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In Zeiten von hohen Scheidungsraten und viel Herzschmerz aufgrund zerbrochener Beziehungen stellt sich die Frage, wie eine Beziehung heute auf Dauer gelingen kann. Was macht eine Beziehung wirklich stark? Wie bleibt man glücklich als Paar? Das Ehepaar Hauser spricht in unserer Adoratio-Interviewreihe darüber – aus persönlicher Erfahrung und aus der Erfahrung aus der Begleitung von zahlreichen Paaren in den letzten Jahren.
Viele Paare wünschen sich eine erfüllte Beziehung, wissen aber nicht genau, wie sie aktiv daran arbeiten können. Was sind kleine, alltagstaugliche Gewohnheiten, die langfristig einen großen Unterschied machen?
Lucia Hauser: Es sind vor allem die kleinen Gesten, die einfach sind und nichts kosten, aber immens auf das Beziehungskonto einzahlen. Kleine Taten, die zeigen: Ich denke an dich, du bist wertvoll. Ebenso sind es Worte wie z. B. „Bitte“, „Danke“, „Entschuldigung“, „Kann ich dir helfen?“, „Das Kleid steht dir gut“, „Ich bin stolz auf dich“, „Ich liebe dich“. Wertschätzende Worte haben eine enorme Kraft, negative Worte leider noch viel mehr. Sich mindestens einmal in der Woche etwas Zeit für die Beziehung nehmen; miteinander ins Gespräch kommen, echtes Interesse am Partner zeigen, wie geht es dir?, dem anderen sein Herz anvertrauen. Feste Rituale, z. B. sich in die Augen schauen, umarmen, miteinander beten, „A family who prays together, stays together“ (Mutter Teresa).
Hans-Peter Hauser: Eine innere Herzenshaltung der Liebe macht den Unterschied. Ich kann mich immer für die Liebe entscheiden! Regelmäßige Reflexion hilft: Will ich ein liebender Mensch sein?
Gibt es einen häufigen Denkfehler über Liebe oder Beziehung, dem viele Paare aufsitzen?
Hans-Peter Hauser: Ein häufiger Denkfehler ist die Annahme, dass Liebe ausschließlich ein Gefühl ist. Viele lassen sich von Gefühlen leiten. Das ist eine fragile Basis. Wenn ich Liebe mit Gefühl gleichsetze, erwarte ich, dass mir mein Partner das gibt, was ich brauche, und dass er mich glücklich macht. Es geht somit vor allem um mich. Natürlich sehnt sich jeder danach, geliebt zu werden. Aber Liebe bleibt nicht bei sich stehen. Sie will das Gute für den anderen.
Lucia Hauser: Wahre Liebe vereint beides – zu lieben und geliebt werden. Sie entfaltet sich in Freiheit. Immer wenn ich aufhöre, um mich selbst zu kreisen, und beginne, das Wohl des anderen im Blick zu haben, bin ich auf einem guten Weg. Liebe ist eine Entscheidung und eine Fähigkeit, die ich entwickeln kann.
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Wenn ein Paar das Gefühl hat, gerade festzustecken oder sich voneinander entfernt zu haben: Was wäre ein erster, konkreter Schritt zurück aufeinander zu?
Hans-Peter Hauser: Eine bewährte Hilfe möchten wir hier gerne teilen: Das Paar sollte sich bewusst Zeit füreinander nehmen, sich in Ruhe aufeinander einlassen. Sich in die Augen schauen, sich berühren, vielleicht an den Händen nehmen. Dann sollten beide sich jeweils selbst fragen: „Was war mein Anteil, dass wir heute dort sind, wo wir sind?“ Und diese Erkenntnis dem Partner mitteilen. Den Partner dann dafür um Vergebung bitten. Ihm sagen, wofür ich dankbar bin, was ich an ihm wertschätze, was ich an ihm bewundere. Und sich abschließend überlegen, was ich in die Waagschale werfen möchte, damit wieder mehr Nähe zwischen uns ist.
Wie wichtig ist Vergebung in einer Partnerschaft – und wie kann man lernen, wirklich zu vergeben, wenn man verletzt wurde?
Lucia Hauser: Vergebung ist essentiell, damit alte Lasten bzw. Verletzungen nicht ewig hinter sich hergezogen werden und immer schwerer werden, vergleichbar mit einem riesigen Müllsack, den man nicht loslassen will. Denn wenn ich nicht vergebe, hat die Person, die mich verletzt hat, quasi die Fernbedienung über mein Leben in der Hand.
Es ist ein Trugschluss, dass ich durch meine Weigerung, zu vergeben, einen „Trumpf“ in der Hand habe, denn ich vergifte mich dadurch selbst und die Beziehung. Dies schwächt zudem meinen Körper und meine Psyche, was wissenschaftlich erwiesen ist. Vergebung schenkt Freiheit. Sie stellt jeden in seine eigene Verantwortung zurück und ist eine Chance, um ohne Ballast neu zu beginnen. Danach sehnt sich sicher jeder. Ein Lebensstil der Vergebung gelingt durch meine Freiheit des Willens und das konkrete Tun. Das heißt: „Ich vergebe, weil ich vergeben will, auch wenn du mir nicht vergeben willst.“ Ich bitte um Vergebung, wenn ich erkenne, dass ich meinen Partner verletzt habe. Je häufiger ich das tue, umso leichter fällt es mir und wird zu einer lebensverändernden Gewohnheit.
