintritt ins Paradies nicht um die Frage, wer besser gewesen sei und andere übertrumpft habe, denn dieser Eintritt sei eine Gnade, ein Geschenk. Der Prediger betonte: „Als Beschenkte folgen wir Christus an der Seite Marias, und darum kämpfen wir weder in der Kirche noch in der Gesellschaft noch in der Politik gegen andere, sondern folgen dem Beispiel Jesu, der als Herr des Weinbergs selbst dem, der kurz vor Feierabend kommt, das Leben schenkt.“ Bruder Helmut resümierte: „Wenn wir heute hier herausgehen und sagen: ‚Ich habe mir das Heil nicht verdient, sondern ich bin beschenkt worden‘, dann sehen wir die Welt neu, begegnen den Nahen und Fernen, den Bekannten und Fremden auf neue Weise. Dann erfüllt sich das Reich Gottes, von dem Jesus im Evangelium spricht.“
Nach dem von der Altöttinger Hofmusik unter Leitung von Karlmann Kanzler feierlich musikalisch gestalteten Gottesdienst zogen die Besucher, voran die 37 Fahnenabordnungen einzelner Ortsgruppen, in einer Eucharistischen Prozession hinauf zur Gnadenkapelle, wo Bruder Helmut den Schlusssegen mit der Monstranz spendete. Zu Beginn des Gottesdienstes hatte MC-Präses Bruder Georg Greimel neben dem Hauptzelebranten, Bruder Helmut – er ist Provinzial der sogenannten „Deutschen Kapuzinerprovinz“, zu der neben deutschen Brüdern auch jene aus Belgien und den Niederlanden sowie Brüder aus Tirol in Österreich gehören –, mehrere Konzelebranten und die zahlreichen Besucher mit u.a. . Landrat a.D. Erwin Schneider, Altöttings Drittem Bürgermeister Hubert Rothmayer und PGR-Vorsitzender Luise Hell begrüßt. Während der Messe ließen sich vier Männer neu in die MC aufnehmen, 25 MC-Sodalen legten nach einjähriger Mitgliedschaft ihre Lebensweihe ab. Mehr Infos zur MC finden sich auf der neu gestalteten Website unter www.mc-altoetting.de.
Michael
Glaß
Redakteur

