Bistum

Von der Rumpelkammer zur Krypta

Redaktion am 29.06.2026

Info Icon Foto: Peter Raster
Eine besondere Atmosphäre herrscht in der Krypta in Vilshofen, die bei einem Gottesdienst nun gesegnet worden ist.

In einem Kreuzgewölbe unter dem Pfarrbüro ist mit viel Eigenleistung eine Krypta entstanden. Am Herz-Jesu-Festtag wurde sie ihrer Bestimmung übergeben. Der Mailänder Künstler Armando Fettolini stellte dafür ein Kunstwerk zur Verfügung.

Frei­tag­mor­gen 9 Uhr – Vils­ho­fen erwacht. Die ers­ten Geschäfts­leu­te stel­len Waren vor den Geschäf­ten auf, und wer jetzt noch im Bett schlum­mert, den lässt das fest­li­che Glo­cken­ge­läut der Stadt­pfarr­kir­che aus dem Bett pur­zeln. Wahr­schein­lich wer­den es nur die Katho­li­ken der Fort­ge­schrit­te­nen-Stu­fe wis­sen – es wird das Hei­ligs­te-Herz-Jesu-Fest gefei­ert als Geden­ken der unend­li­chen Lie­be Got­tes zur Mensch­heit, tra­di­tio­nell am drit­ten Frei­tag nach Pfings­ten. Die­ses Mal stand aber noch ein ganz beson­de­res Ereig­nis an, näm­lich – im 800. Todes­jahr des Franz von Assi­si – die Seg­nung der neu­en Kryp­ta Vils­ho­fens. Begin­nend mit einer Ein­stim­mung in der Stadt­pfarr­kir­che führ­te die anschlie­ßen­de Pro­zes­si­on zur weni­ge Schrit­te ent­fern­ten Kryp­ta (unter­halb des Pfarr­bü­ros), wo die Fei­er der hei­li­gen Mes­se und Seg­nung unter dem Schutz­hei­li­gen Car­lo Acu­tis statt­fand. Der vor kur­zem hei­lig­ge­spro­che­ne Ita­lie­ner Car­lo Acu­tis liegt in Assi­si begra­ben. Er war im Alter von 15 Jah­ren ver­stor­ben und wur­de von vie­len als Influen­cer Got­tes“ bezeichnet.

Dass Vils­ho­fen neu­er­dings eine Kryp­ta besitzt, ist einem Zufall – man könn­te es auch Fügung“ nen­nen – geschul­det. Als Pfar­rer Peter Kie­weg im ver­gan­ge­nen Herbst sei­nen Dienst in Vils­ho­fen antrat, mach­te er sich zunächst mit den Räum­lich­kei­ten ver­traut. Unter dem Pfarr­bü­ro stieß er auf einen unschein­ba­ren, voll­ge­stell­ten Abstell­raum mit einem archi­tek­to­ni­schen Detail, näm­lich einem Kreuz­ge­wöl­be, wie man es aus spät­ro­ma­ni­schen Kryp­ten kennt und wie man es auch im Wit­tels­ba­cher Zoll­haus, dem heu­ti­gen Dell’Arte Restau­rant fin­den kann.

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Geprägt wird die neue Krypta in Vilshofen durch ein großformatiges Kreuzigungsbild, einem Kunstwerk des Mailänder Künstlers Armando Fettolini, bestehend aus sechs Einzelbildern, die die österliche Botschaft von Auferstehung, Hoffnung und Neubeginn vermitteln.

Kie­weg erkann­te das Poten­zi­al – und das war der Beginn der Meta­mor­pho­se von der Rum­pel­kam­mer zur Kryp­ta. Mit viel Beharr­lich­keit und hand­werk­li­cher Eigen­leis­tung wur­de der Raum ent­rüm­pelt, geputzt, aus­ge­malt, tech­nisch erneu­ert und lit­ur­gisch gestaltet.

Das Wort Herz“ zog sich an die­sem Hei­ligs­te Herz Jesu‘ Fest wie ein roter Faden durch die Pre­digt, in der Pfar­rer Kie­weg von der Herz­kam­mer des Glau­bens“ sprach, einem Ort der per­sön­li­chen Begeg­nung mit Chris­tus. Gott ist in uns ver­liebt“, sag­te er. Und wer hier­her­kommt, soll sei­ne Nähe spü­ren.“ In der Tat, wäh­rend in der gro­ßen Stadt­pfarr­kir­che die ca. 30 Gläu­bi­gen sich noch ver­lo­ren vor­kom­men muss­ten – spür­ten sie in der klei­nen, etwas ver­bor­gen lie­gen­den und in rotes Licht getauch­ten Kryp­ta die Gemein­schaft, Nähe und Gebor­gen­heit. Es hat­te irgend­wie einen Hauch von Urchristentum.

Geprägt wird die neue Kryp­ta durch ein groß­for­ma­ti­ges Kreu­zi­gungs­bild, einem Kunst­werk des Mai­län­der Künst­lers Arman­do Fet­to­li­ni, bestehend aus sechs Ein­zel­bil­dern, die die öster­li­che Bot­schaft von Auf­er­ste­hung, Hoff­nung und Neu­be­ginn ver­mit­teln. Es zeigt u.a. den Strom der Lie­be aus der Sei­te Jesu“, der aus dem Haupt­bild in das Detail­bild mit der Dor­nen­kro­ne fließt.

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Eine besondere Atmosphäre herrscht in der Krypta in Vilshofen, die bei einem Gottesdienst nun gesegnet worden ist.

Das Bild gelang­te auf Ver­mitt­lung des Künst­ler­seel­sor­gers des Bis­tums Pas­sau, Dom­vi­kar Dr. Bern­hard Kirch­gess­ner, nach Vils­ho­fen. Der Künst­ler schenk­te es der Pfar­rei unter der Auf­la­ge, dass es in der Kryp­ta hän­gen bleibt.

Die Kryp­ta kann zu den Öff­nungs­zei­ten der Stadt­pfarr­kir­che besucht wer­den. Die Stüh­le stam­men vor­erst aus dem Pfarr­saal, neue Knie­stüh­le sind bestellt. Aber: Auch die Sagra­da Famí­lia ist bis heu­te nicht voll­endet“, sag­te Pfar­rer Kie­weg in sei­ner Pre­digt. Unvoll­endet zu sein ist kein Makel, son­dern Aus­druck von Wachs­tum und Sehn­sucht.“ Immer­hin. Der Bischof habe die Kryp­ta offi­zi­ell geneh­migt, womit das Aller­hei­ligs­te dort auf­be­wahrt wer­den dürfe.

Text und Fotos: Peter Raster

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