Foto: Anton Gschrei
Das Internet ist Fluch und Segen zugleich – besonders für Kinder und Jugendliche. Mitglieder des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Passau haben sich im Haus Spectrum Kirche in Passau mit den Gefahren des Webs auseinandergesetzt.
Digitale Medien und die Nutzung von Smartphones beschäftigen Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte gleichermaßen. Darauf wies der Vorsitzende des Sachausschusses „Bildung und Erziehung“, Anton Gschrei, bei der Begrüßung der Teilnehmenden hin. Bereits im Jahr 2023 hatten mehr als 20 Prozent der Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren Zugang zu smarten Geräten. Papst Franziskus habe das Internet zwar als „Geschenk Gottes“ bezeichnet, zugleich jedoch vor einem unreflektierten Umgang gewarnt.
Unter dem Titel „Stolpersteine und Gefahren im Internet“ referierte der Psychologe und Polizeibeamte Thomas Rechl über aktuelle Herausforderungen der digitalen Welt für Kinder und Jugendliche. In seinem Vortrag thematisierte er unter anderem Cybermobbing, Mediensucht, Drogenkonsum, sexuelle Gewalt im Internet sowie Suizidprävention. Rechl arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der Prävention und bietet für Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte maßgeschneiderte Programme zu Themen wie Medienkompetenz, Gewalt, Sucht, Radikalisierung, Mobbing und sexualisierter Gewalt an.
Prävention könne helfen, problematische Situationen frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken, betonte Rechl. In seiner polizeilichen Praxis habe er jedoch häufig erlebt, dass notwendiges Wissen über Täterstrategien fehle. Dadurch gerieten Kinder und Jugendliche immer wieder in belastende und vermeidbare Situationen. Auch Eltern und pädagogische Fachkräfte seien mit diesen Herausforderungen oft überfordert und benötigten Orientierung und Unterstützung.
Anhand der Internetfigur „Momo“ verdeutlichte Rechl, welchen Einfluss digitale Inhalte auf Kinder haben können. Dieser Kettenbrief, der im Internet verbreitet wurde, habe Kinder beeinflusst und bei ihnen Angst und Panik erzeugt. Das entsprechende Video auf Smartphones könne massiven Druck aufbauen und habe in Einzelfällen sogar dazu geführt, dass sich Kinder das Leben genommen haben.
Auch Computerspiele seien ein zentrales Thema: Obwohl viele Spiele erst ab 18 Jahren freigegeben seien, würden sie bereits von deutlich jüngeren Jugendlichen genutzt. Die größte Gefahr liege in der Suchtentwicklung, die im Belohnungssystem des Gehirns entstehe. Jugendliche suchten in digitalen Spielen häufig Anerkennung und Aufmerksamkeit. Rechl riet Eltern, ihren Kindern Alternativen anzubieten, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen und auch Langeweile bewusst zuzulassen.
Kinder kämen durch Smartphones sehr früh mit Gewaltinhalten in Berührung, erklärte Rechl. Bereits Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse hätten im Internet vielfach problematische Erfahrungen gemacht. Ein übermäßiger Medienkonsum könne zudem depressive Verstimmungen begünstigen. Dennoch machte der Referent Mut: Ein Ausstieg aus der Mediensucht sei möglich. Bereits nach rund drei Wochen ohne Mediennutzung könnten positive Veränderungen eintreten.
Aus Sicht von Rechl sollten Kinder frühestens ab der fünften Klasse ein Smartphone erhalten. In diesem Alter könnten Eltern die Nutzung noch begleiten und steuern. Ab etwa 14 Jahren sei hingegen ein schrittweiser Rückzug der Kontrolle sinnvoll. Entscheidend sei, dass Eltern klare Regeln aufstellen und diese konsequent umsetzen. Schulen könnten diesen Prozess durch gezielte Medienerziehung unterstützen. Das Einsammeln von Mobiltelefonen vor Unterrichtsbeginn hält Rechl für sinnvoll. Als hilfreiche Informationsquelle für Eltern nannte er die Internetseite „klicksafe“.
Zum Thema Cybermobbing erklärte Rechl, dass betroffene Kinder häufig schwer zu erkennen seien, da sie sich eher zurückziehen. Mobbing wirke wie eine seelische Verletzung und könne traumatische Folgen haben. Eltern sollten ihren Kindern zuhören, ohne Druck auszuüben, und behutsam Unterstützung anbieten. Cybermobbing sei auch ein wichtiges Aufgabenfeld der Schulsozialarbeit. Eine besondere Rolle bei Mobbingprozessen spielten die sogenannten „Bystander“, also unbeteiligte Zuschauer. Gerade hier müsse Präventionsarbeit ansetzen, wie Rechl am Beispiel des Falls „Drachenlord“ deutlich machte.
Besonders alarmierend seien auch die Zahlen zur sexuellen Gewalt im Internet. Statistisch hätten ein bis zwei Kinder pro Schulklasse entsprechende Erfahrungen gemacht. Gefahren bestünden unter anderem auf Spieleplattformen und in anonymen Online-Räumen. Nur ein sehr geringer Teil der Fälle werde überhaupt bei Polizei und Jugendämtern bekannt. Kinder und Jugendliche würden zunehmend über das Internet sozialisiert, was häufig zu unrealistischen Vorstellungen, insbesondere im Bereich Sexualität, führe. Umso wichtiger sei eine frühzeitige und altersgerechte Aufklärung durch die Eltern, betonte Thomas Rechl.
Organisiert worden ist die Veranstaltung von den Sachausschüssen „Bildung und Erziehung“ und „Laienapostolat und pastorale Entwicklung“ im Diözesanrat.
Text und Foto: Anton Gschrei



