Bistum

„Momo“ lehrt das Fürchten

Redaktion am 13.02.2026

Info Icon Foto: Anton Gschrei
Thomas Rechl verdeutlicht anhand der Internetfigur „Momo“, welchen Einfluss digitale Inhalte auf Kinder haben können. Dieser Kettenbrief habe bei Kindern Angst und Panik erzeugt und in Einzelfällen sogar dazu geführt, dass sich Kinder das Leben genommen haben.

Das Internet ist Fluch und Segen zugleich – besonders für Kinder und Jugendliche. Mitglieder des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Passau haben sich im Haus Spectrum Kirche in Passau mit den Gefahren des Webs auseinandergesetzt.

Digi­ta­le Medi­en und die Nut­zung von Smart­phones beschäf­ti­gen Eltern, Lehr­kräf­te und päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te glei­cher­ma­ßen. Dar­auf wies der Vor­sit­zen­de des Sach­aus­schus­ses Bil­dung und Erzie­hung“, Anton Gschrei, bei der Begrü­ßung der Teil­neh­men­den hin. Bereits im Jahr 2023 hat­ten mehr als 20 Pro­zent der Kin­der im Alter von zwei bis fünf Jah­ren Zugang zu smar­ten Gerä­ten. Papst Fran­zis­kus habe das Inter­net zwar als Geschenk Got­tes“ bezeich­net, zugleich jedoch vor einem unre­flek­tier­ten Umgang gewarnt.

Unter dem Titel Stol­per­stei­ne und Gefah­ren im Inter­net“ refe­rier­te der Psy­cho­lo­ge und Poli­zei­be­am­te Tho­mas Rechl über aktu­el­le Her­aus­for­de­run­gen der digi­ta­len Welt für Kin­der und Jugend­li­che. In sei­nem Vor­trag the­ma­ti­sier­te er unter ande­rem Cyber­mob­bing, Medi­en­sucht, Dro­gen­kon­sum, sexu­el­le Gewalt im Inter­net sowie Sui­zid­prä­ven­ti­on. Rechl arbei­tet seit vie­len Jah­ren im Bereich der Prä­ven­ti­on und bie­tet für Kin­der, Jugend­li­che, Eltern, Lehr­kräf­te und päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te maß­ge­schnei­der­te Pro­gram­me zu The­men wie Medi­en­kom­pe­tenz, Gewalt, Sucht, Radi­ka­li­sie­rung, Mob­bing und sexua­li­sier­ter Gewalt an.

Prä­ven­ti­on kön­ne hel­fen, pro­ble­ma­ti­sche Situa­tio­nen früh­zei­tig zu erken­nen und ihnen ent­ge­gen­zu­wir­ken, beton­te Rechl. In sei­ner poli­zei­li­chen Pra­xis habe er jedoch häu­fig erlebt, dass not­wen­di­ges Wis­sen über Täter­stra­te­gien feh­le. Dadurch gerie­ten Kin­der und Jugend­li­che immer wie­der in belas­ten­de und ver­meid­ba­re Situa­tio­nen. Auch Eltern und päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te sei­en mit die­sen Her­aus­for­de­run­gen oft über­for­dert und benö­tig­ten Ori­en­tie­rung und Unterstützung.

Anhand der Inter­net­fi­gur Momo“ ver­deut­lich­te Rechl, wel­chen Ein­fluss digi­ta­le Inhal­te auf Kin­der haben kön­nen. Die­ser Ket­ten­brief, der im Inter­net ver­brei­tet wur­de, habe Kin­der beein­flusst und bei ihnen Angst und Panik erzeugt. Das ent­spre­chen­de Video auf Smart­phones kön­ne mas­si­ven Druck auf­bau­en und habe in Ein­zel­fäl­len sogar dazu geführt, dass sich Kin­der das Leben genom­men haben.

Auch Com­pu­ter­spie­le sei­en ein zen­tra­les The­ma: Obwohl vie­le Spie­le erst ab 18 Jah­ren frei­ge­ge­ben sei­en, wür­den sie bereits von deut­lich jün­ge­ren Jugend­li­chen genutzt. Die größ­te Gefahr lie­ge in der Such­t­ent­wick­lung, die im Beloh­nungs­sys­tem des Gehirns ent­ste­he. Jugend­li­che such­ten in digi­ta­len Spie­len häu­fig Aner­ken­nung und Auf­merk­sam­keit. Rechl riet Eltern, ihren Kin­dern Alter­na­ti­ven anzu­bie­ten, mehr Zeit mit ihnen zu ver­brin­gen und auch Lan­ge­wei­le bewusst zuzulassen.

