Das glauben wir

„Blicken dankbar zurück, dass wir die Kurve gekriegt haben“

Redaktion am 27.07.2026

Info Icon Foto: privat
Liebe ist eine Entscheidung und eine Fähigkeit, betonen Lucia und Hans-Peter Hauser.

In Zeiten von hohen Scheidungsraten und viel Herzschmerz aufgrund zerbrochener Beziehungen stellt sich die Frage, wie eine Beziehung heute auf Dauer gelingen kann. Was macht eine Beziehung wirklich stark? Wie bleibt man glücklich als Paar? Das Ehepaar Hauser spricht in unserer Adoratio-Interviewreihe darüber – aus persönlicher Erfahrung und aus der Erfahrung aus der Begleitung von zahlreichen Paaren in den letzten Jahren.

Vie­le Paa­re wün­schen sich eine erfüll­te Bezie­hung, wis­sen aber nicht genau, wie sie aktiv dar­an arbei­ten kön­nen. Was sind klei­ne, all­tags­taug­li­che Gewohn­hei­ten, die lang­fris­tig einen gro­ßen Unter­schied machen?
Lucia Hau­ser: Es sind vor allem die klei­nen Ges­ten, die ein­fach sind und nichts kos­ten, aber immens auf das Bezie­hungs­kon­to ein­zah­len. Klei­ne Taten, die zei­gen: Ich den­ke an dich, du bist wert­voll. Eben­so sind es Wor­te wie z. B. Bit­te“, Dan­ke“, Ent­schul­di­gung“, Kann ich dir hel­fen?“, Das Kleid steht dir gut“, Ich bin stolz auf dich“, Ich lie­be dich“. Wert­schät­zen­de Wor­te haben eine enor­me Kraft, nega­ti­ve Wor­te lei­der noch viel mehr. Sich min­des­tens ein­mal in der Woche etwas Zeit für die Bezie­hung neh­men; mit­ein­an­der ins Gespräch kom­men, ech­tes Inter­es­se am Part­ner zei­gen, wie geht es dir?, dem ande­ren sein Herz anver­trau­en. Fes­te Ritua­le, z. B. sich in die Augen schau­en, umar­men, mit­ein­an­der beten, A fami­ly who prays tog­e­ther, stays tog­e­ther“ (Mut­ter Tere­sa).
Hans-Peter Hau­ser: Eine inne­re Her­zens­hal­tung der Lie­be macht den Unter­schied. Ich kann mich immer für die Lie­be ent­schei­den! Regel­mä­ßi­ge Refle­xi­on hilft: Will ich ein lie­ben­der Mensch sein?

Gibt es einen häu­fi­gen Denk­feh­ler über Lie­be oder Bezie­hung, dem vie­le Paa­re auf­sit­zen?
Hans-Peter Hau­ser: Ein häu­fi­ger Denk­feh­ler ist die Annah­me, dass Lie­be aus­schließ­lich ein Gefühl ist. Vie­le las­sen sich von Gefüh­len lei­ten. Das ist eine fra­gi­le Basis. Wenn ich Lie­be mit Gefühl gleich­set­ze, erwar­te ich, dass mir mein Part­ner das gibt, was ich brau­che, und dass er mich glück­lich macht. Es geht somit vor allem um mich. Natür­lich sehnt sich jeder danach, geliebt zu wer­den. Aber Lie­be bleibt nicht bei sich ste­hen. Sie will das Gute für den ande­ren.
Lucia Hau­ser: Wah­re Lie­be ver­eint bei­des – zu lie­ben und geliebt wer­den. Sie ent­fal­tet sich in Frei­heit. Immer wenn ich auf­hö­re, um mich selbst zu krei­sen, und begin­ne, das Wohl des ande­ren im Blick zu haben, bin ich auf einem guten Weg. Lie­be ist eine Ent­schei­dung und eine Fähig­keit, die ich ent­wi­ckeln kann. 

Info Icon Foto: Simona Kehl
Wahre Liebe vereint beides – zu lieben und geliebt werden. Sie entfaltet sich in Freiheit.

Wenn ein Paar das Gefühl hat, gera­de fest­zu­ste­cken oder sich von­ein­an­der ent­fernt zu haben: Was wäre ein ers­ter, kon­kre­ter Schritt zurück auf­ein­an­der zu?
Hans-Peter Hau­ser: Eine bewähr­te Hil­fe möch­ten wir hier ger­ne tei­len: Das Paar soll­te sich bewusst Zeit für­ein­an­der neh­men, sich in Ruhe auf­ein­an­der ein­las­sen. Sich in die Augen schau­en, sich berüh­ren, viel­leicht an den Hän­den neh­men. Dann soll­ten bei­de sich jeweils selbst fra­gen: Was war mein Anteil, dass wir heu­te dort sind, wo wir sind?“ Und die­se Erkennt­nis dem Part­ner mit­tei­len. Den Part­ner dann dafür um Ver­ge­bung bit­ten. Ihm sagen, wofür ich dank­bar bin, was ich an ihm wert­schät­ze, was ich an ihm bewun­de­re. Und sich abschlie­ßend über­le­gen, was ich in die Waag­scha­le wer­fen möch­te, damit wie­der mehr Nähe zwi­schen uns ist.

