Gott wirkt durch uns

Lisa Stockinger am 23.10.2019

Pastoraltagung_Charaktere

Wie eine charismenorientierte Denk- und Arbeitsweise

innerhalb der Pastoral noch mehr Menschen den Weg zum

Glauben öffnen kann, war Thema der Pastoraltagung 2019.

Ein Cha­ris­ma, das ist mehr als eine beson­de­re Fähig­keit, mehr als ein Talent, auch mehr als eine per­sön­li­che Stär­ke. Denn ein Cha­ris­ma ist etwas von Gott Gege­be­nes, etwas, das – wenn wir es nur wirk­sam wer­den las­sen – unser Leben in allen Berei­chen prägt; und gleich­zei­tig etwas, das unver­zicht­bar ist für eine Kir­che im Aufbruch. 

Im Bis­tum Pas­sau wer­den bereits seit eini­ger Zeit auf ver­schie­de­nen Ebe­nen neue Auf­brü­che gewagt, und so ver­wun­dert es wenig, dass Cha­ris­men in den Über­le­gun­gen derer, die für die Zukunft der Gemein­schaft der Gläu­bi­gen vor Ort Ver­ant­wor­tung tra­gen, eine ganz beson­de­re Rol­le spie­len. Schon im ver­gan­ge­nen Jahr haben Pries­ter, Dia­ko­ne, Pas­to­ral- und Gemein­de­re­fe­ren­tin­nen und -refe­ren­ten sich im Rah­men der Pas­to­ral­ta­gung mit der bibli­schen Grund­la­ge der Cha­ris­men beschäf­tigt – heu­er haben sie an die damals erar­bei­te­ten Ergeb­nis­se ange­knüpft und ganz prak­tisch danach gefragt, wie eine kon­se­quen­te Cha­ris­men­ori­en­tie­rung sowohl das Selbst­ma­nage­ment als auch die Zusam­men­ar­beit vor Ort in den Pfar­rei­en, Ver­wal­tungs­ein­hei­ten oder Ver­bän­den posi­tiv ver­än­dern könnte. 

Über Cha­ris­men“, so Bischof Oster, kann man nicht nach­den­ken, ohne über den Hei­li­gen Geist nach­zu­den­ken. Denn durch die Sakra­men­te ist er in uns gegen­wär­tig.“ Doch nicht nur das: Der Hei­li­ge Geist sei nicht nur in uns, son­dern wir­ke auch durch uns. Das gel­te ganz beson­ders für jene, die sich ihm öff­nen, mit ihm koope­rie­ren, wie einst die Got­tes­mut­ter Maria in ihrem frei­en und doch gleich­zei­tig auch durch Gott gewirk­ten Ja.

Wäh­rend ein Talent also etwas mei­ne, das ganz in uns selbst ver­or­tet ist, sei ein Cha­ris­ma etwas, in dem Mensch­li­ches und Gött­li­ches zusam­men­flie­ßen. Ein Cha­ris­ma“, so zeig­te der Bischof, erwächst aus der Aner­ken­nung der Tat­sa­che, dass Jesus der Herr mei­nes Lebens ist, in all sei­nen Berei­chen.“ Cha­ris­men könn­ten dabei durch­aus an Stär­ken anknüp­fen, genau­so gut aber auch aus Schwä­chen erwach­sen. Sie erwei­sen sich als Gaben, die uns nicht für uns selbst, zur Stär­kung unse­res Egos, gege­ben sind, son­dern um mit­zu­wir­ken am Auf­bau der Gemeinschaft.

An die­se Über­le­gung knüpf­ten Prof. Hel­mut Roth und sei­ne Frau Karin im zwei­ten Teil der Tagung an. Sie mach­ten die Teil­neh­mer zunächst ver­traut mit dem soge­nann­ten DISG-Per­sön­lich­keits­mo­dell, das ein­zel­ne Stär­ken – wie Empa­thie, Durch­set­zungs­fä­hig­keit, Loya­li­tät und vie­le wei­te­re Fähig­kei­ten – zu vier Per­sön­lich­keits­ty­pen ord­net. Im wei­te­ren Ver­lauf zeig­ten sie auf, wie eine genaue Kennt­nis des eige­nen Typs das Selbst­ma­nage­ment erleich­tern und den Umgang unter­ein­an­der ver­bes­sern kann, auch und gera­de im pas­to­ra­len Wirken.

Eck­da­ten zur Pas­to­ral­ta­gung:
The­ma:
Cha­ris­men­ori­en­tie­rung – Mit­ar­bei­ter im Fokus. Stär­ken, Fähig­kei­ten, Moti­va­ti­on“. Im Zen­trum stand die Fra­ge, wie die pas­to­ra­len Mit­ar­bei­ter des Bis­tums ihre Cha­ris­men erken­nen und für den Auf­bau der Gemein­schaft frucht­bar machen kön­nen.
Schwer­punk­te:
Was sind Cha­ris­men und wie unter­schei­den sie sich von Talen­ten? Wie lässt sich mit Hil­fe des DISG-Per­sön­lich­keits­mo­dells eine cha­ris­men­ori­en­tier­te Teament­wick­lung initi­ie­ren?
Teil­neh­mer:
An drei Ter­mi­nen tra­fen sich ins­ge­samt rund 260 Pries­ter, Dia­ko­ne und Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im Pas­to­ra­len Dienst.
Zie­le:
Die wich­tigs­ten Prot­ago­nis­ten der Pas­to­ral mit­ein­an­der ins Gespräch zu brin­gen und ihnen ein Instru­ment an die Hand zu geben, um eige­ne und frem­de Cha­ris­men auf­zu­spü­ren, sie wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und im Arbeits­all­tag wirk­sam wer­den zu lassen.

Text und Foto: Bar­ba­ra Osdarty