Weltkirche

Dranbleiben

Redaktion am 07.10.2024

Info Icon Foto: red
Titelbild der Ausgabe 42-2024 des Passauer Bistumsblatts vereint mit dem Altöttinger Liebfrauenboten.

Vor kurzem hat Papst Franziskus in einem Bußakt zum Auftakt der Weltsynode auf ein ebenso schwieriges wie wichtiges Thema aufmerksam gemacht: auf den Schutz vor (sexuellem) Missbrauch. Ein Thema, an dem wir alle dranbleiben müssen anstatt wegzuschalten, wie der Autor des aktuellen Editorials (der Ausgabe 42-2024) feststellt.

Viel­leicht ken­nen Sie das: Weil gera­de über etwas gere­det wird, das Sie eigent­lich über­haupt nicht hören und nicht wis­sen wol­len, drü­cken Sie in Gedan­ken den Aus-Schal­ter der Fern­be­die­nung oder ver­su­chen wie beim TV-Gerät den Sen­der zu wech­seln. Nur, dass das im wirk­li­chen Leben nicht funk­tio­niert. Erst recht nicht, wenn es um ein sehr erns­tes The­ma geht, das uns alle betrifft.

Miss­brauch“ ist so ein The­ma, das ich am liebs­ten ein­fach weg­drü­cken“ wür­de. Gera­de erst hat Papst Fran­zis­kus um Ver­ge­bung wegen des Ver­sa­gens der katho­li­schen Kir­che im Umgang mit Fäl­len sexu­el­len Miss­brauchs durch Geist­li­che gebe­ten – und ich hab‘ mich schon wie­der beim Gedan­ken an die Fern­be­die­nung erwischt.

Wobei es mir, wenn wir es schon anspre­chen müs­sen, lie­ber ist, das The­ma deut­lich beim Namen zu nen­nen: Es geht um Gewalt. Um Gewalt gegen Men­schen, häu­fig sehr jun­ge Men­schen. Das Wort Miss­brauch“ klingt für mich in die­sem Zusam­men­hang näm­lich irgend­wie so, als müss­ten wir nur die Gebrauchs­an­wei­sung“ fin­den wie man Men­schen rich­tig benutzt“. Dabei ist das ja genau das Pro­blem: Dass Men­schen unter Anwen­dung von Gewalt benutzt“ wur­den; in einem Moment, als sie sich nicht weh­ren konn­ten und/​oder weh­ren durf­ten. Ermög­licht wur­de die­se Gewalt durch den Miss­brauch von Macht. Und begüns­tigt wur­de die­se Gewalt durch das sys­te­ma­ti­sche Weg­schal­ten“. Ein Weg­schal­ten“, das dann wie­der­um Macht­ha­bern“ das sys­te­ma­ti­sche Ver­tu­schen ermög­licht hat. Ein Teu­fels­kreis. Und spä­tes­tens an die­ser Stel­le geht uns das The­ma alle an. Spä­tes­tens an die­ser Stel­le müss­te uns allen klar sein, dass wir die­ses The­ma nicht mehr aus­blen­den dür­fen. Nie mehr.

Denn eben­so sicher wie die Annah­me, dass es sexu­el­le Gewalt schon immer gege­ben hat und immer geben wird, ist die Annah­me, dass es sie über­all geben kann, wo Men­schen zusam­men sind. Nicht nur in der Kir­che, auch in Schu­len, Ver­ei­nen, etc. Nur habe ich hier­zu­lan­de manch­mal den Ein­druck, als sei die katho­li­sche Kir­che aktu­ell die ein­zi­ge Insti­tu­ti­on, die im Ange­sicht der Gefahr nicht weg­schal­tet“, son­dern dran­bleibt, auf­ar­bei­tet, vor­beugt, auf­merk­sam macht

Denn selbst­ver­ständ­lich lässt sich sexu­el­le Gewalt bekämp­fen und die Gefahr ver­rin­gern. Durch Auf­merk­sam­keit, Acht­sam­keit, dadurch, dass wir nicht weg­schal­ten, son­dern dran­blei­ben. Aus der Schu­lung zur Prä­ven­ti­on von Miss­brauch in unse­rem Bis­tum ist mir vor allem eine Lek­ti­on in Erin­ne­rung geblie­ben: Dass Opfer, sofern sie über­haupt über das Erleb­te spre­chen konn­ten, durch­schnitt­lich erst beim sechs­ten oder sieb­ten Anlauf auf offe­ne Ohren gesto­ßen sind. Alle ande­ren Per­so­nen davor haben sich weg­ge­duckt: Es kann nicht sein, was nicht sein darf …“. Über­all dort, wo Men­schen weg­schal­ten“, wo das Spre­chen über das The­ma Sexua­li­tät ein Tabu ist, haben Täter ein ein­fa­ches Spiel. Umge­kehrt bedeu­tet dies: Am sichers­ten leben wir in einer Gesell­schaft, die offen und acht­sam bleibt.

Es ist also kei­ne Über­ra­schung, dass sexu­el­le Gewalt“ (und ihre mut­maß­lich jahr­hun­der­te­lan­ge Geschich­te) in der Bun­des­re­pu­blik erst spät zu einem The­ma wur­de – erst als es mög­lich wur­de, offen über Sexua­li­tät zu spre­chen. Eben­so wenig über­rascht es, dass die­ses The­ma längst noch nicht über­all in der Welt ange­kom­men ist. Umso wich­ti­ger ist es, wenn Papst Fran­zis­kus auf­merk­sam bleibt, auf­merk­sam macht – und für die Sün­den“ in Räu­men der Kir­che öffent­lich um Ver­ge­bung bittet.

Bis­lang waren die Opfer sexu­el­ler Gewalt die Vor­rei­ter von Auf­klä­rung und Prä­ven­ti­on. Sie haben alle Unter­stüt­zung ver­dient. Blei­ben wir dran.

Michael
Glaß

Redakteur

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