In Ihrer Arbeit mit „LiebeLeben.com“ begleiten Sie viele Paare. Gibt es eine Erkenntnis, die Sie immer wieder überrascht oder besonders berührt?
Lucia Hauser: Wir haben viele Momente erlebt, die uns zu Tränen gerührt haben! Wir denken an Ehepaare, die nach jahrelanger emotionaler und körperlicher Eiszeit wieder zu einer Einheit zusammengefunden haben. Oder an Paare, die bereits getrennt waren und nach einem „GRENZENLOS LIEBE“-Wochenende einen dauerhaften Neubeginn geschafft haben. Ihre Krise wurde so in etwas Schönes und Starkes verwandelt. Wir erleben verletzte Menschen, die durch die Entscheidung für die Liebe Heilung finden. Ihr Daheim wurde wieder ein Ort von Liebe und Wärme.
Hans-Peter Hauser: Wir erinnern uns an berührende Feedbacks. Wir hören, dass innerlich leere Beziehungen und Ehen wieder aufleben und Sexualität zu Begegnung und Hingabe wird. Die Liebe wird (wieder) in den Mittelpunkt der Ehe und Familie gestellt. Und es finden Menschen zu Gott. Die wichtigste Erkenntnis von alldem ist, dass Gott die Liebe ist, und wenn Menschen durch eine bewusste Entscheidung die Liebe in ihren Beziehungen im Alltag leben, findet Heilung statt und wir begeben uns auf den Weg der Liebe, der letztlich der Weg Jesu ist und zum Vater führt.
Wenn Sie auf Ihre 36 Jahre Ehe zurückblicken: Was hätten Sie gerne früher über Beziehung gelernt?
Hans-Peter Hauser: Es heiraten zwei sehr unterschiedliche Menschen, Mann und Frau mit verschiedenen Temperamenten und Prägungen, jeder mit seinen Verletzungen, Stärken und Schwächen. Die Unterschiedlichkeit ist zu Beginn oft sehr anziehend, nach ein paar Jahren fängt sie jedoch meist an, zu nerven. Man will den anderen ändern, was aber nicht möglich ist, denn jeder kann nur sich selbst ändern. Viele Paare begeben sich so auf einen Weg, wo sie an Nähe, Vertrautheit und Zuneigung verlieren, die Beziehungsspirale dreht sich nach unten. Paare landen oft schleichend auf einem Niveau, wo sie funktionieren, den Alltag bewältigen, für die Familie da sind, doch das Potenzial der Liebe nicht entfalten. Manche Paare trennen sich. Auch wir haben das so erfahren, unsere Ehe funktionierte, mal besser, mal schlechter. In unseren Seminaren erleben wir immer wieder Paare, denen es auch so erging.
Lucia Hauser: Eine bewusste Entscheidung, die Liebe im Alltag zu leben, verändert ALLES. Die Ehe ist danach nicht perfekt und sie wird und muss es nicht sein. Doch wir begeben uns durch diese Entscheidung auf einen neuen wunderbaren Weg, der letztlich von GOTT geprägt ist, ob uns das bewusst ist oder nicht. Die Beziehungsspirale dreht sich wieder nach oben. Die ersten 16 Ehejahre waren wir ohne diese bewusste Entscheidung für die Liebe unterwegs, obgleich wir gläubig und praktizierende Katholiken waren. Heute blicken wir dankbar zurück, dass wir die Kurve gekriegt haben und nun andere Paare zusammen mit einem wunderbaren Team von Ehepaaren und Priestern begleiten dürfen.
Interview: red
Glaubensfest im Herzen Bayerns
Lucia und Hans-Peter Hauser werden bei Adoratio Altötting vom 9. bis 11. Oktober einen Workshop für Paare geben zum Thema „Du & ich – Liebe im Alltag: In der Liebe wachsen, Freiheit und Verantwortung wahrnehmen, Konflikte als Chance sehen, einander in den Himmel helfen“. Beim Glaubensfest im Herzen Bayerns gibt es außerdem Vorträge von Autor Tobias Haberl, Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und Bischof Stefan Oster SDB.
Es wird außerdem ein vielfältiges Angebot an Workshops rund um die Themen Gottes- und Nächstenliebe geben, unter anderem mit Bernadette Lang, Anne Fleck, Prof. Sandra Huebenthal, Pater Stefan Hofmann SJ, Pfarrer Bernhard Hesse, Stadtpfarrer Dr. Klaus Metzl, Peter Kunz, Sr. Edith Kußmann OSB, Pfarrvikar Rupert Santner. Neben den Vorträgen und gemeinsamen Gebetszeiten wird ein Höhepunkt des Programms wieder die Lichterprozession um die Gnadenkapelle sein.
Adoratio ist ein Glaubensfest, bei dem Jesus Christus im Mittelpunkt steht – in der Eucharistie. Inspiriert von dem internationalen Kongress zur ewigen eucharistischen Anbetung, der 2011 erstmals in Rom stattfand, wurde Adoratio 2019 in Altötting ins Leben gerufen. Unter der Leitung des Referats für Neuevangelisierung des Bistums Passau wird der Kongress 2026 in Zusammenarbeit mit den Bistümern Augsburg und Eichstätt bereits zum siebten Mal veranstaltet. Adoratio wird über Radio (Radio Horeb) und Fernsehen (EWTN.TV und K‑TV) übertragen werden. Weitere Informationen finden Sie auf www.adoratio-altoetting.de


