Foto: Peter Raster
In einem Kreuzgewölbe unter dem Pfarrbüro ist mit viel Eigenleistung eine Krypta entstanden. Am Herz-Jesu-Festtag wurde sie ihrer Bestimmung übergeben. Der Mailänder Künstler Armando Fettolini stellte dafür ein Kunstwerk zur Verfügung.
Freitagmorgen 9 Uhr – Vilshofen erwacht. Die ersten Geschäftsleute stellen Waren vor den Geschäften auf, und wer jetzt noch im Bett schlummert, den lässt das festliche Glockengeläut der Stadtpfarrkirche aus dem Bett purzeln. Wahrscheinlich werden es nur die Katholiken der Fortgeschrittenen-Stufe wissen – es wird das Heiligste-Herz-Jesu-Fest gefeiert als Gedenken der unendlichen Liebe Gottes zur Menschheit, traditionell am dritten Freitag nach Pfingsten. Dieses Mal stand aber noch ein ganz besonderes Ereignis an, nämlich – im 800. Todesjahr des Franz von Assisi – die Segnung der neuen Krypta Vilshofens. Beginnend mit einer Einstimmung in der Stadtpfarrkirche führte die anschließende Prozession zur wenige Schritte entfernten Krypta (unterhalb des Pfarrbüros), wo die Feier der heiligen Messe und Segnung unter dem Schutzheiligen Carlo Acutis stattfand. Der vor kurzem heiliggesprochene Italiener Carlo Acutis liegt in Assisi begraben. Er war im Alter von 15 Jahren verstorben und wurde von vielen als „Influencer Gottes“ bezeichnet.
Dass Vilshofen neuerdings eine Krypta besitzt, ist einem Zufall – man könnte es auch „Fügung“ nennen – geschuldet. Als Pfarrer Peter Kieweg im vergangenen Herbst seinen Dienst in Vilshofen antrat, machte er sich zunächst mit den Räumlichkeiten vertraut. Unter dem Pfarrbüro stieß er auf einen unscheinbaren, vollgestellten Abstellraum mit einem architektonischen Detail, nämlich einem Kreuzgewölbe, wie man es aus spätromanischen Krypten kennt und wie man es auch im Wittelsbacher Zollhaus, dem heutigen Dell’Arte Restaurant finden kann.
Foto: Peter Raster
Kieweg erkannte das Potenzial – und das war der Beginn der Metamorphose von der Rumpelkammer zur Krypta. Mit viel Beharrlichkeit und handwerklicher Eigenleistung wurde der Raum entrümpelt, geputzt, ausgemalt, technisch erneuert und liturgisch gestaltet.
Das Wort „Herz“ zog sich an diesem ‚Heiligste Herz Jesu‘ Fest wie ein roter Faden durch die Predigt, in der Pfarrer Kieweg von der „Herzkammer des Glaubens“ sprach, einem Ort der persönlichen Begegnung mit Christus. „Gott ist in uns verliebt“, sagte er. „Und wer hierherkommt, soll seine Nähe spüren.“ In der Tat, während in der großen Stadtpfarrkirche die ca. 30 Gläubigen sich noch verloren vorkommen mussten – spürten sie in der kleinen, etwas verborgen liegenden und in rotes Licht getauchten Krypta die Gemeinschaft, Nähe und Geborgenheit. Es hatte irgendwie einen Hauch von Urchristentum.
Geprägt wird die neue Krypta durch ein großformatiges Kreuzigungsbild, einem Kunstwerk des Mailänder Künstlers Armando Fettolini, bestehend aus sechs Einzelbildern, die die österliche Botschaft von Auferstehung, Hoffnung und Neubeginn vermitteln. Es zeigt u.a. den „Strom der Liebe aus der Seite Jesu“, der aus dem Hauptbild in das Detailbild mit der Dornenkrone fließt.
Foto: Peter Raster
Das Bild gelangte auf Vermittlung des Künstlerseelsorgers des Bistums Passau, Domvikar Dr. Bernhard Kirchgessner, nach Vilshofen. Der Künstler schenkte es der Pfarrei unter der Auflage, dass es in der Krypta hängen bleibt.
Die Krypta kann zu den Öffnungszeiten der Stadtpfarrkirche besucht werden. Die Stühle stammen vorerst aus dem Pfarrsaal, neue Kniestühle sind bestellt. Aber: „Auch die Sagrada Família ist bis heute nicht vollendet“, sagte Pfarrer Kieweg in seiner Predigt. „Unvollendet zu sein ist kein Makel, sondern Ausdruck von Wachstum und Sehnsucht.“ Immerhin. Der Bischof habe die Krypta offiziell genehmigt, womit das Allerheiligste dort aufbewahrt werden dürfe.
Text und Fotos: Peter Raster