Kin­der kämen durch Smart­phones sehr früh mit Gewalt­in­hal­ten in Berüh­rung, erklär­te Rechl. Bereits Schü­le­rin­nen und Schü­ler der fünf­ten Klas­se hät­ten im Inter­net viel­fach pro­ble­ma­ti­sche Erfah­run­gen gemacht. Ein über­mä­ßi­ger Medi­en­kon­sum kön­ne zudem depres­si­ve Ver­stim­mun­gen begüns­ti­gen. Den­noch mach­te der Refe­rent Mut: Ein Aus­stieg aus der Medi­en­sucht sei mög­lich. Bereits nach rund drei Wochen ohne Medi­en­nut­zung könn­ten posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen eintreten.

Aus Sicht von Rechl soll­ten Kin­der frü­hes­tens ab der fünf­ten Klas­se ein Smart­phone erhal­ten. In die­sem Alter könn­ten Eltern die Nut­zung noch beglei­ten und steu­ern. Ab etwa 14 Jah­ren sei hin­ge­gen ein schritt­wei­ser Rück­zug der Kon­trol­le sinn­voll. Ent­schei­dend sei, dass Eltern kla­re Regeln auf­stel­len und die­se kon­se­quent umset­zen. Schu­len könn­ten die­sen Pro­zess durch geziel­te Medi­en­er­zie­hung unter­stüt­zen. Das Ein­sam­meln von Mobil­te­le­fo­nen vor Unter­richts­be­ginn hält Rechl für sinn­voll. Als hilf­rei­che Infor­ma­ti­ons­quel­le für Eltern nann­te er die Inter­net­sei­te klick­safe“.

Zum The­ma Cyber­mob­bing erklär­te Rechl, dass betrof­fe­ne Kin­der häu­fig schwer zu erken­nen sei­en, da sie sich eher zurück­zie­hen. Mob­bing wir­ke wie eine see­li­sche Ver­let­zung und kön­ne trau­ma­ti­sche Fol­gen haben. Eltern soll­ten ihren Kin­dern zuhö­ren, ohne Druck aus­zu­üben, und behut­sam Unter­stüt­zung anbie­ten. Cyber­mob­bing sei auch ein wich­ti­ges Auf­ga­ben­feld der Schul­so­zi­al­ar­beit. Eine beson­de­re Rol­le bei Mob­bing­pro­zes­sen spiel­ten die soge­nann­ten Bystan­der“, also unbe­tei­lig­te Zuschau­er. Gera­de hier müs­se Prä­ven­ti­ons­ar­beit anset­zen, wie Rechl am Bei­spiel des Falls Dra­chen­lord“ deut­lich machte.

Beson­ders alar­mie­rend sei­en auch die Zah­len zur sexu­el­len Gewalt im Inter­net. Sta­tis­tisch hät­ten ein bis zwei Kin­der pro Schul­klas­se ent­spre­chen­de Erfah­run­gen gemacht. Gefah­ren bestün­den unter ande­rem auf Spie­le­platt­for­men und in anony­men Online-Räu­men. Nur ein sehr gerin­ger Teil der Fäl­le wer­de über­haupt bei Poli­zei und Jugend­äm­tern bekannt. Kin­der und Jugend­li­che wür­den zuneh­mend über das Inter­net sozia­li­siert, was häu­fig zu unrea­lis­ti­schen Vor­stel­lun­gen, ins­be­son­de­re im Bereich Sexua­li­tät, füh­re. Umso wich­ti­ger sei eine früh­zei­ti­ge und alters­ge­rech­te Auf­klä­rung durch die Eltern, beton­te Tho­mas Rechl.

Orga­ni­siert wor­den ist die Ver­an­stal­tung von den Sach­aus­schüs­sen Bil­dung und Erzie­hung“ und Lai­en­apos­to­lat und pas­to­ra­le Ent­wick­lung“ im Diözesanrat.

Text und Foto: Anton Gschrei

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