Wie wich­tig ist Ver­ge­bung in einer Part­ner­schaft – und wie kann man ler­nen, wirk­lich zu ver­ge­ben, wenn man ver­letzt wur­de?
Lucia Hau­ser: Ver­ge­bung ist essen­ti­ell, damit alte Las­ten bzw. Ver­let­zun­gen nicht ewig hin­ter sich her­ge­zo­gen wer­den und immer schwe­rer wer­den, ver­gleich­bar mit einem rie­si­gen Müll­sack, den man nicht los­las­sen will. Denn wenn ich nicht ver­ge­be, hat die Per­son, die mich ver­letzt hat, qua­si die Fern­be­die­nung über mein Leben in der Hand.

Es ist ein Trug­schluss, dass ich durch mei­ne Wei­ge­rung, zu ver­ge­ben, einen Trumpf“ in der Hand habe, denn ich ver­gif­te mich dadurch selbst und die Bezie­hung. Dies schwächt zudem mei­nen Kör­per und mei­ne Psy­che, was wis­sen­schaft­lich erwie­sen ist. Ver­ge­bung schenkt Frei­heit. Sie stellt jeden in sei­ne eige­ne Ver­ant­wor­tung zurück und ist eine Chan­ce, um ohne Bal­last neu zu begin­nen. Danach sehnt sich sicher jeder. Ein Lebens­stil der Ver­ge­bung gelingt durch mei­ne Frei­heit des Wil­lens und das kon­kre­te Tun. Das heißt: Ich ver­ge­be, weil ich ver­ge­ben will, auch wenn du mir nicht ver­ge­ben willst.“ Ich bit­te um Ver­ge­bung, wenn ich erken­ne, dass ich mei­nen Part­ner ver­letzt habe. Je häu­fi­ger ich das tue, umso leich­ter fällt es mir und wird zu einer lebens­ver­än­dern­den Gewohnheit.

In Ihrer Arbeit mit Lie​be​Le​ben​.com“ beglei­ten Sie vie­le Paa­re. Gibt es eine Erkennt­nis, die Sie immer wie­der über­rascht oder beson­ders berührt?
Lucia Hau­ser: Wir haben vie­le Momen­te erlebt, die uns zu Trä­nen gerührt haben! Wir den­ken an Ehe­paa­re, die nach jah­re­lan­ger emo­tio­na­ler und kör­per­li­cher Eis­zeit wie­der zu einer Ein­heit zusam­men­ge­fun­den haben. Oder an Paa­re, die bereits getrennt waren und nach einem GREN­ZEN­LOS LIEBE“-Wochenende einen dau­er­haf­ten Neu­be­ginn geschafft haben. Ihre Kri­se wur­de so in etwas Schö­nes und Star­kes ver­wan­delt. Wir erle­ben ver­letz­te Men­schen, die durch die Ent­schei­dung für die Lie­be Hei­lung fin­den. Ihr Daheim wur­de wie­der ein Ort von Lie­be und Wär­me.
Hans-Peter Hau­ser: Wir erin­nern uns an berüh­ren­de Feed­backs. Wir hören, dass inner­lich lee­re Bezie­hun­gen und Ehen wie­der auf­le­ben und Sexua­li­tät zu Begeg­nung und Hin­ga­be wird. Die Lie­be wird (wie­der) in den Mit­tel­punkt der Ehe und Fami­lie gestellt. Und es fin­den Men­schen zu Gott. Die wich­tigs­te Erkennt­nis von all­dem ist, dass Gott die Lie­be ist, und wenn Men­schen durch eine bewuss­te Ent­schei­dung die Lie­be in ihren Bezie­hun­gen im All­tag leben, fin­det Hei­lung statt und wir bege­ben uns auf den Weg der Lie­be, der letzt­lich der Weg Jesu ist und zum Vater führt.

