Das glauben wir

Im Sturm

Redaktion am 26.01.2026

Rettungsring. Info Icon Foto: Adobe Stock
„Christen, die sich nicht in die Politik einmischen wollen, wären wie Rettungsschwimmer, die sich weigern, ins Wasser zu gehen ...“

Gerade entsteht eine neue Weltordnung und auch die Kirche muss sich fragen, ob und wie sie in das politische Tagesgeschehen eingreifen soll. Der Autor des Editorials unserer aktuellen Ausgabe 5-2026 geht dieser Frage nach.

Wenn sich Unheil anbahnt, dann suchen Men­schen Zuflucht. Ger­ne in Kir­chen. Mag da drau­ßen auch ein Sturm wüten, Gott wer­de uns schon beschüt­zen in sei­nem Haus. Das klappt auch heu­te ganz gut, wenn uns die Nach­rich­ten im Sekun­den­takt aus dem All­tag rei­ßen und uns den Boden unter den Füßen weg­zu­schwem­men dro­hen – eine Schlag­zei­le jagt die nächs­te, wie Wel­len einer auf­kom­men­den Flut. Mariä Licht­mess ist ein schö­nes Datum für eine Flucht aus der Welt; wenn Ker­zen sanft schei­nen und an die Barm­her­zig­keit des wah­ren Königs und an die Selig­keit im Him­mel erin­nern. Aber nicht nur dann: Sol­len die Köni­ge die­ser Welt doch ihre Schlag­zei­len haben, dann such‘ ich halt mei­ne Ruhe in der Kirche.“

So oder so ähn­lich den­ken viel­leicht vie­le in die­sen Tagen, und bestimmt auch jene, die sich immer­zu beschwe­ren, die Kir­che möge sich doch her­aus­hal­ten aus der Poli­tik und sich aufs Beten kon­zen­trie­ren. Nun ist beten sicher­lich kei­ne schlech­te Idee, aber das mit dem Her­aus­hal­ten schon. Weil auch die Kir­che mit­ten­drin ist in die­ser Welt. Wohin Pas­si­vi­tät oder gar Mit­läu­fer­tum füh­ren kön­nen, lässt sich in Russ­land oder in den USA beob­ach­ten, wo sich hier die ortho­do­xe Kir­che ganz offi­zi­ell und dort evan­ge­li­ka­le Chris­ten zu einem sehr gro­ßen Teil ihrem jewei­li­gen Herr­scher unter­wor­fen haben – dem welt­li­chen wohl­ge­merkt, nicht dem König im Him­mel. Herr­scher kämp­fen um Macht, Jesus um die Her­zen der Men­schen. In der Bibel ist nichts davon über­lie­fert, dass Gott die Her­zen nach Natio­na­li­tät oder völ­ki­scher Iden­ti­tät aussortiert.

Beten wir für den Frie­den in einem Moment der Geschich­te, der von einem zuneh­men­den Ver­lust der Men­schen­wür­de geprägt scheint und in dem der Krieg wie­der in Mode ist.”

Auch sitzt Jesus nicht ein­fach so im Him­mel und war­tet, bis wir uns zu ihm hin­auf­ge­be­tet haben – dem christ­li­chen Glau­ben nach ist er bereits da und geht auch dann mit uns mit, wenn wir uns aus der Kir­che in die Welt hin­aus­wa­gen. Gott ist hoch­po­li­tisch“, sagt gar Pas­to­ral­theo­lo­ge Paul Micha­el Zuleh­ner in unse­rem Inter­view und trifft hier einen wun­den Punkt: Men­schen­wür­de, Lebens­schutz, Kli­ma­schutz, … Alle­samt poli­ti­sche The­men, die den Glau­ben berüh­ren – und die sich daher nicht ein­fach so weg­wi­schen las­sen, wenn sie einem nicht in den Kram passen.

Frie­den ist das gro­ße The­ma unse­rer Zeit. Kaum ein Tag ver­geht, an dem nicht Papst Leo dazu auf­ruft. Und kaum ein Tag ver­geht, an dem nicht dar­um gestrit­ten wird, wie die­ser zu errei­chen sei. Ein Blick auf Jesus am Kreuz mag hel­fen, die Per­spek­ti­ve zurecht­zu­rü­cken: Von Men­schen, die Got­tes Sohn ans Kreuz gena­gelt haben, braucht nie­mand erwar­ten, dass sie immer­zu lieb und nett zuein­an­der sind. Ein Blick in die Geschichts­bü­cher bestä­tigt: Frie­den, wie wir ihn in Euro­pa lan­ge hat­ten, ist die Aus­nah­me; Krieg als Fort­set­zung der Poli­tik mit ande­ren Mit­teln“ ist die Regel. Selbst­mör­de­risch ist, wer sich unter die­sen Umstän­den allein mit Wor­ten ver­tei­di­gen möch­te. Rea­lis­tisch, wer sei­nen Wor­ten mit dem Besitz von Waf­fen die nöti­ge Kraft ver­leiht. Denn lei­der las­sen sich auch Erobe­rer, die sich als christ­lich bezeich­nen, nur durch Abschre­ckung davon abhal­ten, einen wei­te­ren Krieg zu beginnen.

Solan­ge selbst der Blick auf die Ver­letz­lich­keit des Kin­des in der Krip­pe die­se Kriegs­her­ren nicht auf­hält, soll­te die­ser aber die Pazi­fis­ten unter uns umso mehr dazu ermu­ti­gen, auch eine zwar nöti­ge, aber gefähr­li­che Poli­tik der Abschre­ckung immer wie­der zu hin­ter­fra­gen und dar­um zu rin­gen, um sie ver­nünf­tig aus­zu­ta­rie­ren. Chris­ten haben in die­ser Dis­kus­si­on nicht nur Rea­lis­mus ein­zu­brin­gen, son­dern auch Hoff­nung: eben jene, dass Jesus uns nicht im Stich lässt. Sich zu ver­ste­cken, ist jeden­falls kein guter Rat. Denn Chris­ten, die sich nicht in die Poli­tik ein­mi­schen wol­len, wären wie Ret­tungs­schwim­mer, die sich wei­gern, ins Was­ser zu gehen.

Michael
Glaß

Redakteur

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