Wenn Sie auf Ihre 36 Jah­re Ehe zurück­bli­cken: Was hät­ten Sie ger­ne frü­her über Bezie­hung gelernt?
Hans-Peter Hau­ser: Es hei­ra­ten zwei sehr unter­schied­li­che Men­schen, Mann und Frau mit ver­schie­de­nen Tem­pe­ra­men­ten und Prä­gun­gen, jeder mit sei­nen Ver­let­zun­gen, Stär­ken und Schwä­chen. Die Unter­schied­lich­keit ist zu Beginn oft sehr anzie­hend, nach ein paar Jah­ren fängt sie jedoch meist an, zu ner­ven. Man will den ande­ren ändern, was aber nicht mög­lich ist, denn jeder kann nur sich selbst ändern. Vie­le Paa­re bege­ben sich so auf einen Weg, wo sie an Nähe, Ver­traut­heit und Zunei­gung ver­lie­ren, die Bezie­hungs­spi­ra­le dreht sich nach unten. Paa­re lan­den oft schlei­chend auf einem Niveau, wo sie funk­tio­nie­ren, den All­tag bewäl­ti­gen, für die Fami­lie da sind, doch das Poten­zi­al der Lie­be nicht ent­fal­ten. Man­che Paa­re tren­nen sich. Auch wir haben das so erfah­ren, unse­re Ehe funk­tio­nier­te, mal bes­ser, mal schlech­ter. In unse­ren Semi­na­ren erle­ben wir immer wie­der Paa­re, denen es auch so erging.
Lucia Hau­ser: Eine bewuss­te Ent­schei­dung, die Lie­be im All­tag zu leben, ver­än­dert ALLES. Die Ehe ist danach nicht per­fekt und sie wird und muss es nicht sein. Doch wir bege­ben uns durch die­se Ent­schei­dung auf einen neu­en wun­der­ba­ren Weg, der letzt­lich von GOTT geprägt ist, ob uns das bewusst ist oder nicht. Die Bezie­hungs­spi­ra­le dreht sich wie­der nach oben. Die ers­ten 16 Ehe­jah­re waren wir ohne die­se bewuss­te Ent­schei­dung für die Lie­be unter­wegs, obgleich wir gläu­big und prak­ti­zie­ren­de Katho­li­ken waren. Heu­te bli­cken wir dank­bar zurück, dass wir die Kur­ve gekriegt haben und nun ande­re Paa­re zusam­men mit einem wun­der­ba­ren Team von Ehe­paa­ren und Pries­tern beglei­ten dürfen.

Inter­view: red

Glaubensfest im Herzen Bayerns

Lucia und Hans-Peter Hau­ser wer­den bei Ado­ra­tio Alt­öt­ting vom 9. bis 11. Okto­ber einen Work­shop für Paa­re geben zum The­ma Du & ich – Lie­be im All­tag: In der Lie­be wach­sen, Frei­heit und Ver­ant­wor­tung wahr­neh­men, Kon­flik­te als Chan­ce sehen, ein­an­der in den Him­mel hel­fen“. Beim Glau­bens­fest im Her­zen Bay­erns gibt es außer­dem Vor­trä­ge von Autor Tobi­as Haberl, Prof. Han­na-Bar­ba­ra Gerl-Fal­ko­vitz und Bischof Ste­fan Oster SDB
Es wird außer­dem ein viel­fäl­ti­ges Ange­bot an Work­shops rund um die The­men Got­tes- und Nächs­ten­lie­be geben, unter ande­rem mit Ber­na­dette Lang, Anne Fleck, Prof. San­dra Hue­ben­thal, Pater Ste­fan Hof­mann SJ, Pfar­rer Bern­hard Hes­se, Stadt­pfar­rer Dr. Klaus Metzl, Peter Kunz, Sr. Edith Kuß­mann OSB, Pfarr­vi­kar Rupert Sant­ner. Neben den Vor­trä­gen und gemein­sa­men Gebets­zei­ten wird ein Höhe­punkt des Pro­gramms wie­der die Lich­ter­pro­zes­si­on um die Gna­den­ka­pel­le sein.

Ado­ra­tio ist ein Glau­bens­fest, bei dem Jesus Chris­tus im Mit­tel­punkt steht – in der Eucha­ris­tie. Inspi­riert von dem inter­na­tio­na­len Kon­gress zur ewi­gen eucha­ris­ti­schen Anbe­tung, der 2011 erst­mals in Rom statt­fand, wur­de Ado­ra­tio 2019 in Alt­öt­ting ins Leben geru­fen. Unter der Lei­tung des Refe­rats für Neue­van­ge­li­sie­rung des Bis­tums Pas­sau wird der Kon­gress 2026 in Zusam­men­ar­beit mit den Bis­tü­mern Augs­burg und Eich­stätt bereits zum sieb­ten Mal ver­an­stal­tet. Ado­ra­tio wird über Radio (Radio Horeb) und Fern­se­hen (EWTN​.TV und K‑TV) über­tra­gen wer­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf www​.ado​ra​tio​-alt​oet​ting​.de

Weitere Nachrichten

Das glauben wir
14.07.2026

Der gute Gott und das Leid

Ob Gott Leid zulässt und wie sich Schmerz mit dem Glauben an seine Liebe vereinbaren lässt, gehört zu den…

Das glauben wir
16.06.2026

Für jede Frage eine Antwort: Die Bibel wird nie langweilig

Was kann uns ein so altes Buch wie die Bibel heute sagen? Wie können wir sie richtig verstehen? Was hat sie…

Das glauben wir
09.06.2026

Gott spricht auch heute zu uns

Der christliche Glaube beginnt mit einer einfachen Wahrheit: Gott liebt uns – und er ruft jeden Menschen zur…

03.08.2026

Eine Schatzkammer der Natur

Nur wenige Stunden Fahrtzeit von Passau entfernt erreichen wir Slowenien – ein kleines Land, das auf engstem…

Blumenpark Slowenien